Kevelaer - Zwischen Kommerz und Glauben: Die Hostienbäckerei in Kevelaer

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Zwischen Kommerz und Glauben: Die Hostienbäckerei in Kevelaer

Von: ddp-nrw
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Hostienbäckerei
Eine Mitarbeiterin der Hostienbäckerei St. Johannes schüttet in Kevelaer Hostien in eine Sortiermaschine. Foto: dpa

Kevelaer. Die Herstellung von Hostien für christliche Gottesdienste könnte für einen Bäcker ein ganz profanes Geschäft sein. Nicht jedoch für Thomas Held. „Das mache ich nicht in erster Linie aus kommerziellen Gründen”, sagt der Inhaber der privaten Hostienbäckerei St. Johannes.

Die Bäckerei, die einst in den Räumen des Klosters Vinnenberg bei Warendorf im Münsterland untergebracht war und seit 1898 Opferbrot backt, wird seit diesem Jahr als gläserne Hostienbäckerei in Kevelaer betrieben.

Ihm gehe es darum, den christlichen Glauben zu verbreiten, sagt der Katholik Held. „Gerade wenn junge Menschen uns besuchen und Fragen zur Liturgie stellen, etwa weshalb Hostien nur aus Weizenmehl und Wasser bestehen, bietet sich die Möglichkeit über den christlichen Glauben aufzuklären”, sagt Held.

Der 45 Jahre alte Witwer und Vater von vier Kindern hat die Bäckerei vom Kloster in den Wallfahrtsort verlagert, nachdem das Personal in der Klosterbäckerei nach und nach weniger wurde. Anders als früher, hinter den hohen Klostermauern, können Besucher nun durch Glasscheiben von außen bei der Herstellung des Opferbrotes zuschauen.

Held hat einen professionellen Internetauftritt samt Shop. „Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, ich will nichts verdienen, schließlich muss ich von der Arbeit meine Familie ernähren”, betont Held, der früher schon in der katholischen Laienbewegung aktiv war, als Tischler gearbeitet und ein Semester Theologie studiert hat. Der gebürtige Schwabe hat nach eigener Aussage während des Studiums herausgefunden, dass die intellektuelle Auseinandersetzung mit Gott nicht sinnvoll sei. Nun versuche er eben, mit seiner Hostienbäckerei den katholischen Glauben weiterzugeben. „Ich weiß, dass es Kritiker gibt, die davor warnen, die Hostie könnte zu einem profanen Produkt umgedeutet werden”, sagt er. "Doch das habe ich nicht vor”, beteuert er.

Die Führungen, die Held beispielsweise gegen Eintrittsgeld anbietet, hätten sich aufgrund des schon großen Interesses entwickelt. „Es kamen immer mehr Besucher zu den damals noch kostenlosen Führungen. Wir mussten daher ständig die Lebensmittel wegpacken und pausieren”, berichtet der Hostienbäcker. Um den Produktionsausfall in Griff zu bekommen, habe man schließlich Eintrittsgeld verlangt.

Für Magdalena Stasius symbolisiert die Hostie den „Leib Christi” und ist somit nicht gerade ein Gegenstand, der sich gut für kommerzielle Zwecke eignet. Sie ist Geschäftsführerin der 1956 gegründeten privaten Opferbrotbäckerei Stasius in Mannheim. Dass es mittlerweile Unternehmen gibt, die das eigentlich eher diskrete Handwerk im Internet präsentieren oder bezahlte Führungen durch ihre Hostienbäckereien veranstalten, betrachtet die 69 Jahre alte Katholikin mit gemischten Gefühlen.

„Mir ist klar, dass sich vieles in unserem Metier verändert, das bekommen ja auch wir zu spüren”, berichtet sie. Damit meint Stasius, dass sich die jahrelang geltenden Bedingungen und alte Kontakte zusehends verändern. So schließen etwa wegen Nachwuchsmangels nach und nach klostereigene Opferbrotmanufakturen. Dadurch drängten zunehmend auch Firmen außerhalb der Klostermauern auf den Markt. Der Konkurrenzkampf wird härter.

Laut Stasius wird zudem der Kreis der Abnehmer kleiner. Mit der steigenden Zahl der Kirchenaustritte und dem Priestermangel verändere sich das Bild der Kirche. „Schließlich müssen die Bistümer immer mehr Gemeinden zusammenlegen, das erfordert von unserer Seite mehr Flexibilität.” Es sei daher zu beobachten, dass der Verkauf von Hostien zurückgehe, denn mit weniger Gemeinden nehme automatisch die Zahl von Messfeiern - und benötigten Hostien - ab.

Doch Auftraggeber aus dem Ausland, etwa aus Österreich oder Italien, schätzen die Opferbrote aus Baden Württemberg, Millionen von Hostien werden in der kargen Bäckerei hergestellt. „Brot für das Leben der Welt” steht in großen Lettern an der Wand, direkt über dem Backofen. Bislang geht es der Opferbrotbäckerei Stasius gut. Ob dies immer so bleibe, sei schwer abzuschätzen.
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