Wie oft schlägt in der Region der Blitz ein?

Von: Thomas Vogel
Letzte Aktualisierung:
8244362.jpg
Der Blitz-Informationsdienst von Siemens nutzt Messstationen quer durch Europa und erfasst seit Anfang der 90er Jahre genaue Daten von Blitzeinschlägen. Bis zu 50m genau kann BLIDS den Einschlag eines Blitzes lokalisieren. Wichtig sind die Informationen unter anderem für Wetterdienste, die Betreiber von Stromnetzen oder Versicherungen. Prinzipiell gilt: im Süden Deutschlands gibt es mehr Blitze als im Norden. Das hängt von den jeweiligen Temperaturen und der Großwetterlage ab. Foto: dpa

Aachen. Innerhalb der vergangenen 24 Stunden sind erst die letzten Blitze eingeschlagen – in Aachen, Alsdorf und anderen Städten der Region. Wer wollte, konnte im Internet auf der Seite Lightningmaps.org jeden Blitzschlag live verfolgen. Blitze, so scheint es, sind in der Region Aachen-Düren-Heinsberg kein seltenes Naturschauspiel. Doch stimmt das?

Die meisten Einschläge bleiben ohne direkte Auswirkung und verglühen trotzdem nicht unbemerkt. 98 bis 99 Prozent aller Blitze bundesweit registrieren die Geräte des Blitz-Informationsdienstes von Siemens (Blids). Diese Daten können Auskunft darüber geben, ob Unwetter bei uns häufiger sind als andernorts und ob ihre Zahl zunimmt.

Die Antwort lautet erst einmal nicht „Ja“ oder „Nein“, sie lautet 0,97. Diese Kennzahl, die Blids für die Stadt Aachen im vergangenen Jahr registriert hat, gibt an, wie viele Blitze 2013 im Stadtgebiet pro Quadratkilometer eingeschlagen sind. Stephan Thern, Verantwortlicher für Blids: „In Aachen ist es eigentlich eher wie in Norddeutschland.“ Betrachte man die Aufzeichnungen der vergangenen zehn bis 15 Jahre, so „kann man auf jeden Fall erst einmal festhalten, dass es im süddeutschen Raum viel mehr Gewitter gibt als im norddeutschen. Außerdem gewittert es in den Mittelgebirgen eher als im Flachland“.

2013: Ein sehr ruhiges Jahr

Was bedeutet das nun für eine Region, die von der Eifel bis Heinsberg sowohl flache als auch bergige Topographie aufweist? „Im Mittel der vergangenen 15 Jahre sind es 1,99 Blitze pro Quadratkilometer und Jahr in Aachen, in Heinsberg sieht es ähnlich aus. Weiter im Norden Deutschlands geht es dann runter bis auf weniger als 1,3. Im Altkreis Aachen, in den Kreisen Düren und Euskirchen steigt der Wert schon wieder ein bisschen, auf 2,2 bis knapp 2,6.“

Das vergangene Jahr war demgegenüber sehr gemäßigt: 0,97 Blitze pro Quadratkilometer in der Stadt Aachen, 1,58 im Altkreis Aachen, 0,69 im Kreis Düren, und im Kreis Heinsberg hat es auf jedem Quadratkilometer sogar nur 0,57 Mal eingeschlagen. Zum Vergleich: Coburg/Bayern belegt im 2013 von Siemens erstmals veröffentlichten Blitzatlas die Spitzenposition. 6,39 Blitze waren dort pro Quadratkilometer registriert worden. Am wenigsten Angst vor Blitzschlag mussten die Menschen im hessischen Kreis Limburg-Weilburg haben. Dort hatte es nur 0,17 Mal geblitzt pro Quadratkilometer. Die Region Aachen-Düren-Heinsberg liegt also im Mittelfeld.

Dieses Jahr entwickelt sich allerdings ganz anders – den Eindruck hat Kreisbrandmeister Bernd Hollands aus Herzogenrath sicher nicht exklusiv: „Unabhängig von den Blitzen habe ich das Gefühl, dass es mehr Gewitter und Unwetter mit lokaleren Auswirkungen sind als in den Vorjahren.“ Als Beispiel nennt er einen Gewitter-Einsatz am Montag in Eschweiler, zu dem auch die Kollegen aus den Nachbarkommunen Herzogenrath, Simmerath, Stolberg, Aachen und Langerwehe anrücken konnten, weil das Unwetter nur lokal tobte.

Die Zahl der Feuerwehr-Einsätze, die von Blitzen verursacht werden, bewege sich knapp im zweistelligen Bereich für die gesamte Städteregion Aachen. Meist handele es sich dabei um die Klassiker: Einschlag in Dachstuhl oder Baum, der einen Brand verursacht. Thern bestätigt: „Etwas schlimmer als in den Jahren zuvor ist es schon. Aber nur, weil das vergangene Jahr extrem schwach war.“

Genaue Angaben am Jahresende

Wie oft sich ein Gewitter ereignet und wie stark es ist oder wie viele Blitze auf das Jahr verteilt einschlagen, ist ein Unterschied. Mehrere kleine Gewitter bedeuten nicht immer auch mehr Blitze. Manchmal gebe es vielleicht nur einen einzigen schweren Gewittersturm, der aber dann so viele Blitze mitbringt, dass er die kleinen Gewitter im Grunde alle übertrumpft, sagt Thern.

Trifft es die eigene Region, stellt sich bei vielen Menschen automatisch das Gefühl ein, Gewitter seien besonders häufig. Dieses Jahr sind sie in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz aber tatsächlich zahlreicher als in anderen Teilen Deutschlands – allerdings sehr verteilt. Man müsse die Zahlen am Ende des Jahres auswerten, sagt Thern, um genaue Angaben machen zu können. Ob 2014 schon über dem Durchschnitt liege, müsse man noch abwarten. „Wir sind ja jetzt quasi in der Mitte der Gewitterzeit, die ungefähr bis Mitte September geht. Danach wird es relativ sparsam.“ Zwar gebe es auch im Winter manchmal noch Gewitter, aber die seien dann nicht mehr vergleichbar. „Im Sommer hat ein starker Gewittertag über 100.000 Blitze, im Winter vielleicht 30 oder 40.“

Deutschlandweit registrierte Blids 2013 mehr als eine halbe Million Blitze. Davon schlugen insgesamt 2016 in der Region Aachen-Düren-Heinsberg ein.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert