Wer setzte die tödliche Morphin-Spritze?

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
Ärztin Prozess
Mit einer tödlichen Dosis Morphin soll eine 35-jährige Ärztin ihren 50 Jahre älteren Ehemann getötet haben. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Der Rechtsmediziner Prof. Markus Rothschild (Köln) hat am Montag vor dem Aachener Schwurgericht festgestellt, dass er „keine vernünftigen Zweifel” daran habe, „dass das im Körper des Opfers gefundene Morphin die Todesursache ist.”

Für die Öffentlichkeit ist damit zum ersten Mal in dem spektakulären Mordprozess gegen die junge Assistenzärztin Lydia H. (36) offenbar geworden, dass ihr 50 Jahre älterer Ehemann mit einer erheblich hohen Morphindosis vom Leben zum Tode befördert wurde.

Streit entbrannte am Montag im Gerichtssaal zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung darüber, welche Hand die tödliche Spritze setzte. Lydia H.s Anwalt Reinhard Birkenstock (Köln) streute nach dem Vortrag des rechtsmedizinischen Gutachters eine Möglichkeit ein, die die Unschuld seiner bislang eisern schweigenden Mandantin erklären könne. Der ältere Mann habe nach der Erkenntnis, dass sein „junges Vögelchen” nun flügge und ihm auch direkt entflogen sei, möglicherweise seinen Suizid geplant und schließlich in der Todesnacht zum 19. Februar 2011 auch in die Tat umgesetzt. Dazu referierte Birkenstock diverse Statistiken zur erhöhten Suizid-Gefahr bei älteren Männern.

Im Blut des Rentners, der seiner jungen Ehefrau ein kleines Vermögen von rund 100.000 Euro vermacht hatte, waren mehr als 500 Mikrogramm des Opiates nachgewiesen worden. Eine Dosis, die mehr als fünf handelsüblichen Ampullen des zumeist im Endstadium von Tumorerkrankungen benutzten Schmerzmittels entspreche.

Sicher, das Herz des alten Mannes sei nicht gut gewesen, es existierte ebenso eine Lungenerweiterung wie ein Aneurysma (Ausbeulung) einer Schlagader. Das seien in der Tat „konkurrierende” Todesursachen, berichtete der Rechtsmediziner. Letztlich habe jedoch die „harte” Variante Morphin zum Atemstillstand geführt. Die Überdosis müsse verabreicht worden sein, als Hermann H. noch lebte. Denn das Morphin war sowohl als Stoffwechselprodukt wie in reiner Form im Blut nachgewiesen worden. Somit undenkbar also, dass es erst nach einer „natürlichen” Todesursache wie einem Herzversagen verabreicht wurde. Angesichts der Dosis komme auch eine regelmäßige Gabe als Tablette nicht in Frage.

Rothschild gab die Wirkungszeit bis zum Todeseintritt in jener Nacht mit „fünf bis 15 Minuten” an. Der Notarzt hatte bei dem 85-Jährigen eigentlich wegen auffälliger Blutspuren in den Haaren eine Obduktion angeordnet. Die Spuren resultierten jedoch nur aus einem Nasenbluten, das durch die Lage des Leichnams zu Stande gekommen war.

Im zweiten Gutachten des Prozesstages sah die psychiatrische Gutachterin Konstanze Jankowski keine Gründe, die eine Schuldfähigkeit der angeklagten Ärztin gemindert hätten. In der Aachener Klinik war eine sogenannte Bor­derlinesymptomatik festgestellt worden, die die Psychiaterin nicht bestätigte. Der Prozess geht Montag weiter.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert