Winter reißt tiefe Löcher in die Stadtetats

Von: Martina Rippholz und Saskia Zimmer
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Ein Bild, wie es derzeit jeder kennt: Der Frost lässt die Straßen aufplatzen. Das bedeutet für Kommunen hohe Mehrkosten. Foto: imago/Arnulf Hettrich

Aachen. Für Walter Buttgereit ist der Winter am 15. März vorbei. Zumindest auf dem Papier. Denn dann erklärt der Eigenbetrieb Technische Dienste in Alsdorf, dem Buttgereit als technischer Leiter vorsteht, die eisige Jahreszeit für beendet.

Und dann wird Bilanz gezogen über die Tonnen Salz, die verstreut, die Menge an Überstunden, die geleistet und natürlich über die Schäden, die Schnee und Eis auf vielen Straßen verursacht haben.

Aber schon jetzt kann Buttgereit eine erste Einschätzung darüber abgeben, was der harte Winter ihn gekostet hat: „Der Stundeneinsatz unserer Mitarbeiter hat sich gegenüber der letzten Jahre ungefähr verdoppelt und die Menge an eingesetztem Streumaterial ebenso.” Und auch in den nächsten Tagen werden wieder so viele Männer vom Alsdorfer Bauhof im Einsatz sein, wie irgendwie möglich.

„Wenn alle Überstunden irgendwann mal abgefeiert oder ausgezahlt werden sollen, dann kann das zum echten Problem werden”, sagt Buttgereit. Der harte Winter wird in jedem Fall auch für die Bürger Konsequenzen nach sich ziehen. Buttgereits Prognose: „Eine Erhöhung der Winterdienstgebühren für die Alsdorfer wird unumgänglich sein.”

Neuer Frost stoppt Reparaturen

Dass dieser Kelch an den Heinsbergern vorbeigeht, hofft dagegen Jakob Gerards. „Passieren kann es aber schon”, sagt der Kämmerer der 40.000-Einwohner-Stadt. „Wenn die Aufwände größer werden als die Erträge, und wenn auch keine Rücklagen mehr da sind, dann müssen die Bürger mehr bezahlen.” Doch noch sei das reine Hypothese. Bisher geht Gerhards davon aus, dass die Kosten für Winterdienst und Straßenreinigung aus dem bestehenden Budget zu bestreiten sind.

Dass die höher liegen werden als sonst, ist indes schon klar. „Dieser Winter war schon sehr krass im Vergleich zum Vorjahr”, sagt Gerhards. Damals seien bis zum Winterende - in Heinsberg ist das der 31. März - 27 Winterdiensteinsätze gefahren und 1500 Arbeitsstunden auf Fahrbahn und Radwegen geleistet worden. „Dieses Jahr kommen wir jetzt schon auf 25 Einsätze und 1800 Stunden. Und Ende März ist noch lange nicht”. Was also auf die Städte und Kommunen finanziell noch zukommt, kann derzeit weder in Heinsberg noch in Alsdorf jemand sagen.

Ebenso sieht es mit den Schäden und damit verbundenen Reparaturarbeiten aus, die der Frost auf den Straßen hinterlassen hat. Günter Jansen, Kämmerer der Stadt Alsdorf, kann die erst abschätzen, wenn der Frost vollständig von den Gehwegen und Fahrbahnen verschwindet. Eines jedoch ist für ihn klar: „Trotz unserer schwierigen Haushaltslage müssen wir Geld in die Hand nehmen, um die Schäden zu beheben. Dazu zwingt uns die Verkehrssicherungspflicht.”

Genau damit hat Giesela Weiß vom Aachener Stadtbetrieb und verantwortlich für den Bereich Straßenbau und Verkehrsdienst mit ihren Kollegen schon begonnen. In den wenigen Tauwetter-Tagen haben sie erste Ausbesserungen gestartet, extra ein zweites Thermofahrzeug dafür geliehen. „Aber wenn der Schnee wiederkommt, ist vorerst Schluss mit den Reparaturen”. Der Schnee ist wieder da. Und mit ihm drohen noch mehr teure Schäden. „Wenn das so weitergeht, fehlt im Laufe des Jahres das Geld an anderer Stelle”, sagt Weiß. „Dann wird manchmal Kosmetik ausreichen müssen, wo eigentlich Erneuerungen geplant waren.”

Leere Salzhallen, schlimme Straßenschäden, jede Menge Überstunden -Êdie Sorgen und Nöte sind überall gleich. Ziemlich gelassen blickt dagegen Richard Müllejans auf die letzten Monate zurück, und ebenso gelassen den noch angekündigten Frostperioden entgegen. Natürlich sei es einer der härtesten Winter gewesen, die er je erlebt hat, aber der Chef des Dürener Service-Betriebs (DSB) schätzt seine Lage dennoch ziemlich komfortabel ein. „Wir haben genug Rücklagen, um die zusätzlichen Kosten aufzufangen. Die Bürger werden damit nicht belastet werden.”

Neben einem ausreichenden finanziellen Puffer sieht Müllejans einen Vorteil des DSB darin, dass Überstunden nicht ausgezahlt, sondern durch variable Stundenkonten abgebaut werden. Die Tatsache, dass es jetzt noch einmal frostig wird, nimmt Müllejans den närrischen Tagen gemäß mit rheinischer Gelassenheit und hofft getreu dem Motto „et hätt noch immer jot jejange”, dass der Frühling pünktlich dann Einzug erhält, wenn die Salzvorräte erschöpft sind.

Ob es nun wärmer wird oder weiterhin kalt bleibt, für Buttgereit endet der Winter am 15. März. So steht es auf seinem Papier. Schenkt man allerdings den aktuellen Wettervorhersagen Glauben, dann wird auch für alle anderen das Bibbern und Rutschen nicht viel früher ein Ende finden.
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