Aachen - Wütende Eltern verwandeln den Marktplatz in eine Open-Air-Kita

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Wütende Eltern verwandeln den Marktplatz in eine Open-Air-Kita

Von: Martina Stöhr
Letzte Aktualisierung:
Kita-Streik
Aachener Kinder demonstrieren mit ihren Eltern vor dem Rathaus. Foto: Steindl

Aachen. Es scheint, als seien die Eltern mit ihrer Geduld am Ende. Nach inzwischen insgesamt 14 Streiktagen in den Aachener Kitas haben sie sich am Mittwochvormittag mit ihren Kindern vor dem Rathaus versammelt, um Stadtdirektor Wolfgang Rombey zum Gespräch zu bitten.

Zum Teil recht verärgert stellten sie ihren Standpunkt dar und erzählten von den Belastungen für ihre Kinder. Wütend sind sie vor allem auch darüber, dass die Stadt Aachen den Eltern keine Beiträge zurückerstatten will, obwohl sie an jedem Tag, den die Kitas geschlossen bleiben, die Gehälter für die Erzieherinnen einspart. „Investieren Sie das Geld wenigstens in die Kitas”, forderten die Mütter und fügten hinzu: „Schaffen Sie Transparenz und weisen Sie nach, wie dieses Geld verwendet wird.”

So verwandelten sie den Marktplatz verwandelte sie so am Mittwoch in eine Kita unter freiem Himmel: Überall saßen Kinder auf Decken, machten Picknick, spielten und malten. Derweil warteten ihre Mütter auf Wolfgang Rombey, der ihnen in Vertretung von Oberbürgermeister Jürgen Linden schließlich Rede und Antwort stand.

Rombey zweifelte vor den versammelten Eltern die Rechtmäßigkeit des Streiks an. Die Gewerkschaft Verdi führe unter dem Deckmantel des Gesundheitsschutzes und besserer Arbeitsbedingungen Tarifverhandlungen. Dabei sei der 2005 geschlossene Tarifvertrag, der niedrigere Einganggehälter für Erzieherinnen vorsehe, noch bis Ende des Jahres in Kraft. Er habe durchaus Verständnis für die Eltern und deren Forderungen, sagte er. Die Stadt könne die Beiträge aber nicht an die Eltern zurückzahlen, da der Verwaltungsaufwand höher sei, als die eingesparte Summe.

Immer wieder rechnete er den Müttern vor, wie viel Geld Aachen in die Kinderbetreuung investiere. Das kostenlose erste Kita-Jahr etwa sei eine freiwillige Leistung der Stadt. Und sie stelle auch mehr Stellen zur Verfügung als im Kinderbildungsgesetz (Kibiz) vorgesehen. Das durch den Streik eingesparte Geld bleibe im System und werde für die laufenden Betriebskosten und weitere Betreuungsplätze verwendet.

Zeit zum Verschnaufen gibt es ab Donnerstag für tausende Eltern: Die Kita-Streiks werden in Nordrhein-Westfalen für gut einen Monat ausgesetzt. Der Juli solle für Aktionen und Diskussionen genutzt werden, kündigte ver.di-Landesleiterin Gabriele Schmidt am Dienstagabend an. Zugleich drohte Schmidt mit einem Marathon-Streik „von 100 Wochen und mehr”. Im August werde sich die Gewerkschaft in den Kommunalwahlkampf einschalten und die Politik in die Verantwortung für die Arbeitsbedingungen der Erzieherinnen, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen nehmen.

Am Dienstag wurde die Geduld der Eltern in Nordrhein-Westfalen erneut auf die Probe gestellt. Landesweit legten nach ver.di-Angaben in mehr als 60 Städten rund 8800 Erzieherinnen kommunaler Kindertagesstätten sowie Sozialarbeiter die Arbeit nieder. Es war seit Mai bereits der 20. Streiktag in NRW. Am Mittwoch würden die Kita-Streiks in NRW fortgesetzt, sagte Verstegen.

Gestreikt wurde am Dienstag auch in vier anderen Bundesländern. Die Tarifverhandlungen für Erzieher und Sozialarbeiter waren am vergangenen Freitag ergebnislos abgebrochen worden. Der ver.di- Landesverband in NRW hatte am Dienstag beraten, wie es in und nach den Sommerferien weitergehen soll. Ver.di fordert ein höheres Einkommen und einen besseren Gesundheitsschutz für die Erzieher.
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