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Zwei Männer und die Kirche trauen sich

Von: Georg Dünnwald
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Aachen. Michael und Sebastian Giese haben sich getraut. Jürgen Grewe, der alt-katholische Pastor von St. Markus in der Brabantstraße, spendete zum Treueversprechen den kirchlichen Segen. Seit knapp zwei Jahren gehören die beiden jungen Männer der alt-katholischen Gemeinde an, die nun offiziell das Zusammenleben akzeptiert.

Die kleine Holzkirche im Frankenberger Viertel war während der „Trauung” pickepackevoll. Viele Gemeindemitglieder und Freunde waren gekommen, um den kirchlichen Segen fürs Paar nicht zu verpassen.

„Jede echte Liebe zwischen Erwachsenen verdient unsere volle Anerkennung, wenn diese bereit sind, miteinander das Leben zu teilen und füreinander Verantwortung zu übernehmen”, kommentiert Grewe diesen für christliche Religionsgemeinschaften ausgesprochen ungewöhnlichen Schritt.

Auch Homosexuellen müsse eine kirchliche Heimat geboten werden, so der Geistliche, der vor seinem Austritt aus der römisch-katholischen Kirche Priester des Erzbistums Köln war.

„Für uns ist es Liebe”

„Für uns ist es Liebe”, sagt der 34-jährige Michael, der in einem Spielwarengeschäft in der Aachener Innenstadt beschäftigt ist. Sein 28-jähriger Partner Sebastian studierte Soziologie und Politik und hängt jetzt noch ein Wirtschaftsstudium dran.

„Wir denken und fühlen einfach katholisch, auch wenn wir erst seit anderthalb Jahren bei den Alt-Katholiken Mitglied sind. Aus der römisch-katholischen Kirche sind wir ausgetreten, weil wir dort nicht akzeptiert worden sind”, sagt Michael Giese.

Vor dem kirchlichen Segen traten die beiden vor den Standesbeamten und gingen eine „eingetragene Lebenspartnerschaft” ein. Ganz bürgerlich also, mit einem gemeinsamen Nachnamen, aber längst nicht gleichberechtigt.

Das wollen weder der Staat noch die alt-katholische Kirche bieten. Obwohl die sehr überschaubare Zahl der Alt-Katholiken sich von der Mehrheit der Katholiken abhebt. 1870 sagte sich ein kleiner Teil der Gläubigen von Rom los, weil das I. Vatikanische Konzil dem Papst in Glaubensfragen die Unfehlbarkeit zusprach.

Schon früh galten bei den Alt-Katholiken Reformen, die die römisch-katholische Kirche erst nach dem II. Vatikanischen Konzil einführte, beispielsweise Eucharistiefeiern in der Landessprache oder Aufhebung des Zölibats für verheiratete Diakone.

Auch gestatten die Alt-Katholiken, die mit den Anglikanern eine Kirchengemeinschaft bilden, das Frauenpriestertum und eine umfassende Beteiligung der Laien.

Die römisch-katholische Kirche lehnt eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ab. Regionaldekan Josef Voß aber stellt die Frage: „Was können die, die heterosexuell sind, dafür, dass sie so sind, wie sie sind?” Keiner habe sich seine Sexualität ausgesucht, keiner sich selbst gemacht, kommentiert der Priester: „Weder Homosexuelle noch Heterosexuelle.”
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