Alleinerziehenden berufliche Perspektiven eröffnen

Von: Jan Weck
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Aachen. Sie machen einen immer größeren Anteil der Gesellschaft aus, trotzdem wird ihnen in der Öffentlichkeit meist wenig Beachtung geschenkt. Die Rede ist von den vielen alleinerziehenden Müttern und auch Vätern, die vor der täglichen Herausforderung stehen, sich um ihre Kinder zu kümmern und gleichzeitig für ein ausreichendes Einkommen zu sorgen.

So verbreitet der Singlehaushalt mittlerweile auch ist, die Betreuungsangebote für Kinder und die Bedingungen der Arbeitswelt scheinen dieser Entwicklung kaum gerecht zu werden. Um dieses Paradoxon in Zukunft aufzulösen, wurde im Jahr 2011 das „Forum E – Ein Netzwerk für die Städteregion“ gegründet.

Die Leitung dieses Projekts liegt bei dem gemeinnützigen Unternehmen Picco Bella in Aachen, das sich für die Weiterbildung und Qualifizierung von Frauen einsetzt. Zwar gebe es für Alleinerziehende bereits eine recht beachtliche Zahl an Unterstützungsangeboten, allerdings seien die einzelnen Ansprechpartner und Beratungsstellen häufig noch nicht ausreichend vernetzt, sagt Christiane Feldmann, die Geschäftsführerin von Picco Bella. Dabei sei gerade die schnelle und unkomplizierte Hilfe für Alleinerziehende so wichtig.

Wer berufstätig sei, der könne sich nur selten genug Urlaub nehmen, um sein Kind während der Ferienzeiten zu betreuen, so Feldmann. Schwierig sei es auch für Menschen, die im Schichtdienst arbeiten, nachts oder in den frühen Morgenstunden eine Betreuung für ihr Kind zu finden. Darüber hinaus sei abzusehen, dass die Nachfrage nach den gesetzlich garantierten Kitaplätzen für unter Dreijährige ab August dieses Jahres das Angebot weit übersteigen werde. Wer sich angesichts dieser desolaten Versorgungslage aber dafür entscheide, beruflich eine Pause einzulegen, der müsse eventuell mit erheblichen Schwierigkeiten bei der späteren Jobsuche rechnen.

Eine Fachkonferenz im Forum M in Aachen brachte nun lokale Akteure aus Politik und Wirtschaft mit Vertretern des Netzwerks zusammen. Dabei ging es zunächst darum, Versorgungslücken aufzuzeigen, um diese dann in Zukunft gemeinsam zu schließen. Wünschenswert ist laut Feldmann etwa, dass Unternehmen sich an den Kosten ihrer Mitarbeiter für Kitaplätze beteiligen und Alleinerziehenden durch Teilzeitstellen und Teilzeitausbildungsplätze neue Perspektiven eröffnen. Die Politik sei gefordert, wenn es darum gehe, bestehende Betreuungsangebote weiter auszubauen und den Erzieherberuf attraktiver zu gestalten.

An einer Podiumsdiskussion beteiligten sich die Bundestagsabgeordneten Rudolf Henke (CDU), Bettina Herlitzius (Grüne), Andrej Hunko (Linke) und Ulla Schmidt (SPD). Einig war man sich über den Handlungsbedarf, der sich angesichts des drohenden Fachkräftemangels noch verschärfen dürfte. Denn nicht nur die Alleinerziehenden streben nach gesellschaftlicher Teilhabe durch Erwerbsarbeit, auch die Wirtschaft ist auf derzeit ungenutzte Leistungsfähigkeit angewiesen.

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