Aachen - Wo Menschen sich treffen, fallen Vorurteile

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Wo Menschen sich treffen, fallen Vorurteile

Von: Anja Klingbeil
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Ohne Berührungsängste: Elizaveta Suvorova (v.l.), Konstantin Seleznev, Ez Ali Abo Hossen, Tima Peredernin, Charlène Delnoy, Jelte Tuinstra, Elisabeth Schrammen, Julia Iguat und Raew Alexey begegnen sich im Vorfeld der Verleihung der Martin-Buber-Plakette. Foto: Schuldt

Aachen. Die Welt ist zu Gast in der Region. Noch bis Ende dieser Woche bietet das Euriade-Projekt „Jugend im Dialog” Gelegenheit, sich ganz im Sinne Martin Bubers auf den Weg zu anderen zu machen. „Das heißt eben auch, den Kontakt zu behinderten Menschen aufzunehmen. Deshalb sind wir mit den Jugendlichen einen Tag zu Gast bei der Aachener Lebenshilfe”, sagt Euriade-Intendant Werner Janssen.

Rund 70 junge Menschen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren aus verschiedenen Teilen der Welt begegnen sich im Vorfeld der Verleihung der Martin-Buber-Plakette am Sonntag in Kerkrade an das Ehepaar Hugo und Liesje Tempelman.

Der niederländische Arzt und die Krankenschwester werden für ihr Engagement in Südafrika ausgezeichnet, wo sie sich im Kampf gegen die Verbreitung des HI-Virus einsetzen.

„Hugo Tempelman hat so viel für unser Land und die Menschen getan. Seine Arbeit ist wichtig”, sagt Annindita Hoque. Die 17-jährige Schülerin aus Südafrika ist im Rahmen des Jugendprojektes zum ersten Mal in Deutschland. Gemeinsam mit ihrer Familie lebt die indischstämmige Annindita in einer kleinen Stadt, zwei Stunden entfernt von Johannesburg.

Ihre Eltern arbeiten als Ärzte, deswegen kennt sie die Arbeit der Tempelmans sehr gut: „Sie tun viel mehr, als den Menschen nur Medizin zu geben. Sie klären auf, beugen vor.” Auch dank des Engagements der Niederländer sei die Aids-Problematik viel stärker in den Fokus gerückt, im Unterricht wird besprochen, wie man sich gegen die Immunschwäche schützen kann.

„Aber Südafrika ist viel mehr als nur das. Es ist eine echte Regenbogen-Nation, es gibt so viele verschiedene Kulturen, Religionen und das Land hat jede Menge zu bieten”, sagt Annindita.

Kulturfestival wächst und wächst

Die Euriade bringt im Rahmen des Jugendprojektes die Nationen zusammen. Jugendliche aus Südafrika und Rumänien sind zum ersten Mal vor Ort, das Kulturfestival wächst und wächst. Dabei ist auch Julia Iguat. Die 17-Jährige kommt aus dem rumänischen Bistritz, der Partnerstadt Herzogenraths. Viele neue Eindrücke hat sie in den ersten Tagen aufgenommen. Hat sich mit den anderen Jugendlichen über ihren Alltag unterhalten, ihre Schule. Englisch ist die Sprache, die alle verbindet. „Es war schon komisch am Anfang. Die Gespräche etwas holprig, weil ja nicht jeder ein perfektes Englisch spricht”, sagt Elizaveta Suvorova aus Russland. „Große Hemmungen gab es aber nicht”, fügt Elisabeth Schramm hinzu.

Wie die behinderten Menschen in der Werkstatt der Aachener Lebenshilfe betreut werden, wie sie dort einer Arbeit nachgehen, hat viele der ausländischen Jugendlichen beeindruckt. „Ich hoffe, dass sich auch in Russland im sozialen Bereich einiges ändern wird”, wünscht sich der 16-jährige Tima Peredernin. „Man sieht in Russland kaum behinderte Menschen auf der Straße. Die meisten sind in Heimen untergebracht. Sind dort zwar gut versorgt, werden aber nicht weiter gefördert”, erklärt die russische Lehrerin Inna Verjbitskaia.

Allerdings sei vieles auf den Weg gebracht, ergänzt Lehrerin Arakelyan Karine aus Moskau: „Es findet derzeit ein Wandel in Russland statt, die behinderten Menschen stärker in der Gesellschaft zu integrieren.”

Aber auch aktuelle Krisenherde werden kontrovers diskutiert. Etwa die Kämpfe zwischen Palästinensern und Israelis. Ez Ali Abo Hossen ist Palästinenser, lebt in Israel.

Arzt möchte der 16-Jährige werden: „Ich hoffe, dass ich Menschen eines Tag helfen kann.” Viele Freunde habe er bereits an den beiden Tagen gewonnen, seitdem er in Deutschland ist. Darunter auch jüdische Jugendliche aus Israel. „Sie sind sehr nett”, sagt Ali. Wie die Situation im Nahen Osten entschärft werden könnte, das vermag er nicht zu sagen. „Es gibt eben zwei Seiten, da ist es sehr schwer, eine Lösung zu finden.” Vielleicht liegt diese Lösung ja auch bei den Jugendlichen selber: Lior Sternberg ist 15 Jahre alt, Jüdin, kommt aus einer kleinen Stadt in Israel. „Ich kann diesen ständigen Kampf nicht wirklich verstehen. Nicht alle Araber sind böse und alle Israelis sind es auch nicht. Das sind nur die Extremen. Ich habe auch arabische Freunde. Wir hassen uns nicht.”

Am Samstagnachmittag diskutieren die Jugendlichen mit den Preisträgern auf Burg Rode in Herzogenrath. „Was wir fragen werden, haben wir uns noch nicht überlegt. Vielleicht, wie das so ist in Südafrika. Ich habe gedacht, die Menschen dort hätten alle eine dunkle Hautfarbe. Und nun habe ich Jugendliche aus dem Land kennengelernt. Darunter sind aber nur zwei Farbige”, ist der russische Jugendliche Tima Peredernin überrascht. So werden Vorurteile abgebaut, ganz einfach und schnell in der direkten persönlichen Begegnung bei „Jugend im Dialog”.
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