Aachen/Städteregion - Abschied von dem Amt, nicht von der Politik

Abschied von dem Amt, nicht von der Politik

Von: Jutta Geese
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Nimmt Abschied von einer Funkt
Nimmt Abschied von einer Funktion, nicht von der Politik: Josef Stiel (Mitte). Sein Nachfolger als Fraktionsvorsitzender der SPD im Städteregionstag ist Martin Peters (links), der vor zwei Jahren bereits Nachfolger des heutigen EU-Parlamentspräsidenten Martin Schulz im Amt des Kreisparteichefs wurde. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Städteregion. An seine erste Begegnung mit Josef Stiel erinnert sich Martin Schulz sehr gut: „Das war im Frühjahr 1984. Damals steckte der SPD-Ortsverein Eschweiler-Mitte in einer tiefen Krise, im Auge des Orkans befand sich Josef Stiel - und ich sollte den Streit im Auftrag des damaligen Unterbezirksvorsitzenden Achim Großmann schlichten.”

28 Jahre später nimmt sich Schulz, der als Präsident des EU-Parlaments nicht gerade unter Terminmangel leidet, die Zeit, bei einem Empfang der SPD-Fraktion im Städteregionstag den Politiker und Menschen Josef Stiel zu würdigen. Der 67-Jährige, der seit 1984 dem Kreistag und jetzt dem Städteregionstag angehört, hat nach 14 Jahren den Fraktionsvorsitz niedergelegt, bleibt aber als einfacher Abgeordneter im Städteregionstag.

„Es ist ein Abschied aus einer Funktion, nicht aus dem politischen Leben”, betonte denn auch Stiels Stellvertreter Manfred Bausch. Vor allem die regionale und euregionale Kooperation werde Stiel weiterhin federführend gestalten, sagte Horst Herberg, der als Fraktionsgeschäftsführer 14 Jahre lang mit Stiel „sehr eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet” hat. Ulla Schmidt hob für die Aachener SPD hervor, Stiel habe „sehr viel dafür getan, dass die Partei in Stadt und Land enger zusammenarbeitet”. Er sei auch „der Motor dafür, dass die Städteregion zum Erfolgsmodell werden kann - sie ist es noch nicht, aber sie kann es werden”. Als „ruhig und beharrlich, wie ein Fels in der Brandung, der aber konsequent in eine Richtung rollt, mit dem festem Willen, umzusetzen, was er für richtig hält” - so beschrieb Vize-Parteichefin Eva-Maria Voigt-Küppers den Regional- und Schulpolitiker.

Politik, das machte Martin Schulz in seiner Rede deutlich, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Der Entscheidungs- und Handlungsdruck werde immer größer, die Informationsflut und -schnelligkeit wachse. Und trotz allen äußeren Drucks sollen Politiker ihre Identität behalten, sich Neuem anpassen, aber sich selbst treu bleiben. „Wenn ich einen kenne, der das geschafft hat, dann bis du es, Josef”, erklärte Schulz.

Stärker noch als ein Europa- oder auch ein Landtagsabgeordneter müsse ein Kommunalpolitiker bei Problemen „unmittelbare Lösungskompetenz demonstrieren”, schließlich sei er für die Bürger greifbarer als die anderen. Zudem, so Schulz, würden Kommunalpolitiker in die „Gesamthaftung” genommen für die Partei, für alles, was da entschieden wird, obwohl er keinen Einfluss darauf hat. „Warum macht man das?”, fragte Schulz und lieferte mit Blick auf Josef Stiel gleich die Antwort: „Es ist seine tiefe Überzeugung, dass Demokratie nur funktioniert, wenn man dafür kämpft und sich engagiert.”

Und das wird Stiel, der sich in den Worten aller Redner „joot jetroffe” sah, auch in Zukunft tun. Bis zum Ende der Wahlzeit 2014 werde die Regionalpolitik sein Arbeitsschwerpunkt sein, erklärte er. „Ich hoffe, dass wir bis dahin den Umbau der regionalen Zusammenarbeit abschließen können.” Um die Städteregion mache er sich im Übrigen keine Sorgen: „Vernünftige Leute werden das über kurz oder lang regeln.”

Zu Stiels Nachfolger hat die SPD-Fraktion Ende März den erst 29 Jahre alten Martin Peters gewählt. Der ist es gewohnt, in große Fußstapfen zu treten: Vor zwei Jahren wurde er als SPD-Chef im Altkreis Nachfolger von keinem Geringeren als Martin Schulz, den Stiel vor 28 Jahren als erfolgreichen Streitschlichter kennenlernte.
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