Hürtgenwald - Wenn es brennt, löscht die Verwaltung

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Wenn es brennt, löscht die Verwaltung

Von: Stephan Johnen und Claudia Schweda
Letzte Aktualisierung:
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Vor einem Jahr haben sich 16 Mitarbeiter aus Verwaltung und Bauhof der Gemeinde Hürtgenwald freiwillig gemeldet, um sich zu Feuerwehrmännern ausbilden zu lassen. Der Startschuss fiel im Gerätehaus der Löschgruppe Gey. Foto: Stephan Johnen
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Mittlerweile absolviert die „Löschgruppe Verwaltung“ das letzte Ausbildungsmodul. An drei Einsätzen war der Trupp schon beteiligt.

Hürtgenwald. Wenn es brennt, rückt die Feuerwehr aus. Soweit die Theorie. Die praktische Umsetzung allerdings hat vielen Menschen in der Gemeinde Hürtgenwald Kopfschmerzen bereitet. „Wir haben nicht zu wenig Leute. Sie sind nur zu den falschen Zeiten vor Ort“, sagt Gemeindebrandinspektor Walter Kurth.

Damit umreißt er ein Problem, das die Eifelgemeinde mit anderen ländlichen Flächengemeinden teilt: Werktags sind zwischen 8 und 16 Uhr viele Ehrenamtler bei Arbeitgebern außerhalb des Gemeindegebiets im Einsatz. Konsequenz: Es wird immer schwerer, zu den üblichen Arbeitszeiten in acht Minuten nach Eingang des Notrufes zehn Einsatzkräfte vor Ort zu haben, wie es die technische Regel verlangt.

Nach Einschätzung des Feuerwehrverbandes NRW ist diese sogenannte Tagesverfügbarkeit noch kein flächendeckendes Pro­blem in NRW. „Die Zahl derjenigen, die davon betroffen sind, nimmt aber stetig zu“, sagt Christoph Schöneborn, Sprecher des Verbandes. Massiv festgestellt wird das Problem in Gemeinden wie Hürtgenwald, die über eine große Fläche zerfasert sind, ohne bemerkenswerte Industrie oder Gewerbe.

Doch was tun, damit auch dort in Zukunft genug Feuerwehrleute ausrücken, wenn es vor Feierabend brennt? Wehrleitung, Ordnungsamt und Bürgermeister haben im Rathaus die Antwort gefunden: Vor einem Jahr haben 16 Mitarbeiter der Verwaltung und des Bauhofs freiwillig mit einer Ausbildung zum Feuerwehrmann begonnen. Derzeit absolvieren sie das letzte Modul ihrer Grundausbildung.

Theorie und Praxis werden ihnen während der Dienstzeit vermittelt – von Ausbildern, die dies in ihrer Freizeit tun. Das Hürtgenwalder Beispiel könne ein Modell der Zukunft sein, heißt es aus dem Amt für Feuerschutz und Rettungswesen des Kreises Düren.

Der Feuerwehrverband fordert genau dieses Engagement. Die Kommunen seien in der Pflicht, mit gutem Beispiel voranzugehen. Das neue Feuerschutzgesetz sei in der Mache. 2014 soll es beschlossen werden. Nach Überzeugung des Feuerwehrverbandes sollte dort zwingend festgeschrieben werden, dass freiwillige Feuerwehrleute in den Verwaltungen bevorzugt eingestellt werden, um damit die Tagesverfügbarkeit bei Einsätzen zu stärken.

Hürtgenwald geht zwar den umgekehrten Weg, kommt am Ende aber zum gleichen Ergebnis: einer eigenen Löschgruppe. „Ich investiere viel lieber einige Tage in eine Fortbildung der Mitarbeiter zum Schutz der Bevölkerung, als in naher Zukunft mit einem größeren Personalmangel bei den Tageseinsätzen konfrontiert zu sein“, betont Bürgermeister Axel Buch. Seine Rechnung: Sollte die Wehr innerhalb der vorgeschriebenen Zeiten nicht vor Ort sein, müsse die Gemeinde den Brandschutz mit einer Berufsfeuerwehr sicherstellen. Das ist vor allem eins: unbezahlbar. Kostenpunkt: etwa 1,5 bis zwei Millionen Euro, nur für das Personal.

„Es war ein Experiment. Und ich bin davon überzeugt, dass es funktioniert“, sagt Wehrleiter Walter Kurth. Drei Einsätze hätte die „Löschgruppe Verwaltung“ schon gehabt, mittlerweile parkt ein eigenes Mannschaftsfahrzeug vor dem Rathaus, im Keller gibt es Umkleiden und Spinde. Die Mitarbeiter des Bauhofs haben ihre Feuerwehrausrüstung immer dabei, wenn sie im Gemeindegebiet unterwegs sind. „Das Zusammenspiel mit den Kameraden hat bei Einsätzen und Übungen sehr gut funktioniert“, findet Kurth. Alarmiert wird diese Löschgruppe allerdings nur während der Dienstzeit.

Wird damit nicht eine Zwei-Klassen-Feuerwehr in der Gemeinde geschaffen? Die einen Einsatzkräfte rücken rund um die Uhr aus, die anderen von 8 bis 16 Uhr? Der Wehrleiter räumt diesen Bedenken keinen allzu großen Stellenwert ein. Letztlich nütze das Projekt der gesamten Feuerwehr in der Gemeinde. Ein Mitglied des Trupps sei auch schon Mitglied einer regulären Löschgruppe geworden. „Ich würde mich freuen, wenn dies kein Einzelfall bleibt.“

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