Zweijährigen Junge zu Tode gequält

Von: Stefan Säemann, ddd
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Erkrath. Im Fall des zu Tode gequälten zweijährigen Jungen aus dem nordrhein-westfälischen Erkrath beschuldigen sich die Mutter und ihr ebenso tatverdächtiger Lebensgefährte gegenseitig.

Das Kind starb am Mittwoch laut Obduktion an inneren Blutungen, die durch stumpfe Gewalteinwirkung ausgelöst wurden, wie der Wuppertaler Staatsanwalt Heribert Kaune-Gebhardt mitteilte. Die 31 Jahre alte Mutter und ihr 22-jähriger Lebensgefährte sitzen in Untersuchungshaft. Die Familie war laut Medienbericht beim Jugendamt als „gefährdet” gemeldet. Die Polizei will nun das familiäre Umfeld und die Nachbarn befragen.

Der Lebenspartner der Mutter hatte laut Staatsanwaltschaft am Mittwoch den Notarzt alarmiert, weil das Kind bewusstlos in der Wohnung gelegen habe. Trotz mehrerer Wiederbelebungsversuche gelang es den Ärzten nicht, den kleinen Jungen zu retten. Laut Obduktion wiesen zahlreiche innere und äußere Verletzungen darauf hin, dass das Kind über einen längeren Zeitraum immer wieder misshandelt worden war. Neben Blutergüssen zählten dazu auch Verbrühungen am Rücken und Verletzungen im Genitalbereich. Zum Tod führten schließlich innere Blutungen. Keine Hinweise fanden die Rechtsmediziner auf sexuellen Missbrauch oder Verwahrlosung.

Die Polizei nahm die Mutter sowie deren Freund, der nicht der Vater des Jungen ist, am Mittwoch fest, wie Staatsanwalt Kaune-Gebhardt sagte. Gegen die beiden bestehe der dringende Tatverdacht des Totschlags. Der Mann und die Frau bezichtigten sich inzwischen gegenseitig der Tat, sagte der Leiter der Mordkommission, Udo Moll. Zunächst hätten sie behauptet, der Junge habe sich die tödlichen Verletzungen selbst zugefügt. Doch diese Aussagen seien unglaubwürdig gewesen und durch Fakten schnell widerlegt worden.

Die drei Töchter der Mutter im Alter von acht, zehn und zwölf Jahren wurden in die Obhut des Ordnungsamtes übergeben. „Die Mädchen sollen demnächst vorsichtig befragt werden”, sagte Ermittler Moll. Die Familie sei dem Jugendamt aufgrund einer Gefährdungsmeldung bereits seit 2008 bekannt, berichtete der WDR unter Berufung auf die Stadt Erkrath. Die Stadtverwaltung war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Die Polizei Mettmann will nun die Details der Tat rekonstruieren. Noch seien die Motive nicht geklärt, sagte ein Sprecher. Zudem würden nun Familienangehörige und Nachbarn befragt. „Wir wollen klären, wie die Misshandlungen unbemerkt von der Öffentlichkeit geschehen konnten”, sagte ein Sprecher. Sollte dabei herauskommen, dass jemand von den Misshandlungen wusste, werde die Staatsanwaltschaft weitere Ermittlungsverfahren wegen Mittäterschaft einleiten. Einem Zeitungsbericht zufolge wohnen in dem Haus, in dem sich die Tat vermutlich abspielte, auch die Eltern der Kindesmutter.
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