Wenn die Polizei gegen städtische „Sheriffs” einschreitet

Von: Oliver Schmetz
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Aachen. Diese Partnerschaft war nicht in Ordnung - das jedenfalls war der Eindruck mehrerer Polizisten von einer gemeinsamen Drogenrazzia mit städtischen Vollzugsbeamten am Aachener Kaiserplatz.

Denn zwei Vertreter des Ordnungsamts gingen laut Darstellung der Polizeibeamten dabei mit „völlig unangemessener Brutalität” gegen eine Drogenabhängige vor, wodurch die „Ordnungspartnerschaft” zwischen Stadt und Polizei in einer Strafanzeige mündete.

Nicht nur das: Während des Einsatzes im April 2008 gerieten die Partner derart aneinander, dass die Polizeibeamten den städtischen „Kollegen”, im Volksmund auch „schwarze Sheriffs” genannt, schließlich sogar polizeiliche Maßnahmen androhten.

Seit Donnerstag sitzen die beiden Mitarbeiter des Ordnungsamts im Aachener Amtsgericht auf der Anklagebank. „Gefährliche Körperverletzung im Amt” lautet der Vorwurf, der noch einer dritten städtischen Sicherheitskraft gilt.

Mit diesem Kollegen war einer der beiden ersten Beschuldigten im Mai vorigen Jahres auch bei der Kontrolle eines Straßenmusikanten am Fischmarkt auffällig geworden - sehr zum Ärger mehrerer Bürger, die den Vorfall von der Terrasse eines Straßenlokals beobachteten. Einer von ihnen, ein Rechtsanwalt, erstattete danach Anzeige.

„Ich bin mit so etwas nicht schnell dabei, aber das wollte ich nicht hinnehmen”, erklärte der 72-Jährige im Zeugenstand.

„Völlig überzogen” seien die Ordnungskräfte mit dem Akkordeonspieler, der ohne Genehmigung auf dem Platz musizierte, umgesprungen. Zweimal hätte einer der beiden den Musikanten gegen den Einsatzwagen geschmissen - „das Auto wackelte richtig”.

Außerdem habe man dem Mann, der sich kaum gewehrt habe, „die Beine weggetreten”, ehe man ihn gefesselt abtransportierte. „So behandelt man keine Menschen”, erklärte ein weiterer Zeuge, der den Vorfall beobachtet hatte: „Das ist eine Schande für die Stadt Aachen.”

Der in beiden Fällen beschuldigte Ordnungsbeamte, ein 44-jähriger Familienvater, wies die Vorwürfe zurück. Er habe den Straßenmusiker, der auch sein Akkordeon nicht beschlagnahmen lassen wollte, auf den drohenden „unmittelbaren Zwang” hingewiesen, sagte er zwar.

Doch soll der Zwang dann recht sanft gewesen sein: Er habe den Mann bloß „gegen das Fahrzeug gedrückt”, woraufhin dieser „beim Versuch sich loszureißen hinfiel”.

Um den Musiker ins Auto zu bugsieren, habe er ihm das eigene Knie „in die Kniekehle gedrückt”. Überdies sei der Mann, den Zeugen vor Gericht als „Hänfling” bezeichneten, als renitent und gewalttätig bekannt gewesen, so der Angeklagte.

Auch ihr Vorgehen am Kaiserplatz einen Monat vorher schildern der 44-Jährige und sein beteiligter 40-jähriger Vorgesetzter als moderat. Er habe die drogensüchtige Frau, die ihn immer wieder bedrängt habe, nur „leicht weggedrückt”, worauf diese dann „ein wenig gestolpert” sei, so der 40-Jährige.

Danach habe die Frau ihn übel beleidigt, unter anderem als „Nazischwein”, weswegen er und sein Kollege sie zur Feststellung der Personalien aufhalten wollten. Nur nach ihrer Kapuze habe der Kollege gegriffen - „dabei ist sie zu Boden gegangen, aber sofort wieder aufgestanden”.

Danach suchte die Frau bei mehreren Polizeibeamten Schutz - die den Hergang ganz anders schildern. „An den Haaren” sei die Drogensüchtige von beiden Mitarbeitern des Ordnungsamts „zu Boden gerissen” und in Richtung Kaiserplatz-Wache „gezerrt” worden, ehe die Polizei dazwischen gegangen sei.

„Ich kann mir keinen Grund für dieses Vorgehen denken”, erklärte der Polizist, der die Ordnungspartner danach anzeigte. „Für mich waren das Körperverletzung, Nötigung und Freiheitsberaubung.”

Das Ansinnen der Beschuldigten, die Personalien der Frau festzustellen, sei im Übrigen unsinnig gewesen. „Wir hatten ihre Daten”, berichtete der Polizist, „und das haben wir den beiden mehrfach laut und deutlich gesagt, aber die wollten gar nicht mit uns reden.”

Nicht vor der versammelten Drogenszene habe er mit der Polizei diskutieren wollen, hatte einer der Angeklagten zuvor ausgesagt - auch die Kommunikation untereinander war offenbar in der Ordnungspartnerschaft an diesem Abend nicht in Ordnung.

Der Prozess wird im November fortgesetzt. Dann sollen - wenn möglich - auch die vermeintlichen Opfer gehört werden.
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