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Wut über Öl-Anschläge gegen Motorradfahrer

Von: Marc Heckert
Letzte Aktualisierung:
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Zu Fall gebracht: Der Fahrer dieses Motorrades verunglückte am Donnerstagmorgen bei Zweifall auf einer der Ölspuren. Er wurde mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Foto: Ralf Roeger
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Während ein Rettungswagen den Verletzten abtransportierte, begannen Polizisten, den Unfallort zu untersuchen - und entdeckten den leeren Ölkanister. Foto: Ralf Roeger

Stolberg/Simmerath. Die drei offenbar absichtlich auf Straßen in Stolberg und der Eifel ausgebrachten Ölspuren haben ein gewaltiges Echo ausgelöst. Unser Bericht dazu wurde auf Facebook fast 120.000 Mal gelesen und von fast 1500 Mitgliedern weiterverbreitet. Viele Leser machten ihrer Empörung in Kommentaren Luft. Eine Polizeikommission ermittelt wegen versuchter Tötung.

Dreimal hatten Unbekannte in der Nacht zum Donnerstag Hydrauliköl auf Bundes- und Landesstraßen in Stolberg-Zweifall, Roetgen und Simmerath-Dedenborn ausgekippt. Obwohl die ersten Ölspuren noch in der Nacht entdeckt wurden, kam es am Morgen zu einem Unfall: Ein 47-jähriger Motorradfahrer geriet auf der Mulartshütter Straße bei Stolberg durch den Ölfilm in einer Kurve in Schleudern und stürzte. Er wurde verletzt ins Eschweiler Krankenhaus gebracht.

Die Polizei untersuchte den Unfallort und entdeckte in der Nähe einen weggeworfenen Kanister, in dem sich noch Spuren des Hydrauliköls fanden. Damit war klar: Die gefährliche Flüssigkeit war nicht zufällig auf die bei Motorradfahrern beliebten Zufahrtsstraßen in die Eifel gelangt.

Wie die Polizei in der Städteregion am Freitag mitteilte, hat Polizeipräsident Klaus Oelze umgehend eine Ermittlungskommission einrichten lassen - sie ermittelt nicht mehr nur wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, sondern wegen versuchter Tötung. „Anders ist die Tat nicht zu werten“, sagte Polizeisprecher Paul Kemen. „Wer Öl bewusst und gewollt auf Straßen ausschüttet, nimmt in Kauf, dass Menschen zu Schaden oder gar zu Tode kommen.“ Die Beamten ermittelten „mit aller Konsequenz und Zielstrebigkeit“.

Auf den Facebook-Auftritten von Aachener Zeitung und Aachener Nachrichten ist der Hinweis auf unseren ursprünglichen Bericht bereits von fast 120.000 Mitgliedern gesehen worden. Rund 1500 Mal wurde der Artikel bis zum Freitagabend von Mitgliedern an eigene Freunde und Bekannte weiterverbreitet.

Fassungslosigkeit über die Taten und Wut auf den oder die Drahtzieher war dabei die vorherrschende Meinungsäußerung. Unsere Facebook-Leserin Diana Klöters äußerte Mitgefühl mit dem Unfallopfer: „Dem Biker wünsche ich eine gute Besserung! Dem Täter wünsche ich, dass er bald gefasst wird und eine harte Strafe bekommt.“ Der Leser Jo R Geffroy plädierte dafür, den Tätern den Führerschein lebenslang zu entziehen. Sein Appell: „Den Artikel teilen, teilen, teilen und die Täter fassen.“

Doch auch das Verhalten vieler Motorradfahrer in der Eifel - seit Jahren ein Dauerthema in unseren Leserdebatten - wurde in diesem Zusammenhang ein weiteres Mal kritisiert. So schrieb eine Leserin: „Ist nicht die feine Art, aber wenn das jemand war, der sich wie ich über die rücksichtslosen Krachmacher ärgert, habe ich ansatzweise Verständnis.“

Auch auf der Webseite unserer Zeitung äußerten sich Leser zu Dutzenden in Kommentaren (siehe den Kommentarbereich unter diesem Artikel). „Das ist versuchter Mord, der muss damit rechnen, dass sich jemand den Kragen abfährt“, schrieb ein Leser unter dem Pseudonym King_Madness. Die Augen aufzuhalten, riet der Leser mopeddoktor allen Verkehrsteilnehmern, denn „ein umherfliegendes Motorrad kann auch andere verletzten, die keine Biker sind“. Leser chrispiac hoffte, dass sich der Täter über eine Analyse des Öls feststellen ließe: „Da kann man aus den Resten genau auf den Gebrauch des Öls und so wahrscheinlich auf exakt ein regionales Unternehmen schließen.“

Die Polizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe und fragt: Wer hat am späten Mittwochabend und am frühen Donnerstagmorgen auf Mulartshütter Straße, Hahner Straße oder im Bereich Schöne Aussicht bei Dedenborn Beobachtungen gemacht, die mit den Taten zusammenhängen können? Wer vermisst Kanister mit Öl oder Hydrauliköl? Wer hat Verölungen an der Karosserie eines Fahrzeugs bemerkt?

An Motorradfahrer appelliert die Polizei, momentan besonders vorausschauend und vorsichtig zu fahren. Sie bittet alle Verkehrsteilnehmer, die Augen offen zu halten und verdächtige Beobachtungen - auch weitere Ölspuren - zu melden. Hinweise können über den Notruf 110, unter 0241/9577-0 oder bei jeder Polizeidienststelle gemeldet werden.

Einer Serie von ähnlichen Anschlägen mit absichtlich auf Landstraßen ausgeschüttetem Öl in Bayern war im Jahr 2011 ein Motorradfahrer zum Opfer gefallen. Der 37-jährige zweifache Familienvater war auf einer Ölspur ins Schleudern geraten und gegen ein entgegenkomendes Auto geprallt. Die Polizei fand am Tatort, wie schon bei zahlreichen anderen ähnlichen Fällen, Reste von Ölflaschen. Der Täter wurde nie gefasst.

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