Wie die Aachener Hochschule sich selbst erforscht

Von: Matthias Hinrichs
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Renommierprojekt der RWTH: das Verwaltungsgebäude SuperC. Foto: Harald Krömer

Aachen. Es glitzert in kühlem stahlblau, hat Ecken und Kanten. Es wirkt männlich, stabil, knallhart. Es strotzt gewissermaßen vor Selbstbewusstsein. Es ist „nur” ein Logo, logo. Aber damit eben auch ein Symbol.

Und man muss wohl kein Wissenschaftler, kein Psychologe, kein Marktforscher sein, um dem allgegenwärtigen Schriftzug der RWTH Aachen dies zu bescheinigen: Er repräsentiert das Image einer der erfolgreichsten Hochschulen auf dem Kontinent durchaus. Was mancher - von wegen knallhart - weniger vermuten mag: Im ehrwürdig-gediegenen Hauptgebäude der Alma Mater auf dem Templergraben wird dieser Tage auch sehr viel über Selbstfindung nachgedacht. Forschung in eigener Sache scheint gerade angesichts „exzellenter” Ansprüche mehr als angesagt.

Wer bin ich, wer möchte ich sein? Wie sehen mich die anderen, wie sollen sie mich sehen? Kurzum: Wie kann man die RWTH als „Marke” weiter profilieren? Antworten lieferte jetzt beim Marketing Club Aachen selbstredend ein hoch renommierter Wissenschaftler aus eigenen Reihen: Professor Dr. Hartwig Steffenhagen, Inhaber des RWTH-Lehrstuhls für Unternehmenspolitik und Marketing, referierte am Dienstagabend - auch anlässlich seiner 25-jährigen Mitgliedschaft im Marketing Club - vor rund 100 Mitgliedern der Initiative über jüngste Erfahrungen und Einsichten rund ums Selbstbild eines hochkomplexen Knowhow-Kolosses.

Denn: „Wenn wir die RWTH als Marke noch besser aufstellen wollen, müssen wir zunächst wissen, welche Vorstellungen, Wünsche und Ansprüche die Studierenden und Mitarbeiter selbst mit ihr verbinden. Und wir müssen uns klar machen, dass eine Marke immer durch individuelle Eigenschaften gekennzeichnet ist.”

Fragt sich eben nur, welche das sind. Steffenhagens Befund nach umfangreichen Studien am hochlebendigen Objekt: „Glaubwürdig, kompetent, fleißig, konsequent, robust - diese positiven Attribute werden der TH grundsätzlich durchaus zugeschrieben.”

„Gekuschelt wird nicht”

Die Kehrseite der Medaille bringt der Experte so auf den Punkt: „Gekuschelt wird hier nicht. Das machen wir zuhause.” Will sagen: „Arrogant, bürokratisch, wenig gastfreundlich, anonym - auch diese Eigenschaften prägen das Bild von der Hochschule in den eigenen Reihen.”

Der Professor darf, muss das feststellen. Schließlich hat er im Auftrag des Rektorats vergangenen Sommer eine umfangreiche Befragung von Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeitern konzipiert und realisiert. 192 Fragebögen hat sein Team ausgewertet, in denen die Studierenden Auskunft über eigene Ziele und Wünsche sowie ihre Einschätzung zur Qualität der Lehre gegeben haben - Aufschluss darüber, was sie von „ihrer” Uni erwarten, was ihnen wichtig ist - und was nicht.

Die Ergebnisse überraschen freilich nur gelegentlich. Schärfung der Kritikfähigkeit, Förderung von Kreativität und sozialer Kompetenz, Überzeugungskraft - das sind Kriterien, denen der akademische Nachwuchs laut Steffenhagen im Allgemeinen weniger Bedeutung zumisst, auch wenn die jeweilige Fachrichtung dabei natürlich eine Rolle spielt. „Man kann feststellen, dass das Studium vor allem als Mittel zum Zweck betrachtet wird - als Sprungbrett in einen lukrativen Beruf, als Herausforderung zu persönlichen Höchstleistungen, auch als Möglichkeit, Kontakte fürs Leben zu knüpfen”, sagt der Marketingfachmann.

Und wie sieht die solchermaßen fundierte Nabelschau der Forschenden und Lehrenden aus? Überraschen mag hier, dass grundsätzliche, sagen wir: humanistische Ansprüche ans eigene Tun bei vielen Kollegen des Analytikers Steffenhagen weniger stark ausgeprägt sind. Bessere Lebensbedingungen für die Menschheit als solche zu schaffen, scheinbar undurchschaubare Phänomene in Zahlen und Worten zu entschlüsseln - solch hehre Ziele wurden selten unterstrichen. Statt dessen: Wettbewerbsvorteile durch innovative Produkte sichern und ausbauen, komplizierte praktische Probleme lösen, aber auch den Nachwuchs pflegen - das bewegt die Exponenten der exzellenten Kompetenzen wirklich.

Welchen Erkenniswert aber hat die Diagnose im Hinblick auf die vertrackte Frage, wie man die Außenwirkung des Standorts weiter schärft? Steffenhagen räumt ein, dass seine Antworten - wie so oft - vor allem viele weitere Fragen aufwerten. Zumal seine Studie sich (aus Kostengründen) nicht mit der Außenbetrachtung auf dem freien Markt der Unternehmen, seitens konkurrierender Hochschulen, potenzieller Studierender oder deren Eltern beschäftigt hat.

„Entscheidend ist jetzt zu klären: Was wollen wir vor allem bieten? Wenn wollen wir im Laden haben und wen nicht? Welchen Typ von Wissenschaftler wollen wir besonders ansprechen?” Und: Dies könne man letztlich nicht basisdemokratisch ausdiskutieren. „Die Hochschulleitung muss sagen, was sie will. Und sie muss sich darüber im klaren sein, dass sie Defizite nur sehr langfristig ausräumen kann - jedenfalls, wenn es um die Wahrnehmung als Marke geht.”
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