„Zentis-Erpresser” erneut verurteilt

Von: dpa
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Der Erpresser von Zentis (links) musste sich am Mittwochvormittag in Österreich für weitere Drohungen gegen Lebensmittelunternehmen verantworten. Foto: Archiv/Ralf Roeger

Wien/Aachen. Erst drohte er mit Gift in Marmelade, dann nahm er sich Feinkost-Salate und Schokoschnitten vor: Der in Deutschland bereits schuldig gesprochene „Zentis-Erpresser” ist für neue Taten in Österreich erneut verurteilt worden.

Das Wiener Straflandesgericht verurteilte den 28-Jährigen zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft, weil er den Süßwarenhersteller Manner und den Feinkostproduzenten Wojnar mit verunreinigten Produkten erpressen wollte.

Der Staatsanwaltschaft reicht das Strafmaß aber nicht. Deshalb wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Berufungsverhandlung kommen, bestätigte Gerichtssprecher Christian Gneist am Mittwoch.

Im Juli vergangenen Jahres war der junge Mann bereits vom Landgericht Aachen zu einer identischen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Er hatte Zentis mit vergifteter Marmelade gedroht und wollte so 500 000 Euro erpressen. Er kam auf Kaution frei, weil er angeblich vor Antritt der Haft sein Studium beenden wollte - und schlug in Tirol wieder zu.

Dort versuchte er, von den beiden bekannten österreichischen Unternehmen mehrere 100 000 Euro zu erpressen und deponierte dafür in Tiroler Geschäften mit Spiritus verunreinigte Produkte wie Mozartkugeln, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA. Über eine ihm zur Verfügung gestellte Bankkarte kam ihm die Polizei auf die Schliche, seitdem saß er in Österreich in Untersuchungshaft.

Da er nicht sehr überlegt handelte, erhielt er in Österreichs Boulevardzeitungen den Titel „Österreichs dümmster Erpresser”. Nach Einschätzung des Gerichts ging er aber sehr professionell vor. Kurz nach seiner Tat in Tirol wurde bekannt, dass der Mann zeitgleich auch den Tierfutter-Hersteller Animonda aus Osnabrück bedroht haben soll.

Vor Gericht zeigte sich der Maschinenbau-Student nach APA-Angaben als „Häuflein Elend” und legte ein umfassendes Geständnis ab. Nachdem ihn seine Freundin verlassen hatte, habe er vor dem Nichts gestanden. Mangels ihres Einkommens habe er sich seine Wohnung kaum mehr leisten und zuletzt die Studiengebühren nicht mehr bezahlen können. Daher sei er auf die schiefe Bahn geraten.

Nun muss der Mann beide Strafen verbüßen und sitzt mindestens zehn Jahre im Gefängnis. Er könne sich aber auch entscheiden, seine gesamte Strafe in Deutschland zu verbüßen, sagte der Sprecher: „Wir vollstrecken aber auf jeden Fall.”

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