Zumba: Fitnesstanz als Lizenz zum Gelddrucken

Von: Guido Jansen
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Die größte Fitness-Welle unserer Zeit: Zumba zieht vor allem Frauen in seinen Bann. Der Tanzsport ist für seine Erfinder zur Goldgrube geworden.
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Gilt als Erfinder von Zumba: der Kolumbianer Albert „Beto“ Perez.

Region. Alberto Perez hatte die Idee, fremde Ideen zu klauen. So beginnt seine Erfolgsgeschichte. Damit niemand anderes auf die Idee kam, Perez‘ geklaute Ideen zu klauen, hat er sich alles patentieren lassen. Perez hat den größten Fitness-Trend unserer Zeit verursacht, er hat ihn Zumba genannt, und Millionen Menschen machen mit.

Perez und seine zwei Geschäftspartner haben ein Monopol auf Zumba. Mit allem, was Zumba betrifft oder wo Zumba drauf steht, verdienen sie Geld. Zumba ist heute überall, in New York, in Paris oder in Düren. Dieses Monopol gibt Perez um keinen Preis her; es hat aus einem einfachen Fitnesstrainer aus Kolumbien einen reichen Mann gemacht.

Auf die Idee ist der Mann, der von seinen Fans nur kurz Beto gerufen wird, zufällig gestoßen. Mitte der 90er Jahre soll es sich zugetragen haben, in Kolumbien. Perez sollte kurzfristig als Fitnesstrainer für einen Freund einspringen und hatte seine CDs vergessen. Er nahm die Salsa-Kassetten aus seinem Auto und merkte, dass es funktioniert. Fitness und fetzige Latino-Rhythmen – das passte. Einige Jahre später siedelte er in die USA nach Miami über. Dort wurden die Geschäftsleute Alberto Perlman und Alberto Aghion auf Perez geklaute Kombination aufmerksam. Aus dem Tanz Zumba wurde der Konzern Zumba.

Die Grundschritte sind dem Salsa entnommen, dazu Merengue, Hip Hop. Dazu kommen mittlerweile Elemente aus indischen, chinesische oder russische Tänzen. Hauptsache einfach, Hauptsache geeignet, damit eine große Masse einem Vortänzer folgen kann. Tanzen, feiern und dabei ganz einfach abnehmen und fit werden: Mit diesen Versprechen schafft es Zumba wie kein anderer Fitness-Trend, Sportmuffel vom Sofa zu ziehen.

Perez hat keine Hemmungen, zuzugeben, dass Zumba nicht seine Idee war. „Ich habe gar nichts erfunden. All diese Fitness-Tänze hat es schon gegeben. Wir haben sie nur neu kombiniert“, sagt er. Geschäftssinn, made in USA.

Zu Beginn des Jahrzehnts schwappte die größte Fitnesswelle unserer Zeit über den großen Teich nach Europa. Wer auf der Zumba-Internetseite einen Kurs sucht, der findet 100 Angebote pro Woche in Aachen, 75 in Düren, 53 in Heinsberg und 14 in Monschau. Die Sportbünde in Aachen, der Städteregion, in den Kreisen Heinsberg oder in Düren bieten Zumba an. Genauso wie alle Fitness-Studios der Region. Auch die größte Kette der Welt, Fitness First, macht mit. „Wir wollten Zumba eigentlich nicht“, sagte die Deutschland-Sport-Chefin von Fitness First, Veronika Pfeffer, kürzlich bei einem Interview für die WDR-Sendung „Sport Inside“. „Aber unsere Kunden haben immer wieder nachgefragt, da mussten wir nachgeben.“

Zumba ist nicht nur eine Fitness-Bewegung, sondern ein Weltkonzern, straff wirtschaftlich ausgerichtet nach amerikanischem Konzept. Die wenigsten der 14 Millionen Anhänger wissen, dass Zumba abmahnt, verklagt, verfolgt und bestraft. „Das meiste Geld geben wir für Anwälte aus“, sagt Perlman. Weltweit beschäftigt Zumba 200 Anwälte, die jeden jagen, der Zumba unterrichtet, ohne eine Lizenz zu haben. Das FBI fahndet in den USA nach denen, die illegale DVDs oder Computerspiele verkaufen. „Wir haben deswegen Leute ins Gefängnis gesteckt“, sagt Perlman. Der Schutz der Marke geht über alles. Eine Sportart, deren Idee geklaut ist, und die Geld verdient, weil die geklaute Idee geschützt ist – das ist neu in Deutschland. Genauso wie urheberrechtlich geschützte Tanzschritte. Das ist so, als würde der DFB Geld für jedes Dribbling auf dem Bolzplatz verlangen. Beim Weltkonzern Zumba müssen die Mitarbeiter bezahlen, weil sie für ihn arbeiten. Die, die Zumba unterrichten wollen, investieren 300 Euro für einen Wochenendkurs, der sie in den Stand eines Instruktors hievt. Und dann noch 22 Euro für ein Monats-Abo. Ohne Abo erlischt die Lizenz nach einem Jahr.

Das Zumba-Gebot

„Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht.“ So lautet das zweite Gebot aus dem Alten Testament. Ähnlich klingen die Lektionen, die den Instruktoren in Ausbildung beim Wochenend-Crash-Kurs beigebracht werden. Sie lernen, dass sie nicht von Zumbanern sprechen sollen und nicht zum Zumben einladen dürfen. Zumba heißt das Zauberwort. Nicht anders. Und, dass sie melden sollen, wenn sie einen Trainer finden, der Zumba unterrichtet, ohne Instruktor zu sein.

Das Netz derer, die im Namen Zumba unterwegs sind, ist dicht. 110 000 Zumba-Lehrer gibt es auf der Welt. Alleine in den zehn größten deutschen Städten sind laut der Zeitung „Wirtschaftswoche“ 2600 registriert. Tendenz steigend. Zumba erfindet sich regelmäßig neu. Die neueste Tanzweise heißt Zumba Step. Die Instruktor-Kurse für Step sind meist schon Wochen vorher ausverkauft. Dass es vor Jahren schon einmal Step Aerobic gegeben hat, dürfte Beto Perez wenig stören. „Steve Jobs, der Mit-Erfinder von Apple, hat einmal gesagt, dass gute Erfinder andere Ideen kopieren. Die, die ganz nach oben kommen, klauen Ideen, ohne dass es einer merkt“, sagt Alberto Perez.

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