Köln - Wenn im Wohnzimmer Setzrisse die Gemüter erhitzen

Wenn im Wohnzimmer Setzrisse die Gemüter erhitzen

Von: Berthold Strauch
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Köln. Gero Debusmann ist jemand, der gern und nachdrücklich seine Unabhängigkeit betont. Sie stecke bei ihm sozusagen „in den Genen”, sagt er und lächelt.

Kein Wunder, war der Jurist doch lange Jahre Präsident des größten Oberlandesgerichts Deutschlands in Hamm. Nun, nach seiner Pensionierung, hat der 68-Jährige zu seiner neuen Bestimmung gefunden, bei der er gut seine Erfahrungen als Richter einbringen kann.

Debusmann leitet die Anrufungsstellen in NRW, die sich mit den Auswirkungen der Kohleförderung auseinandersetzen: Bergschäden durch die Steinkohlezechen des Ruhrgebiets, im früheren Aachener Revier und in den rheinischen Revieren der Braunkohle sind sein Metier. Nun zog Debusmann im Kölner Regierungspräsidium, wo seine Braunkohle-Anrufungsstelle angesiedelt ist, Bilanz.

Mindestens einmal im Monat setzt Debusmann einen Schlichtungstermin auf die Tagesordnung. Am liebsten ist ihm dabei, „dass wir uns vor Ort bei den Betroffenen treffen”. Er nennt es „Inaugenscheinnahme” - wenn möglich im Wohnzimmer derjenigen Bürger, die Risse und weitergehende Schäden an ihren Häusern reklamieren und dafür dem Bergbautreibenden die Schuld geben. Diese besondere Nähe „erleichtert die Kommunikation”, ist Debusmann überzeugt.

Im vergangenen Jahr ist die Anrufungsstelle mit 40 Anträgen konfrontiert worden. Davon sind bereits zwölf Verfahren abgeschlossen, 18 stecken mitten in der Bearbeitung, zehn Anträge liegen noch auf Halde. Erst im Herbst 2010 ist die Stelle für Braunkohle-Bergschäden ins Leben gerufen worden. Und immer mehr spricht sie sich bei den Betroffenen herum.

Bis zum Frühlingsbeginn dieses Jahres lagen bereits zehn neue Briefe mit der Bitte um Prüfung bei Debusmann und Vera Müller, die in Köln die Geschäftsstelle (Kontakt: Telefon 0221/147-2500) leitet, auf dem Tisch. „Wir versuchen, die Bearbeitung zu beschleunigen”, sagt der ehemalige Richter.

Niemand soll zu lange warten auf ein Ergebnis, wer für die Schäden verantwortlich ist - und letztlich, wenn sich der Verdacht bestätigt, auch nicht auf einen „finanziellen Ausgleich”.

Er räumt ein, dass zu Beginn seiner Arbeit schon mal der Verdacht geäußert worden sei, dass er „zu nahe am Bergbautreibenden” stehe. Doch solche Bedenken seien längst ausgeräumt, ist er überzeugt. Wobei sich die Parteien jetzt noch gelegentlich etwas in die Haare gerieten, sei die Frage, ob die Sachverständigen, die zur Durchleuchtung der Schäden hinzugezogen werden und von denen es nicht so sehr viele gebe, gleichfalls als neutral einzuschätzen seien.

Doch auch er bekennt offen: „Kein Modell und kein Techniker kann wirklich erklären, was unter der Erde vor sich geht.” Einige „Geheimnisse” blieben zurück. So betont er, dass aus seinem Blickwinkel „die Gesprächsatmosophäre zwischen den Parteien gut” sei, was auch für die Mitwirkung der Verbände der Bergbaugeschädigten gelte.

Debusmann: „Die Schlichtung lebt davon zu vermitteln. Wenn sie das nicht kann, kann sie ihre Arbeit einstellen.” Und er scheut sich auch nicht, wenn eine Seite partout auf ihren Bedenken zur angeblich fehlenden Neutralität von Gutachtern beharrt, auch mal einen Bergbauexperten aus der Lausitz, dem östlichen Rand der Republik, zu holen, um „Betriebsferne” zu dokumentieren.

„Wir sind in unseren Entscheidungen völlig frei” - wie eben früher, als er noch Richter in Hamm war.
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