Würselen - Würselener Künstler Sous bestohlen: Golddiebe sind hinter Gittern

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Würselener Künstler Sous bestohlen: Golddiebe sind hinter Gittern

Von: Eckhard Hoog
Letzte Aktualisierung:
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Er steht mit leeren Händen da – die goldenen Schmuckstücke wurden gestohlen und vermutlich eingeschmolzen: Der Würselener Künstler Albert Sous. Foto: Andreas Herrmann
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So hilft es auch kaum etwas, dass jetzt die Täter gefasst wurden. Foto: Andreas Herrmann
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Die Schmuckstücke sind unwiederbringlich. Foto: Andreas Herrmann

Würselen. Der Schmuck ist weg. All das Gold. Mindestens 250.000 Euro wert. Unwiederbringlich - eingeschmolzen und verhökert letztlich für einen Spottpreis. Albert Sous, der bekannte Würselener Künstler, der mit seinem Kugelbrunnen auf der Adalbertstraße der Stadt Aachen auf seine Weise ein Denkmal gesetzt hat, nimmt es immerhin erstaunlich gelassen.

Zumindest, was den Wert des Verlustes angeht. Wenigstens sitzen die drei Täter, die ihn und seine Frau Susi im November auf so unfassbar dreiste Weise in ihrem eigenen Haus in Würselen beklaut hatten, jetzt hinter Gittern in Untersuchungshaft. Der Letzte der drei hat sich aufgrund des Fahndungsdrucks selbst gestellt. Nachdem die anderen beiden bereits vorher festgenommen worden waren. Ein Fahndungsbild hat nach Angaben des Aachener Kriminalhauptkommissars Markus Blauel am Ende auch zum Erfolg geführt.

Bei dem Dritten kann es sich nach Angaben von Sous, der sehr viel mehr Einzelheiten kennt, als die Polizei und die Staatsanwaltschaft aus vielerlei Gründen nicht offenbaren wollen, um den überaus korpulenten, „dicken Mann“ handeln. Der hatte Albert und seine Frau Susi Sous, wie berichtet, Anfang November mit zwei Komplizen rund 50 selbst entworfene, kostbare Schmuckstücke gestohlen, nachdem sich die drei als ambitionierte Kunst- und Schmuckfreunde ausgegeben hatten.

Und als Fans von der besonderen Sous‘schen Art der Bildhauerei. Extrem bedauern Susi und Albert Sous nun, dass die Schmuckstücke, Kunstwerke eines Bildhauers im Kleinformat, einfach so mal eben zerstört wurden – nur, um einen vergleichsweise mickrigen Gewinn zu erzielen.

Aufschlussreiche Details

Weder Polizei noch Staatsanwaltschaft wollen wegen des laufenden Anklageverfahrens Fragen nach Einzelheiten beantworten, doch Albert Sous kennt über seine eigenen Kontakte aufschlussreiche Details, die er uns verraten hat. Demnach stammen die Täter tatsächlich aus dem Raum Mönchengladbach, was Sous bereits an deren typischem „Slang“ erkannt haben will. „So spricht man in der Gegend“, sagt er. Und er muss es wissen – viele Kunstwerke aus seiner Hand hat er dorthin verkauft.

„Es handelt sich um arme Leute, die hoch verschuldet sind“, erzählt er, informiert aus eingeweihten Polizeikreisen. Noch im Auto sollen die Täter versucht haben, die Schmuckstücke unerkennbar zu machen, zu „anonymisieren“ – spätestens zu Hause mit einem Gasbrenner. Tatsächlich sollen bei den Tätern keine Schmuckstücke von Sous gefunden worden sein.

Von dem 250.000-Euro-Wert ist nach Sous‘ Informationen ein lachhafter Betrag übrig geblieben: Ganze 17.000 Euro sollen die Klumpen den Gangstern noch gebracht haben. Und dabei sind sie offensichtlich selbst noch übers Ohr gehauen worden. Sous: „Allein der Goldwert hätte von allem mindestens das Dreifache erbringen müssen.“

Aus dem herrlich filigranen, römisch inspirierten und NRW-Staatspreis-gekrönten, wunderbar kunstvollen Halsreif von 1987 blieb nur noch eines übrig: ein Klotz Gold. Wahrscheinlich mit Borax übergossen, damit man nicht mal das Metall erkennen konnte. So raffiniert die Diebe sich bei ihrer Tat zeigten, bei der sie die buchstäblich offene Ateliertür eines gutseligen und weltoffenen Künstlers genutzt hatten, so dämlich stellten sie sich offensichtlich bei ihrer Planung und Ausführung an.

DNA war die Lösung

Einer der Täter war so intelligent, eine Tasse Kaffee bei den Sous zu trinken. Seine polizeilich registrierte DNA-Hinterlassenschaft auf dem Geschirr hat die ganze Bande letztlich auffliegen lassen. Dumm gelaufen!

Der Verlust schmerzt – besonders den Künstler. Drei bis vier Monate hat er allein daran gearbeitet, um die vielen Edelsteine in seine Goldreifen einzuarbeiten – und das nur bei einem einzigen Stück. Alles futsch. „Die haben die Steine einfach herausgebrochen und weggeschmissen.“

Die Resonanz auf unsere Berichterstattung über den Fall findet das Paar Sous überwältigend: Körbeweise sind Bekundungen von Mitgefühl und Anteilnahme eingetroffen – zumal aus der Hand von Künstlerkollegen. „Euer Haus hat die Unschuld verloren“, hieß es da unter anderem, in Erinnerung daran, dass die Sous‘sche Adresse für jedermann offenstand, der sich für seine Edelstahl-Skulpturen interessiert hatte. Damit ist wohl jetzt erst einmal Schluss. Sicherheitsfirmen haben vorgesorgt: Jeder Besucher wird erst einmal über eine Kamera „gecheckt“.

Aber auch das könnte unter Umständen nichts nützen bei Menschen wie diesen, die zunächst einmal nichts Böses unterstellen würden: „Sie waren so liebenswürdig“, sagt Albert Sous. Für das Fahndungsfoto wurden ihnen von der Polizei nur Typen vorgeführt, „denen man Gewalt zutraut“, sagt Sous. „So waren die aber nicht.“

Erst recht nicht die beiden Polizisten, die vier Tage nach dem Diebstahl aufkreuzten. In voller Montur, mit Knarre an der Hüfte. Alles „gefaked“, wie man heute so schön sagt. „Die wollten den Rest abräumen“, sagt Albert Sous und ist immer noch froh, dass er und seine Frau diesen Übergriff heil überstanden haben.

Alle Wertsachen waren bereits sicher in einem Sparkassen-Tresor weggesperrt. So zogen sie falschen Polizisten unverrichteter Dinge von dannen. Nicht auszudenken, wenn tatsächlich noch Objekte von Wert vorhanden gewesen wären. . .

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