Zweites Circus-Festival mit ersten Appetithappen vorgestellt

Von: Claudia Schweda
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Circus-Festival
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Aachen. Wer jemals daran gezweifelt hat, dass Zirkuskünstler sich tatsächlich teils in große Gefahr begeben, sollte sich derzeit Freddy Nock anschauen. Der rechte Arm des Extremartisten ist dick verbunden, und um die Nase herum scheint er noch ein bisschen blass.

So genau konnte man das am Mittwoch aber nicht erkennen. Denn auf der Pressekonferenz zum zweiten Circus-Festival in Aachen war der Publikumsliebling des ersten Festivals vor einem Jahr nur über ein Videotelefonat per Internet zugeschaltet. Eigentlich sollte er persönlich im Eurogress sitzen, um für das Festival vom 21. Dezember bis zum 6. Januar zu werben. Doch die Ärzte hatten ihm verboten, zu fliegen: Vor knapp zwei Wochen war bei einer Hochseilnummer mit Pyrotechnik in seinem Rucksack ein Feuerwerkskörper explodiert - in 50 Metern Höhe. Die Hitze brannte sich durch seine Lederjacke. Nock zog sich Verbrennungen dritten Grades zu.

Doch Artisten sind hart im Nehmen. Er brachte noch die zwei weiteren Showabende zu Ende - erst dann ließ er sich operieren und Haut vom Oberschenkel an den Arm transplantieren. Seitdem liegt er flach. Die Ärzte verordneten ihm und seiner Haut absolute Ruhe. „Noch fünf Tage muss ich liegen”, sagte er am Mittwoch sichtlich ungeduldig. Und natürlich hat er keinerlei Bedenken, dass er in Aachen Ende des Jahres wieder in der Manege steht.

Das, was Nock dort präsentieren möchte, ist mitnichten ungefährlicher als die Nummer, mit der er sich jetzt die ungeplante Zwangspause eingehandelt hat: Er wird mit seinem Todesrad kommen. Regisseur Stefan Warmuth verspricht eine vollkommen neue Inszenierung der Show von vier Motorrädern in einem vier Tonnen schweren Stahlgeflecht.

„Das wird spektakulär”, kündigte Warmuth an: „Das ist wie in einem Actionfilm in 3D - nur live, und die Zuschauer erleben es hautnah mit.” Doch das ist nicht die einzige Klangfarbe, die das Festival bieten will. Ganz im Gegenteil. Warmuth betonte, dass die Aachener Show ein Familienprogramm sein wird, laute und leise, spannende und meditative Momente haben soll. Und natürlich lustige. Es soll etwas zum Lachen, etwas zum Mitzittern und etwas zum Staunen geben.

Viele Zirkusdisziplinen

Tatsächlich kombinieren die auftretenden Artisten die Zirkuselemente, die sich in den letzten 20 Jahren als Schwerpunkte in einzelnen Zirkussen herauskristallisiert haben: Die Poesie Roncallis, die Varieté-Kunst eines André Heller und die Kraft und Spannung von FlicFlac. „Bei diesem Festival kommen so viele Disziplinen zusammen, das ist ein bisschen wie im Schlaraffenland für einen Regisseur”, sagte Warmuth.

Der Extremartist Nock repräsentiert FlicFlac, in dessen Show er Ende der 90er das Todesrad von Amerika nach Europa holte. In diesen Bereich gehören auch die Messoudi Brothers - vier durchtrainierte Männer, die der Ankündigung nach mit ihrer geballten Kraft Unmögliches möglich machen.

„Mr. LoPaper” Lorenzo Torres bietet Papier-Poesie. Schon bei der Präsentation des Programms rupfte und zupfte er an gefaltetem Papier mal hier, mal dort und zauberte Schneemänner, Blumen oder strahlende Sonnen. Eine Künstlerin, Naima, wird in der Aachener Show ein Riesenmobile aus Rippen, die aussehen wie große Knochen, in fast meditativer Ruhe Rippe für Rippe entstehen lassen. Gehalten von einem einzigen kleinen Punkt schwebt es am Ende durch die Manege.

Die Luftakrobatin Diana Puhova soll für sinnliche Momente unter der Zirkuskuppel sorgen. Leonid Belakov bringt sechs Hunde mit, die die Manege unsicher machen. „Das ist furios und lustig, etwas, das man heute kaum noch sieht”, sagte der Regisseur.

Ein Klassiker des gehobenen Varietés ist das Duo Les Frères Taquins. „Ein pantomimischer Akt der Weltklasse”. Einer der Brüder, Olivier, präsentierte Mittwoch schon eine Improvisation seines menschlichen Zauberautomatens. Als Duo versprechen die Festival-Macher „einen zum brüllen komischen Comedy-Akt, der in einem Kino spielt.

Doch der Publikumsliebling dieser Show wird - das deutete sich schon an - Barry „Grandma” Lubin werden. Der Clown in der Show. Der Amerikaner ist einer der größten Clowns auf der Welt und wurde in die „International Clown Hall of Fame” aufgenommen.

Sounddesign statt Zirkuskapelle

Übrigens: Als Musik darf man keine Zirkuskapelle erwarten. Auch dabei setzt das Festival auf einen Sprung in die Moderne: Zlatko Jimmy Kresic ist ein Sounddesigner, der schon mit Bands wie Toto oder Foreigner auf der Bühne gestanden hat. Er mischt DJ-ähnliche Arrangements und Experimentelles und will so die unterschiedlichen künstlerischen Darbietungen zu einem großen Ganzen verbinden.

Preise, Vorverkauf und Zeiten der Vorstellungen

Das zweite Circus-Festival Aachen findet vom 21. Dezember bis zum 6. Januar 2013 in Aachen auf dem Bendplatz statt.

Vorstellungen sind täglich, auch am 2. Weihnachtsfeiertag, um 15 und 20 Uhr, sonntags um 14 und 18 Uhr; am 1. Weihnachtsfeiertag und Neujahr nur um 15 Uhr; 27./28. Dezember und 3. Januar nur 20 Uhr. Heiligabend gibt es um 13 Uhr die Sondervorstellung „Warten aufs Christkind”.

Die Karten kosten 19 bis 49 Euro und sind in allen Vorverkaufsstellen des Zeitungsverlages Aachen oder telefonisch bei der Ticket-Hotline unter Telefon 02405/408640 erhältlich. Ab dem 19. Dezember ist die Circus-Kasse am Bendplatz von 11 bis 20 Uhr geöffnet.

Abonnenten unserer Zeitung erhalten mit ihrer Aboplus-Karte für die beiden Premieren-Vorstellungen am 21. Dezember in den Vorverkaufsstellen des Zeitungsverlages exklusive Vorteilspreise, die zwischen 9,90 Euro und 39,90 Euro liegen.

Alle Zeltbereiche sind beheizt, es gibt ausschließlich Stühle - keine Bänke. Durch eine freitragende Zirkuskuppel ohne Masten und Stangen besteht keinerlei Sichtbehinderung. Parkplätze sind direkt am Zelt.

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