Hürtgenwald - Wie guter Wein: Büttenpapier fürs Grundgesetz

Wie guter Wein: Büttenpapier fürs Grundgesetz

Von: Elke Silberer, dpa
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Felix Renker steht mit einer Faksimile-Ausgabe des Grundgesetzes für die Bundesrepublk Deutschland von 1949 vor der Papierfabrik Renker und Söhne in Hürtgenwald-Zerkall. Foto: dpa

Hürtgenwald. Felix Renker vergleicht feines, kostbares Büttenpapier mit gutem Wein: Beides braucht seine Zeit, um Qualitäten zu entfalten. Diesen differenzierten Blick auf die Massenware Papier haben nicht viele Menschen.

Und so ist die Skepsis des Papierfabrikanten mit Blick auf die Bundesversammlung an diesem Samstag in Berlin nicht verwunderlich. Die 1224 mit der Wahl des Bundespräsidenten beauftragten Männer und Frauen erhalten eine originalgetreue Nachbildung der Urfassung des Grundgesetzes. Wie bei der Urfassung vor 60 Jahren kommt das Büttenpapier dafür aus Renkers Eifeler Unternehmen.

„Man sagt sich, hoffentlich kann der Empfänger etwas damit anfangen”, sagt der 47-Jährige und meint natürlich nicht den Inhalt. Den kann man auch als preiswerte Taschenbuchausgabe bei jedem Buchhändler kaufen. Massenware ist Renkers Sache nicht. Seine Papierfabrik Zerkall Renker & Söhne bei Düren ist einer von zwei Büttenpapier-Produzenten in Deutschland.

Anders als beim Wein erschließt sich der Wert des Papiers nicht selbstverständlich und über die Sinne. Der ausgefranste Büttenrand ist das unverwechselbare Kennzeichen. „Wenn man den Rand wegschneidet, wird es selbst für einen Fachmann schwer zu erkennen”, bekennt Renker. Warum man es trotzdem braucht, erklärt er in einem Satz: „Einen kostbaren Picasso für mehrere tausend Euro würde man auch nicht auf billigem Kopierpapier drucken.” Kostbare Dokumente wie das deutsche Grundgesetz eben auch nicht.

Das Büttenpapier für die Urschrift vom 23. Mai 1949 lieferte Renkers Großvater Armin. Der war dem Bundeskanzler Konrad Adenauer freundschaftlich verbunden. Armin Renker war damals ehrenamtlicher Landrat und hatte Adenauer in den im Krieg völlig zerstörten Eifelort Hürtgenwald eingeladen. „Bis zum Tod standen die beiden in brieflichen Kontakt”, sagt der Enkel.

Einen offiziellen Produktionsauftrag hat er in den Unterlagen nie gefunden. Dieser relativ kleine Auftrag brauchte wohl auch keinen Beleg. Aber es ist Fakt, dass Großvater Armin vor 60 Jahren das Büttenpapier für die Urschrift des Grundgesetzes produzierte. Diese Urschrift wird nur zur Vereidigung des Bundespräsidenten und Bundeskanzlers vorgelegt. Sie hat ebenso den Büttenrand, wie zwei weitere Faksimile-Ausgaben vom Juni 1949. Es gab weitere Auflagen meistens zu Jubiläen, aber nicht mit Papier aus der Eifel.

Aber zum 60. Jubiläum nahm der Bundestag es dann doch wieder sehr genau. „Man wollte einen Nachdruck, der dem Original so nahe kam wie nur möglich”, erzählt der Unternehmer. Die Druckerei von damals existierte nicht mehr. Aus Hochdruck war inzwischen Offset geworden. Dagegen hatten die Eifeler Papierfabrik und die Schöpf-Technik die Zeit überdauert. Renker produzierte Büttenpapier für 3000 Exemplare Grundgesetz.

Ob das Papier für die Empfänger in Berlin relevant ist - Renker weiß es nicht. Aber er wird auch ein Exemplar bekommen. Darüber freut er sich. So viel ist sicher.
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