Wut und Enttäuschung bei den Takeda-Mitarbeitern

Von: Robert Baumann
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Aachen. In fetten schwarzen Buchstaben sind die Worte „Integrität, „Fairness”, „Ehrlichkeit” und „Beharrlichkeit” an den Wänden, Türen und in den Aufzügen des Takeda-Gebäudes an der Viktoriaallee auf weißen Blättern zu lesen.

Ausdruck des großen Unmutes der Mitarbeiter des japanischen Pharmakonzerns, dessen Deutschland-Zentrale seit 30 Jahren in Aachen beheimatet ist.

Denn jetzt ist es für die Belegschaft traurige Gewissheit: Der Standort Aachen wird geschlossen. Das teilte Geschäftsführer Konstantin von Alvensleben am Mittwochmorgen der Belegschaft mit.

Blätter aufgehängt

Mit den aufgehängten Blättern erinnert die Belegschaft die Fühtrungsriege an die Werte und Prinzipien des Unternehmens, die Takeda selbst als Teil ihrer Firmenphilosophie ausgibt. „Diese Entscheidung zeigt die ganze Ignoranz und Sturheit der Führungsebene. Bislang war Takeda ein sozialer Arbeitgeber. Jetzt scheint sich die Führung aber nicht mehr an die Werte des Unternehmens zu erinnern.

Das ist eine politische Entscheidung, die auf den Rücken der Mitarbeiter ausgetragen wird”, ärgert sich ein langjähriger Mitarbeiter. Und eine weitere Bedienstete ergänzt sichtlich empört: „Ich arbeite 14 Jahre hier. Jetzt gesagt zu bekommen, es sei Schluß, ist richtig heftig.”

Wut und Unverständnis mischt sich bei den rund 130 Mitarbeitern mit Zukunftsangst und Enttäuschung. Und auch die Art und Weise, wie die Konzernleitung die Entscheidung mitteilte, macht die Belegschaft wütend. „Da wurde einfach eine Präsentation an die Wand geknallt und eiskalt die Fakten vorgetragen. Das war unmenschlich”.

Grund für die Schließung des Standortes Aachen ist die Übernahme des Schweizer Arzneimittelherstellers Nycomed für rund 9,6 Milliarden Euro und der damit verbundene Abbau von Doppelstrukturen. „Es ist noch härter gekommen als erwartet. Wir sind eigentlich das dominierende Unternemen und haben Nycomed gekauft und werden jetzt am stärksten bluten müssen”, sagt Manfred Lock, Vorsitzender des Betriebsrates.

„Es ist möglich, dass bis zu 90 Prozent der Stellen abgebaut werden. Wenn wir merken, dass mit uns nicht fair und integrer umgegangen wird, werden wir öffentliche Aktionen starten und an die Ehre des japanischen Konzernchefs appellieren”, betont Lock.

Aber nicht nur für die Mitarbeiter der Takeda-Niederlassung hat die Schließung große Auswirkungen, sondern ebenso für das sportliche, soziale und kulturelle Leben in der Stadt Aachen. Denn seit vielen Jahren engagiert sich Takeda als Sponsor in den verschiedenen Lebensbereichen.

So fungiert der Pharmakonzern beim Aachener Benefizlauf, dem Lousberglauf und der Langen Nacht der Museen als Unterstützer. „Zudem sponsern wir Alemannia Aachen und investieren jedes Jahr rund 10 000 Euro in wechselnde, lokale Organisationen”, erklärt Takeda-Sprecher Erik Boßems.

Bereits seit einigen Jahren zieht sich der Pharmakonzern aus dem lokalen Sponsoring aber immer mehr zurück. 2010 stieg der Konzern beispielsweise aus dem seit 2007 bestehenden Sponsoring-Engagement für die Kurpark Classix aus. „Das habe ich sehr bedauert. Takeda war ein Mit-Begründer der Classix und hat uns immer mit einem ordentlichen Betrag unterstützt”, erläutert Christian Mourad, Veranstalter der Kurpark Classix.

Ob die aktuellen Sponsoring-Aktivitäten von Takeda in Zukunft weiter fortgeführt werden, sei aber noch fraglich, sagt Boßems.
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