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Auftakt der Warnstreiks am MZ: 180 Beschäftigte machen ihrem Unmut Luft

Von: Robert Flader
Letzte Aktualisierung:
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Das Medizinische Zentrum im Rücken, den Blick nach vorne: Rund 180 Beschäftigte gingen für mehr Geld auf die Straße. Foto: Ralf Roeger

Würselen. Nein, ein Arbeitstag wie jeder andere wird das sicher nicht. Das weiß Claudene Thusat schon am frühen Morgen. Um halb acht steht sie sonst nämlich nie vor der Einlassschranke des Medizinischen Zentrums der Städteregion in Würselen (MZ).

„Aber heute ist das Ganze nun mal etwas Besonderes.” Kaffee und Kakao wird vor dem Betriebsteil Marienhöhe gereicht, es ist ein kalter, ein sehr kalter Morgen.

Claudene Thusat arbeitet im MZ in der Diabetes-Beratung. Seit 1987 schon fährt sie täglich nach Würselen, angefangen hatte sie im Labor. Doch heute steht sie draußen auf schneeweißem Untergrund. Dort ist sie nicht allein, sondern inmitten von gut 180 Beschäftigten des MZ, die ihrem Unmut über die jüngst vertagten Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst freien Lauf lassen. Sie streiken.

„Welche andere Möglichkeit haben wir denn?” Thusat und ihre enttäuschten Kollegen fordern als Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst eine Lohnerhöhung von fünf Prozent. Doch bislang ist in dieser Richtung noch nichts passiert, die kommunalen Arbeitgeber haben den Beschäftigten kein konkretes Angebot unterbreitet. Für die öffentliche Hand ist das bislang so in Ordnung, vor allem wegen ihrer leeren Kassen.

Für Thomas Lürken und die Demonstrantenschar ist das so nicht in Ordnung. „Die Diskussionen stagnieren, es passiert nichts”, sagt der Leiter der Notaufnahme verärgert und berichtet von immensen Überstunden, die man durch viele krankheitsbedingte Ausfälle kaum mehr abbauen könne. „Und dafür ist die Bezahlung wirklich schlecht.”

Kurz darauf ziehen die Beschäftigten und Verdi-Mitglieder mit Trommeln, Trillerpfeifen und deutlich plakatierten Meinungen („Unser Lohn ist Hohn” oder „Gute Leute! Gute Arbeit! Gutes Geld!”) los. Ihr Ziel ist der rund 4,5 Kilometer entfernte MZ-Betriebsteil Bardenberg. Ob sie noch Hoffnung auf eine Einigung haben? „Natürlich, sonst hätten wir ja heute zu Hause bleiben können.” Am 10. Februar geht es in die dritte Verhandlungsrunde, der Ausgang ist aufgrund der verhärteten Fronten weiterhin offen.

Unter den Streikenden ist auch Wolfgang Cremer vom Verdi-Landesverband. „Total geil” nennt er ironisch die von den Arbeitgebern zunächst vorgelegten null Prozent für 24 Monate. „Vielleicht werden sogar die nächsten zehn Jahre reine Nullrunden”, fügt er kopfschüttelnd hinzu.

„Der Staat hat alle Möglichkeiten, Banken zu retten. Und wir, die sich um die Gesundheit kümmern, bekommen nichts.” Der Zug der Enttäuschten zieht unbeirrt über die Straßen Würselens. Bei besserem Wetter wären sie deutlich mehr gewesen, sagen die Streikenden selbstbewusst. Ihnen geht es ums Ganze.

SPD? Nein, Verdi!

In Bardenberg, auf dem Hans-Böckler-Platz, steht Helga Jungheim direkt vor dem MZ und verteilt rote Schlabberlätzchen. „Natürlich von Verdi”, kontert die Gewerkschaftssekretärin die Frage eines Passanten, ob etwa die SPD dort eine Veranstaltung plane. „Nein, von der Politik ist zu diesem Thema bislang leider nichts zu hören.”

Helga Jungheim wartet auf den bunten Straßenzug. Ein kleiner Rednerstand wird aufgebaut, und auch hier werden warme Getränke für die gleich eintreffenden Demonstranten aufgefahren. In weiter Ferne kann man sie bereits hören, die unzähligen Trommeln, Pfeifen und Sprechchöre.

Die MZ-ler erzeugen Aufmerksamkeit. Genau das wollen sie, auch wenn es nicht zum Äußersten kommen soll. „Eigentlich wollen wir den unbefristeten Arbeitskampf nicht”, stellt Verdi-Gewerkschaftssekretär Stefan Jungheim klar. „Das wäre eine Belastung für alle.”

Nach rund zwei Stunden sind die Demonstranten am Hans-Böckler-Platz angekommen. Es ist immer noch bitterkalt. Claudene Thusat holt erst einmal Kakao. Endlich: Zeit zum Aufwärmen an einem mehr als ungewöhnlichen Morgen. Doch es geht weiter, der Protest hat schließlich gerade erst begonnen.
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