Aachen/Köln - Wer den Bachelorabschluss nicht will, muss gehen

Wer den Bachelorabschluss nicht will, muss gehen

Von: Sarah Maria Berners und Sarah Sillius
Letzte Aktualisierung:
Studiengangwechsel oder Exmatr
Studiengangwechsel oder Exmatrikulation? Im Studiensekretariat im Super C wird diese Frage gestellt. Foto: Michael Jaspers

Aachen/Köln. Zwangsexmatrikulation - das Wort klingt bedrohlich und macht derzeit die Runde. Genauso rund gehen Geschichten von Studenten, die nichtsahnend plötzlich ohne Studienplatz da stehen, und sich vom Diplom- oder Magisterabschluss verabschieden müssen.

Ganz so übel, wie man vermuten mag, wird den Studenten dann aber doch nicht mitgespielt. Die Zwangsexmatrikulation ist kein Rausschmiss ohne Vorwarnung. „Die Exmatrikulation muss absolute Ausnahme bleiben und darf nur zum Tragen kommen, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft wurden”, sagt Dennis Neffgen vom Allgemeinen Studierendenausschuss (ASTA) der RWTH.

Als die Hochschule 2005 begonnen hat, auf die Bachelor- und Masterstudiengänge umzustellen, wurde in den Prüfungsordnungen festgeschrieben, wie lange Studenten, die sich noch für Diplom- oder Magisterstudiengänge eingeschrieben haben, ihre Prüfungen ablegen können. „Sie hatten mindestens die Regelstudienzeit plus vier Semester Zeit, um ihre Zwischenprüfung oder ihr Vordiplom zu absolvieren”, sagt Kurt Kinny, Leiter des Studierendensekretariates der RWTH. Die Anzahl der Puffer-Semester haben die Fachbereiche individuell festgelegt. Wer seine Prüfung bis dahin nicht schafft, kann in den Bachelorstudiengang wechseln und sich seine bisherigen Leistungen anrechnen lassen. Tut er das nicht rechtzeitig, bekommt er den Exmatrikulationsbescheid.

Das ist im Sommersemester 2010 an der RWTH erstmals passiert. Im vergangenen Wintersemester mussten rund 250 Personen gehen, die ihr Vordiplom nicht rechtzeitig geschafft hatten. Derzeit sind an der RWTH rund 9000 Studierende in auslaufenden Diplom- oder Magisterstudiengängen eingeschrieben. An der FH-Aachen seien nur ein bis zwei von 9500 Studenten von der Zwangsexmatrikulation betroffen, schätzt die FH-Pressestelle. Alle Studenten in auslaufenden Studiengängen seien zwei Semester vorher angeschrieben worden, sagt Kinny. Man habe sie informiert, ihnen eine Beratung und den Wechsel in den Bachelor-Studiengang angeboten. Die FH verfuhr ähnlich.

„Wer dann noch verblieben ist, der musste zwangsexmatrikuliert werden”, sagt Kinny. So sei es in der Prüfungsordnung vorgegeben. Die meisten Exmatrikulierten hätten nicht ernsthaft studiert, seien wegen des Semestertickets eingeschrieben gewesen - „oder sie sind zu spät wachgeworden”. Den Wirbel um das Thema kann Kinny nur begrenzt nachvollziehen: „Wir sind doch bestrebt, unsere Studenten zum Abschluss zu bringen. Aber wir müssen die rechtlichen Vorgaben umsetzen.”

Mit Platz schaffen für neue Studenten hätten die Zwangsexmatrikulationen, das betont Kinny, nichts zu tun. Man könne eben nicht dauerhaft Parallelstrukturen für die neuen und die alten Abschlüsse aufrechterhalten. Gleichwohl betont Prorektor und Mathe-Professor Aloys Krieg, dass man schon jetzt zu 114 Prozent ausgelastet sei. Man brauche die Plätze der Studenten, die nicht ernsthaft studieren und dennoch Plätze belegen würden - gerade mit Hinblick auf die doppelten Abiturjahrgänge. Eine zweite Welle von Zwangsexmatrikulationen steht zum Sommersemester 2013 an. Dann können in den ersten Studiengängen zum letzten Mal Diplomprüfungen abgelegt werden. Der Wechsel ist dann nicht mehr ohne Weiteres möglich. „Es sei denn, es greifen Ausnahmeregelungen”, sagt Kinny. Zum Beispiel nach Krankheiten.

In welchen Fachbereichen es die meisten Langzeitstudenten gibt, kann Kinny nicht sagen. An der Uni Köln ist laut „Spiegel Online” der Großteil der „Bummelstudenten” an der Philosophischen Fakultät angesiedelt. Dort wurden nach Angaben des Magazins 32 Studenten exmatrikuliert. Der dortige ASTA kritisiert die Zwangsexmatrikulation als Mittel zur Durchsetzung der neuen Studiengänge und spricht von verfehlter Bildungspolitik.

„Der ASTA der RWTH sieht die persönlichen Schicksale betroffener Studenten als Kern des Problems”, sagt Neffgen, „und damit die Hauptaufgabe in der individuellen Beratung und nicht darin, das Rad der Zeit zurückzudrehen.”

Wie „Spiegel Online” berichtet, haben in Frankfurt mehrere Betroffene angekündigt, juristisch gegen die Exmatrikulation vorzugehen. „In Aachen hat es so einen Fall schon gegeben”, sagt Kinny. „Und der Kläger hat verloren.”

ASTA Köln: Zu wenig Zeit für Lehramtsstudenten

Mit enormem Zeitdruck werden laut Allgemeinem Studierendenausschusses (ASTA) der Universität zu Köln Lehramtsstudenten konfrontiert, die noch in den alten Lehramtsstudiengängen begonnen haben. Wer sein Studium nicht spätestens vier Semester nach Ablauf der Regelstudienzeit beendet hat, werde exmatrikuliert. Nach Angabe des ASTA sei diese Zeitvorgabe unrealistisch. Die Studierendenvertreter fordern das Ministerium auf, die Frist über das Wintersemester 2017/2018 hinaus zu verlängern.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert