Aachen - Wer verlässt „Kirche vor Ort”?

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Wer verlässt „Kirche vor Ort”?

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:

Aachen. In beispielloser Schärfe haben Sprecher des zerstrittenen Aktionsbündnisses „Kirche vor Ort” im Bistum Aachen auf „Anschuldigungen” mehrerer Reformgegner reagiert, die fehlende Dialogbereitschaft, die Erwägung von Kirchenaustrittswellen und eine Unterwanderung durch erzkonservative katholische Kräfte angeprangert hatten.

In dem jetzt von den aktuellen Bündnissprechern Franz-Peter Reinartz und Walter Strüder (Herzogenrath) gezeichneten Schreiben ist von „ungeheuerlichen Behauptungen” und „fehlenden Beweisen” die Rede.

Angegriffen werden vor allem vier Mitbegründer des Bündnisses: Hermann Bauer, Anita Zuketto-Debour (St. Gregorius/Aachen), Günter Siebertz und Holger Brantin (St. Martinus/Aachen). Diese hatten vergangene Woche die Notbremse gezogen, weil sie den Abbruch der Verhandlungen mit dem Generalvikariat „für falsch und schädlich” halten.

Generalvikar Manfred von Holtum hatte Gespräche über umstrittene Fusionen und die Reform der Pfarrverwaltungen angeboten. Der Sprecherkreis hingegen wollte mehrheitlich nur über die Umverteilung von Kirchensteuermitteln zugunsten der Pfarren diskutieren. Dies wiederum hatte von Holtum abgelehnt.

Dass die „Kirche vor Ort” daraufhin jegliche Gespräche mit der Bistumsleitung ausschloss und auf den Klageweg vor dem Schiedsgericht setzt, wollen Bauer, Zuketto-Debour, Siebertz und Brantin nicht mitverantworten.

„Wir setzen auf Dialog, um Wege aus der Finanzkrise zu finden. So wie das in der Vergangenheit bereits gelungen war und in den Statuten des Aktionsbündnisses festgeschrieben ist”, sagte Ex-Bündnismitglied Brantin. Für den Sprecherkreis antwortete Strüder: „Um mir nur die Belehrungen des Herrn von Holtum anzuhören, ist mir meine Zeit zu schade.”

Und: „Die Aufforderung, gegebenenfalls auch aus der Kirche auszutreten, war ein Vorschlag von mir, da ich in Anbetracht der rigorosen und jede Rücksichtnahme vermissen lassenden Politik des Bistums eine solche Möglichkeit für sinnvoll hielt, da wir aufgrund der mittelalterlichen Herrschaftsstruktur der Kirche ja nicht die Möglichkeiten des politischen Lebens haben, eine unliebsame Bistumsführung abwählen zu können.” Sein Austrittsvorschlag sei aber nicht mehr aktuell, erklärte Strüder.

Welche weiteren Gemeinden bereits dem Beispiel von St. Martinus und St. Gregorius gefolgt und aus dem Aktionsbündnis ausgetreten sind, das ehemals 110 Pfarren und 260.000 Katholiken vertrat, ist indes unklar. Auf Anfrage unserer Zeitung weigerten sich die Bündnissprecher Franz-Peter Reinartz und Karl-Joseph Begaß (Würselen-Bardenberg), die aktuelle Mitgliederliste zu offenbaren.
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