Aachen - Wie der Wasserverband Eifel-Rur es schafft, dass die Rurtalsperre nicht überläuft

Wie der Wasserverband Eifel-Rur es schafft, dass die Rurtalsperre nicht überläuft

Von: Ulrich Simons
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Warten auf den Frühling. Bei Schwammenauel liegen die Bötchen kieloben, und auf den Stegen schmilzt ein Hauch von Winter. Viel zu sehen gibt es da derzeit nicht. Foto: Peter Stollenwerk
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Das Bild mit dem überlaufenden Rursee ist inzwischen fast 30 Jahre alt. Foto: Hagen Offermann

Aachen. Früh am Morgen der Blick aus dem Fenster. Es regnet. Schon wieder. So geht das nun schon seit Wochen. Ein Tag so nass und grau wie der andere. Was kann man bei so einem Wetter am Wochenende unternehmen? Vielleicht mal nach Schwammenauel fahren, um zu schauen, ob der Rursee überläuft. Der müsste bei diesem Wetter doch allmählich voll sein.

„Machen Sie es sich zu Hause gemütlich, da gibt es nichts zu sehen“, sagt Joachim Klubert. Er ist beim Wasserverband Eifel-Rur (WVER) mit Sitz in Düren Fachmann für die Talsperren in der Region.

Denn die donnernden Wassermassen im Überlauf neben dem Staudamm waren zwar früher eine Touristenattraktion, heu­te sind sie Geschichte. „Wenn der Rursee überläuft, ist der Abfluss nicht mehr steuerbar“, erklärt der Experte. Also versucht man beim WVER (seit Jahren mit Erfolg), dieses Szenario zu vermeiden.

Beträchtliche Schwankungen

Die Steuerung der Wassermassen war nämlich der Grund, weshalb die Talsperre von 1934 bis 1938 überhaupt gebaut wurde. Bis dahin floss in dem gewundenen Tal nordöstlich von Simmerath gemütlich die Rur. Allerdings nicht immer. Denn je nach Jahreszeit schwankte ihr Wasserstand beträchtlich, was flussabwärts im Raum Düren/Jülich regelmäßig für Überschwemmungen und Ärger sorgte. Umgekehrt waren trockene Sommer für die dortige Landwirtschaft ebenso ein Problem.

Die Hochwasser abzufangen, die sich vor allem im Frühjahr zur Zeit der Schneeschmelze in Eifel und Hohem Venn aus den Nebenflüssen und -bächen in die Rur ergossen, war damals und ist bis heute die Hauptaufgabe der Talsperre. In niederschlagsärmeren Zeiten kann man das Wasser dann dosiert ablassen zuführen und so übers Jahr einen gleichmäßigen Wasserstand der Rur erzielen.

Und deswegen gibt es derzeit am Überlauf trotz der wochenlangen Niederschläge auch nichts zu sehen. Denn der Wasserverband Eifel-Rur lässt die Talsperre im Winter vorsichtshalber nicht ganz volllaufen, sondern zieht beizeiten den Stöpsel.

In Zahlen: Das Fassungsvermögen der Talsperre beträgt 203 Millionen Kubikmeter. (Ein Kubikmeter sind 1000 Liter, macht nach Adam Riese 203.000.000.000 Liter Wasser.) Dieses Volumen nutzt man aber nicht komplett, sondern lässt in jedem Winter eine Sicherheitsreserve von rund einer Million Kubikmetern als Hochwasserschutz, die nicht aufgestaut werden.

Die Talsperre bleibt damit planmäßig zwölf Meter unter der Überlauf-Marke. Nach den Winterniederschlägen und der möglicherweise noch kommenden Schneeschmelze steigt der Wasserspiegel bis auf einen Rest von drei bis fünf Metern unter Stauziel.

Nun hat die Talsperre natürlich keinen Stöpsel, sondern zwei Rohre am Fuß der Staumauer, durch die man das Wasser dosiert in die Rur entlassen kann.

Abgabemenge erhöht

Während hier im Sommer zwischen fünf und sieben Kubikmeter pro Sekunde durchrauschen, hat man die Abgabemenge der Talsperre jetzt vor Weihnachten auf 40 Kubikmeter (40.000 Liter) pro Sekunde erhöht.

Weil man seinerzeit so clever war, auf der Talseite des Staudamms gleich ein Kraftwerk mitzubauen, macht man aus dem Wasser aber erst noch soviel Strom wie möglich, bevor es Richtung Düren und Jülich verschwindet. Das wird wohl auch noch ein paar Tage so bleiben, denn die Hauptzuflüsse des Rursees liefern derzeit reichlich Nachschub. Alleine mit dem Zufluss durch die Rur könnte man die abfließenden 40 Kubikmeter pro Sekunde ausgleichen, hinzu kommen noch die Erkensruhr mit 6,7 Kubikmetern und die Urft mit 25 Kubikmetern pro Sekunde.

Wie viel Wasser wann abgelassen wird, ist beim Wasserverband Eifel/Rur genau festgelegt und wird vom Betriebsstellenleiter in Schwammenauel gesteuert. Der hat in seinem Schieberhaus einen Schaltschrank, von dem aus er per Knopfdruck die Rohrventile in den beiden Ablassrohren steuern kann.

Rohrventile regeln Abfluss

Diese Ventile mit einem Durchmesser von 1,80 Metern bestehen aus einem Kegel im Rohr, über dem ein Zylinder sitzt. Je weiter der Mann am Schaltschrank nun den Zylinder zurückfährt, desto mehr Wasser kann an dem Kegel vorbeiströmen.

Das läuft seit vielen Jahren so planmäßig und kontrolliert, dass sich Talsperren-Experte Joachim Klubert schon gar nicht mehr an den letzten Überlauf in Schwammenauel erinnern kann. Irgendwann in den 80er Jahren müsse das gewesen sein.

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