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Wichtige Bienen: Ganz ohne Stich geht‘s nicht

Von: Markus Bienwald
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Biologe und Imker Bruno Weyers beschäftigt sich nicht nur hobbymäßig mit den Tieren, sondern er züchtet sie auch, um das in der Medizin gefragte Gift herzustellen. Foto: Markus Bienwald
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So sorgt Bruno Weyers für steten Nachschub beispielsweise beim Gift von Bienen oder Wespen.

Region. „Biene Maja ist eigentlich eine Wespe“: Wer das sagt, will entweder die in den Kinderzimmern der Welt lebenden Mitbürger aufklären oder er weiß es einfach. „Nur Wespen sind schwarzgelb – Bienen dagegen grau-bräunlich“, führt Dr. Bruno Weyers als Beweis für diese These an. Und er muss es wissen, nicht nur als Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Würselen.

Der Biologe beschäftigt sich auch beruflich mit den Nützlingen, sorgt mit seinem eigenen Labor für steten Nachschub beispielsweise beim Gift von Bienen oder Wespen. Das im Normalfall weiße Gift ist nicht nur bei den meisten Menschen gefürchtet, weil es durchaus schmerzhafte Erinnerungen an die Begegnung mit einem Insekt bedeuten kann, sondern auch in der Medizin und Wissenschaft sehr gefragt. „Wir brauchen das Gift für Allergietests und zur Desensibilisierung von Allergikern“, sagt Dr. Weyers über seine Arbeit.

Giftmischer

So wird das Gift beispielsweise von Wespen in einem sehr aufwändigen und für die Tiere dennoch sehr schonenden Verfahren gewonnen. Eine künstliche Herstellung ist schon aufgrund des komplexen Bauplanes eines solchen Giftes nahezu unmöglich. „Hinzu kommt, dass jeder Patient auf unterschiedliche Giftkomponenten allergisch reagiert“, beschreibt er das Problem. Derzeit interessieren sich erstaunlich viele Menschen für die Imkerei. Man müsse sich aber darüber im Klaren sein, dass es ganz ohne nicht gehe, so Weyers. „Ohne Stiche“ ist damit gemeint, denn ab und zu kann auch das friedliebendste Volk in einer nicht so ganz entspannten Stimmung schon mal stechen. „Der Schmerz bleibt gleich“, sagt der 55-jährige Familienvater beinahe lächelnd auf die Frage, ob bei den Stichen eine gewisse Gewöhnung da ist. Dennoch geht er fast immer ohne Schutzkleidung zu seinen Bienenvölkern. Tief im heimischen Garten haben einige „Ableger-“ und „Begattungsvölker“ zur Zucht von Königinnen eine Oase der Ruhe, in der sie sich ruhig entfalten können. „Das ist natürlich nicht bei allen Interessenten so“, weiß Weyers, der gemeinsam mit seinen Vereinskollegen einen regelrechten Boom der Imkerei ausgemacht hat. Vor acht Jahren waren es noch unter 20 Vereinsmitglieder, „jetzt sind wir etwa 70“, sagt er nicht ohne Stolz, „allerdings geht das nicht auf mein Konto.“

So sei in den letzten Jahren die Bedeutung der Biene für das gesamte Ökosystem viel mehr ins Bewusstsein der Menschen gerückt, als das früher der Fall war. So werden etwa 80 Prozent der heimischen Blütenpflanzen durch Bienen bestäubt und sichern so im coevolutionären Verbund das Überleben der Flora. „Prinzipiell ginge das auch mit anderen Insekten, aber die verhalten sich nicht dementsprechend“, so Weyers. Das kann nur die Biene. Durch ihre Blütenstetigkeit sucht die Biene Blüten einer Art und besucht sie dann intensiv. Damit bleibt vor der Apfel- oder Kirschernte oder dem verliebten Blick auf eine frisch erblühte Blumenwiese nur der Einsatz von Bienen, die fleißig ihren Nektar und Pollen sammeln. Das wollen nun viele Menschen erleben, die sich als Hobbyimker der Faszination Bienen verschreiben. „Allerdings sorgen die modernen Grundstückszuschnitte da schon einmal für Missverständnisse“, weiß der Experte.

So sind auf den doch manchmal recht kleinen Grünflächen, die nach dem Bau des Eigenheimes auf dem Grundstück übrigbleiben, gerade in dichter besiedelten Baugebieten Bienenvölker nicht immer gerne gesehen. „Dabei tun die absolut nichts“, weiß Weyers, der die Verwechselungsproblematik mit Wespen nur allzu gut kennt. „Bienen sind zum einen Vegetarier, und suchen zum anderen nur nach Blüten – sie besuchen nie eine Kaffeetafel“, unterstreicht der Biologe. Wespen laben sich hingegen nicht nur an fleischlichen Genüssen, beispielsweise beim Grillen, sondern sind für alles Süße offen und werden schnell als lästig empfunden. Dabei sind sie durchaus auch nützlich, weil sie viele Lästlinge und Pflanzenschädlinge vertilgen.

Wer sich allerdings dem Imkern verschreiben will, der braucht keine Grabenkämpfe mit den Nachbarn zu fürchten, schließlich sind Bienen friedliebend und fliegen nur Pflanzen an. „Allerdings sollten die Nachbarn vorher miteinander sprechen, um Missverständnisse auszuräumen“, schließt Weyers. Er selbst nähert sich übrigens am liebsten ohne Schutzkleidung seinen Tieren, wobei der unvermeidliche Smoker leicht qualmend sein Gemisch von Holzspänen verbrennt und den Bienen so ein Stück weitere Gelassenheit einhaucht. Vorsichtig öffnet Dr. Bruno Weyers den Deckel eines Bienenstocks, schneidet mit dem Stockmeißel langsam eine Wabe frei und schaut auf das Getümmel von Bienen.

Von Wabe zu Wabe

Dabei bewegt sich ein Tier mit kleinem roten Punkt auf dem Rücken, die Königin, beständig von Wabe zu Wabe, legt Eier, die wiederum von einer Unzahl von Arbeitsbienen umsorgt werden.

Bei diesem Blick auf die Wabe legt sich ein entspannter Eindruck auf das Gesicht von Imker Weyers, denn genau das gehört zu den Momenten, die er so mag am Imkerdasein. „Das Schöne, die Faszination macht aus, die Tiere kennenzulernen, zu schauen, was sie tun und immer besser zu verstehen, welche enormen Leistungen sie vollbringen“, sagt er. Faszinierend ist auch, dass 50.000 Tiere in der Dunkelheit des Stocks auf engstem Raum zusammenleben, auf vielfältige Art miteinander kommunizieren und ohne zu streiten jede Biene der ihr zugedachten Aufgabe nachgeht. Und wenn dann ab und zu noch ein schönes Glas selbstgeernteter Honig dabei herumkommt, weiß Bruno Weyers, warum es sich lohnt, zu wissen, wie eine Biene so tickt.

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