Widerstandgeist der Kölner in der Nazizeit ist ein Mythos

Von: dpa
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Köln / Dom
Der vermeintliche Widerstandsgeist der Kölner in der Nazizeit ist ein Mythos. Der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer hatte das schmeichelhafte Märchen in die Welt gesetzt. Foto: ddp

Köln. Lange haben sich die Kölner etwas auf ihren vermeintlichen Widerstandsgeist in der Nazizeit zugutegehalten. In den vergangenen Jahrzehnten ist jedoch bereits deutlich geworden: Viel davon stimmt nicht.

Eine neue umfassende Studie mit dem Titel „Köln in der Zeit des Nationalsozialismus” kommt nun zu dem Schluss: Es stimmt gar nichts davon.

„Alles was anderswo passiert ist, ist in Köln auch passiert. Köln macht da keine Ausnahme”, sagte der Autor Prof. Horst Matzerath am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Matzerath, der ehemalige Direktor des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln, gilt als führender Forscher auf dem Gebiet Köln zur NS-Zeit.

Der Mythos von der Kölner Sonderrolle wurde durch den ersten Bundeskanzler und Ur-Kölner Konrad Adenauer begründet, der nach dem Krieg behauptete, so viel Widerstand wie in seiner Heimatstadt habe es sonst nirgendwo gegeben. Matzerath kommt dagegen in seiner Arbeit zu dem Schluss: Es gab Widerstand, aber bedeutender als in anderen Städten war er nicht.

Die Kölner Nationalsozialisten gehörten sogar zu den radikalsten des Reiches. Vor 1933 wurden sie dafür mehrmals von der Münchner Parteizentrale getadelt, weil ihr Vorgehen als taktisch unklug betrachtet wurde. Aus der Kölner Stadtverwaltung und der Kölner Universität wurden die Juden besonders früh ausgeschlossen.

Für komplett falsch hält Matzerath auch die lange verbreitete Vorstellung, Hitler habe das „unangepasste” Köln nicht leiden können: „Hitler hat in seinen Tischgesprächen selbst berichtet, dass ihm die Kölner 1938 den größten Empfang seines Lebens bereitet haben.”

Das Buch, das als zwölfter Band einer umfassenden Kölner Stadtgeschichte erscheint, wurde von der Historischen Gesellschaft Köln finanziert und sollte am Montagabend vorgestellt werden. Präsident der Gesellschaft ist Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD).

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