Zähe Beweisaufnahme im JVA-Prozess beendet

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
JVA Aachen
Ein Flur in der JVA Aachen. Foto: dpa

Aachen. Im Prozess gegen die beiden JVA-Ausbrecher Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski sowie gegen ihren mutmaßlichen Fluchthelfer, den Justizbeamten Michael K., ist am Mittwoch nach 35 Verhandlungstagen vor dem Aachener Landgericht die Beweisaufnahme geschlossen worden.

Beinahe ungläubig fragte der bislang äußerst geduldig und umsichtig agierende Vorsitzende Richter Hans Günter Görgen in die Runde der Verteidiger, ob denn noch Beweisanträge zu erwarten seien. Es folgte - für ihn überraschend - nur Schweigen.

Entweder war die Munition der Anwälte verschossen, oder das Gericht traf einen glücklichen Moment in dem manches Mal turbulenten Prozess vor der 8. Großen Strafkammer. Denn nicht alleine die Angeklagten, sondern oftmals die nach Ansicht der Geflüchteten widrigen und zum Fliehen animierenden Haftumstände in der hiesigen JVA, aber auch in anderen Justizvollzugsanstalten des Landes NRW, waren ein ums andere Mal Thema. Den stark frequentierten Zeugenstuhl, das war am Mittwoch nochmals ausdrücklicher Wunsch des Angeklagten Peter Paul Michalski, hätte man gerne auch mit prominenten Akteuren besetzt gesehen.

Das wären beispielsweise die Anstaltsleiterin Reina Blikslager oder die damalige NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter gewesen. Viele der unzähligen Beweisanträge gingen ins Leere. Das Gericht lehnte sie ab oder unterstellte ihre Inhalte schlicht als wahr, womit eine Beweisaufnahme überflüssig ist - ein übliches juristisches Verfahren.

Tagelang sah sich die Kammer Videosequenzen der JVA vom Fluchtabend an. Das Ergebnis war ebenso unbefriedigend wie die Tatsache, dass aus bisher nicht geklärten Gründen der Alarm erst eine Viertelstunde nach dem Austritt der beiden Schwerverbrecher, dem eher geselligen „Blacky” Heckhoff und dem eher stillen Peter Paul Michalski, aus dem Gefängnistor gegeben wurde. Die beiden hielt man in der Wachzentrale wohl irrtümlich für Sportbeamte, die sich an dem Novemberabend in 2009 kurz nach 20 Uhr in ihren Feierabend verabschiedeten.

Gutachterin berichtetet erneut

Sie fuhren die beiden mit einem zufällig vor der JVA stehenden Taxi zunächst nach Köln, und später nach Mülheim/Ruhr, der Heimatstadt Heckhoffs. Derweil saß der beamtete Komplize Michael K. mit eingenässter Hose hinter dem Panzerglas der Pforte - und unternahm nichts.

Am Mittwoch nun trug die forensische Psychiaterin Konstanze Jankowski ergänzend zu ihrem ersten Gutachten über den Angeklagten Michalski erneut vor. Die Gutachterin, so war der Antrag der Verteidigung, habe beim ersten Mal nur unzureichend die 16 Jahre Haft berücksichtigt, in der sich der Häftling Michalski wohl verhalten und nichts habe zu Schulden kommen lassen.

So bekam der Angeschuldigte nochmals Gelegenheit über die Gutachterin auf das nach seiner Meinung oftmals unwürdige und einen zur Besserung bereiten Menschen „verhöhnende” Gefängnissystem zu beschreiben. An ihrer Gesamtaussage, so die Gutachterin, dass Michalski eine dissoziale Persönlichkeit sei, habe sich jedoch nichts geändert, schloss Jankowski.

Am 13. Januar nun werden ab 9 Uhr die ersten Plädoyers gehalten. Da es zwei Vertreter der Staatsanwaltschaft, zwei Nebenklageanwälte sowie sechs Verteidiger gibt, wird ein Urteilsspruch erst für den Februar erwartet.
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