Absprung aus dem „Hamsterrad”: SPD verabschiedet Achim Großmann

Von: Udo Kals
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„Du warst unser Idol. Du hast mich und viele andere in die SPD geholt”: Martin Schulz (r.) über Achim Großmann. Foto: Wolfgang Sevenich

Würselen. Anderthalb Jahre hatte Martin Schulz gerungen. Beharrlich hatte der SPD-Chef im Unterbezirk Kreis Aachen über Monate hinweg seinen Vorgänger, Freund und Weggefährten Achim Großmann beackert und bearbeitet, doch noch weiterzumachen.

„Denn eine SPD ohne einen aktiven Achim Großmann, das war für mich und viele andere schwer vorstellbar”, sagt Schulz heute und fügt an: Dieses Ringen „hat unsere Freundschaft auf Spannung gesetzt”. Am Ende blieb Großmann standhaft. Er trat bei der Bundestagswahl 2009 nicht mehr an, packte in Berlin seine Koffer und ging in den politischen Ruhestand. Nun verabschiedete die Partei mit Schulz an der Spitze und vielen Gratulanten an seiner Seite den Sozialdemokraten - verbunden mit der Erkenntnis: „Es geht zwar auch ohne Achim Großmann, aber es geht viel schwerer.”

Warum dies so ist, machte Schulz bei einer von Akkordeonvirtuose Manfred Leuchter musikalisch umrahmten Matinee im Alten Rathaus in Würselen deutlich. Er bilanzierte Großanns politisches Wirken und spann den Bogen vom „radikalen Juso aus konservativem Haus, der die Rebellion der 68er in die kleine Stadt Würselen bracht und von der Montan-Brigade in der SPD argwöhnisch beäugt wurde”, bis zum Parlamentarischen Staatssekretär, der im Bau- und Verkehrsministerium unter Franz Müntefering, Reinhard Klimmt, Kurt Bodewig, Manfred Stolpe und Wolfgang Tiefensee gearbeitet hat.

„Wenn ich die Namen der Verkehrsminister sehe, für die Achim Großmann gearbeitet hat, dann wäre er bei so manchem der bessere Minister gewesen”, zollte ihm Schulz Respekt und betonte: „Die SPD schuldet Dir Dank.” In Würselen. Im ehemaligen Kreis Aachen. In der Region. Auf Bundesebene in Bonn und Berlin.

23 Jahre Ratsherr, 14 Jahre Parteichef im Kreis, 22 Jahre Bundestagsabgeordneter, elf Jahre Parlamentarischer Staatssekretär, sechs Siege bei sechs Bundestagswahlen zwischen 1987 und 2005 - das sind die Rahmendaten. Dabei habe sich der 62-jährige Diplompsychologe während seiner langjährigen Polit-Karriere einen Namen erworben, „auf den wir stolz sind”, sagte Schulz, der damit „Fleiß, unermüdliche Präsenz, Kompetenz und klare Kante” verbindet: „Du hast Dich nie verbogen und allen Gesprächspartnern das Gefühl gegeben, dass sie mit Dir auf einer Augenhöhe sind.”

Bei allen Leistungen für viele (Verkehrs-)Projekte in der Region ist Großmann inhaltlich vor allem „sein” Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt” wichtig, das etwa in Eschweiler und Baesweiler umgesetzt wird. 3,5 Milliarden Euro seien seit 1998 in mehr als 600 Stadtteile geflossen. „Wenn der Bund es nicht angestoßen hätte, gäbe es das Programm nicht”, sagte Großmann, der sich nach stehenden Ovationen sichtlich bewegt bei Schulz für die „warmherzige Rede” bedankte.

Ganz von der Bildfläche verschwindet Großmann indes nicht, obschon der gebürtige Würselener froh ist, den Absprung „aus dem Hamsterrad des Politbetriebs” geschafft und lukrative Angebote aus der Wirtschaft abgelehnt zu haben. So will er sich künftig für die Kulturstiftung Würselen engagieren, ein Buch über den Aufbau seiner Heimatstadt nach dem Zweiten Weltkrieg schreiben und eine Geschichtswerkstatt für die Kreis-SPD etablieren. Denn eins ist ihm wichtig: „Ich will Dinge machen, die mir Spaß machen und mich nicht zehn bis zwölf Stunden am Tag einspannen.”
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