Heerlen - Wo die Pferde Schneeketten tragen

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Wo die Pferde Schneeketten tragen

Von: Verena Müller
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Die keltisch-römische Schutzp
Die keltisch-römische Schutzpatronin der Reisenden und Reitenden Epona ist nur eines der ungewöhnlichen Ausstellungsobjekte, die derzeit im Thermenmuseum Heerlen zu sehen sind. Foto: Verena Müller

Heerlen. Die Via Belgica genießt derzeit länderübergreifend großes Interesse. Im Frühjahr gab der Landschaftsverband Rheinland bekannt, dass die Römerstraße für mehrere Millionen Euro in Form eines Radwanderwegs erlebbar gemacht wird.

Beim Tag der Denkmalpflege war sie vielerorts Thema, und jetzt gastiert auch in Heerlen eine Wanderausstellung, die sich der Fernstraße widmet. Vor kurzem war die Schau noch in Bavay, in Frankreich, zu sehen. Im Thermenmuseum bleibt sie für ein halbes Jahr. 19 Museen aus fünf Ländern haben Leihgaben zur Verfügung gestellt, darunter auch die Zitadelle Jülich, das Römermuseum Xanten und das Rheinische Landesmuseum Trier.

Fünf Themengebiete

„Es war einmal ein Weg” lautet der Titel, die Wechselausstellung knüpft eng an die Bestände des Museums an, das an und über eine römische Badeanlage gebaut wurde. Aufgeteilt ist sie in fünf Themengebiete: Wegebau, die Nutzer der Wege, Meilensteine und Karten, Schutzpatrone der Reisenden und die letzte Reise/Leben nach dem Tod. In der Ecke „Wegebau” demonstriert ein „römischer Landvermesser” der Gemeindeverwaltung, wie der antike Agrimensor gearbeitet hat, es gibt ein Modell der römischen Brücke bei Maastricht und technische Gerätschaften zu sehen. Ein Längsschnitt durch die rund acht Meter breite Via Belgica ist allerdings nicht in der Wanderausstellung, sondern an der Thermenanlage ein paar Schritte weiter ausgestellt.

Besonders sehenswert im zweiten Themenkomplex sind Schmuckelemente für Zaumzeug und Wagen, etwa ein Aufsatz für eine Radnabe, den ein Pferdetorso schmückt, oder Schneeketten für Pferde in Form von metallenen Sandalen mit Profil. Glanzstück der dritten Gruppe ist ein sogenannter Vicarello-Becher, auf dem in winziger Schrift die Etappen einer Route und die einzelnen Entfernungen zu lesen sind. Unter „Kurioses” fällt zum Beispiel die Schutzpatronin der Reisenden Epona. Wer jetzt gedanklich die römischen Götter durchgeht und stutzig wird, sei beruhigt: Epona ist eigentlich eine keltische Reiter- und Pferdegöttin, üblicherweise seitlich auf einem Pferd sitzend dargestellt. Sie trat dem Kreis der klassischen römischen Götter im Rahmen der Romanisierung bei, wenn man so will.

Vorgeschaltet sind der mit umfangreichem Infomaterial ausgestatteten Ausstellung fünf Vitrinen, die Fundstücke aus Maastricht, Voerendaal, Valkenburg, Heerlen und Rimburg zeigen. Diese sind so nur in Heerlen zu sehen. Darunter auch ein Stück eines Pfeilers der Römerbrücke, die bei Schloss Rimburg über die Wurm führte. Hobbyarchäologe Richard Riediger aus Übach-Palenberg hat dem Thermenmuseum diesen Fund und weitere Objekte wie etwa einen Abdruck einer Vogelkralle auf einem Tonziegel aus seiner umfangreichen Privatsammlung zur Verfügung gestellt.

Die Via Belgica war die wichtigste Verbindung zwischen der Nordsee und dem Rhein, sie verlief zwischen Boulogne-sur-Mer und Tongeren, über Bavay, Jülich und Köln. Den Namen haben ihr allerdings neuzeitliche Forscher gegeben, da sie sich zu einem großen Teil über das Gebiet der römischen Provinz Gallia Belgica erstreckte. Heerlen und Bavais waren zur Zeit des Römischen Reiches Großstädte. So war Heerlen, an der Kreuzung der Achsen Boulogne-sur-Mer - Tongeren/ Aachen - Xanten gelegen, zunächst ein wichtiger militärischer Stützpunkt. „Vermutlich war die 30. Legion hier und in Aachen stationiert”, sagt Kuratorin Karen Jeneson. An beiden Orten habe man Ziegel mit diesem Stempel gefunden. Später florierte in Heerlen der Keramikhandel. Der weiße Ton stammte aus dem Norden von Maastricht. An die 25 gut erhaltene Brennöfen wurden rund um Heerlen gefunden, einer ist auch in der ständigen Sammlung des Museums zu sehen. Diese sollte man auf jeden Fall nach der Wechselausstellung ebenfalls besuchen, die Vielfalt und Qualität der Objekte ist überraschend hoch.

„Es war einmal ein Weg” im Thermenmuseum

Die Ausstellung „Es war einmal ein Weg” im Thermenmuseum Heerlen, Coriovallumstraat 9, ist bis zum 31. März 2012 zu sehen. Es gibt Begleittexte auf Deutsch, auch deutsche Führungen können gebucht werden. Der Katalog zur Ausstellung ist aber nur auf Niederländisch und Französisch erhältlich (22 Euro).

Das Thermenmuseumist dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 6,50 Euro, Kinder und Jugendliche bezahlen 5,50 Euro - ständige Sammlung und weitere Wechselausstellungen sind im Eintritt enthalten.

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