Aachen - Zum Konservieren allein fehlt ihr der Sinn

Zum Konservieren allein fehlt ihr der Sinn

Von: Claudia Schweda
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Ist auch alles in Ordnung? Die Textilkonservatorin der Domschatzkammer, Monica Paredis Vroon, schaut im Aachener Dom nach dem Rechten. Dort werden derzeit als Heiligtümer verehrte Stoffe öffentlich gezeigt. Foto: Harald Krömer

Aachen. Eine Konservatorin, sollte man meinen, ist ein wortkarger Mensch, der am liebsten allein in abgedunkelten und wohlklimatisierten Räumen sitzt. Wer sich Monica Paredis Vroon vorstellen möchte, sollte sich das genaue Gegenteil denken.

Die kleine, quirlige Textilkonservatorin der Aachener Domschatzkammer sitzt an diesem angenehm sonnigen Sommertag auf den Katschhof-Stufen, lässt sich die Sonne ins Gesicht scheinen und ist ganz gefangen von den kleinen Kindern, die vorne auf einer Bühne die Stadthymne „Urbs Aquensis“ singen. „Auf Latein!“, ruft sie ehrlich erstaunt – und vergisst darüber, die Liste ihrer Aufgaben in der Domschatzkammer zu vervollständigen. Diese Frau steht mitten im Leben.

Sie ist geborene Niederländerin, hat eine Schweizer Mutter, ist verheiratet mit einem flämischen Belgier, lebt in Belgien und ist selbst Mutter von drei erwachsenen Töchtern. Natürlich ist sie fasziniert von der Vergangenheit der ungefähr 3000 wertvollen Stoffe, um die sie sich seit 24 Jahren in der Schatzkammer kümmert.

Welche Geschichten erzählen sie? Gibt es Verbindungen? „Ich werde wohl noch eine Weile puzzlen können“, sagt die 54-Jährige und strahlt. Und natürlich geht die Kunsthistorikerin gerne in Museen. „Aber das, was sie dort sehen, ist alles leblos. Es hat seine Funktion verloren.“ Bei den Heiligtümern ist das anders. „Sie zugänglich zu machen, hat seinen Preis“, sagt die Konservatorin.

Das Lächeln um ihre Augen verschwindet ganz kurz. Dann freut sich der lebenslustige Mensch in ihr wieder, dass diese Stoffe dadurch noch einen Sinn haben. „Wenn ich sehe, welchen Mut die Kranken in den Messen während der Heiligtumsfahrt fassen, weil diese Stoffe da sind, dann langt mir das völlig.“

Ihre Aufgabe ist es, die Dinge nicht kaputtgehen zu lassen. Dazu gehört, dass sie eine Empfehlung abgibt, ob die Heiligtümer bei den Messen unter freiem Himmel gezeigt werden oder eben nicht. Ist der Wind zu stark oder die Luft zu feucht, rät sie ab. Immer freundlich, nie drohend. „Man kann auch freundlich stark für eine Sache eintreten. Das hilft manchmal mehr.“

Früher, als die Tücher noch von der Domgalerie gezeigt wurden, sei das klimatisch schon ein Problem gewesen. Vor allem, wenn sie dann zu feucht im Schrein verschwanden. Möglicherweise haben sie dann nach sieben Jahren gemüffelt, wenn sie ausgepackt wurden. „Das habe ich aber noch nicht erlebt“, sagt Monica Paredis Vroon. Dafür ist sie schließlich da.

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