Weltraum-Frachtflug wird in Köln simuliert

Von: Markus Peters, dapd
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Raumstation Köln
ESA-Astronaut Frank de Winne, erster europäischer Kommandant der Internationalen Raumstation (ISS), posiert in Köln im Europäischen Astronautenzentrum (EAC) der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). Foto: dpa

Köln. Stöckelschuhe im Raumschiff - das geht gar nicht, auch wenn es sich nur um einen Simulator handelt. Der Highheelverbot-Aufkleber am originalgroßen Nachbau des Raumtransporters ATV 2 „Johannes Kepler” ist nicht zu übersehen.

In der Kölner Astronauten-Trainingshalle der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) üben zukünftige Weltraumwissenschaftler wieder und wieder das Be- und Entladen des unbemannten Transporters - denn davon wird einmal der Erfolg ihrer Mission abhängen. Mit dem Astronautentrainingszentrum hat Köln eine Schlüsselposition in dem europaweiten ESA-Netzwerk. Und das soll sich auch für die Kepler-Mission auszahlen.

Bislang schwerstes Raumschiff der ESA

„Das ATV (Automated Transfer Vehicle) ist einer der wesentlichen europäischen Beiträge zur ISS”, erklärte Missionsdirektor Kris Capelle am Mittwoch in Köln. Voraussichtlich am 15. Februar wird die „Johannes Kepler” an Bord einer Ariane-5-Rakete vom Weltraumbahnhof in Kourou zur Internationalen Raumstation ISS starten. Weitgehend automatisch gesteuert wird das Kepler-Modul an die ISS andocken und für die kommenden rund 100 Tage ein Teil des Weltraumlabors sein. Hans Peter Leiseifer, bei der ATV Mission zuständig für die Technik, weiß: „Es ist die bislang anspruchsvollste Mission, die wir zu bewältigen hatten.” So ist die „Johannes Kepler” mit über 20 Tonnen Gewicht das schwerste Raumschiff, das die ESA jemals ins Weltall gebracht hat.

Entsprechend groß ist die Spannung im abgeschotteten Kölner ESA-Zentrum, wo die Organisation ihre Astronauten und viele Wissenschaftler zusammengezogen hat. Auch wenn Leiseifer von der guten internationalen Zusammenarbeit zwischen Europa, Asien, Russland und den USA schwärmt, geht es natürlich darum, wer bei der Zukunft des ISS die Weichen stellen kann. Das wird auch in den zahlreichen hochspezialisierten Unternehmen aufmerksam beobachtet, die sich im Rheinland rund um die ESA und das benachbarte Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) angesiedelt haben. Der Flug der Raumtransporters ist also auch strategisch wichtig.

Das ATV wird die derzeit sechsköpfige Besatzung der ISS mit Lebensmitteln, Sauerstoff und Ersatzteilen versorgen. Gleichzeitig nimmt sie Schmutzwasser und Abfälle der Weltraumstation mit. Zudem hält sie die ISS auf Höhe, denn durch die Reibung an der Restatmosphäre sinkt die Station jeden Tag zwischen 50 und 150 Meter ab. Kontrollierte Schübe aus den Antrieben des ATV gleichen diesen Verlust aus.

Mission Johannes Kepler kostet 450 Millionen Euro

Voraussichtlich am 4. Juni wird „Johannes Kepler” wieder von der ISS abdocken. Kurz darauf wird der Transporter beim Eintreten in die Erdatmosphäre weitgehend verglühen, nur wenige größere Trümmerteile sollen im Südpazifik niedergehen.

Die Kosten der gesamten Mission werden von der ESA mit 450 Millionen Euro angegeben - ohne die Entwicklungskosten. „Davon entfallen 230 Millionen Euro auf den Transporter, 150 Millionen Euro auf den Start und 70 Millionen Euro auf die Betriebskosten”, erläutert Hans Peter Leiseifer. Das sei immer noch billiger als eine Mission mit einem wiederverwendbaren Raumtransporter.

Insgesamt sind fünf ATV-Missionen vorgesehen. Mindestens bis zum Jahr 2020 soll in der ISS geforscht werden, womöglich noch länger. Das ist ein auch eine Perspektive für die ATV aus Europa und die rund 90 Forscher bei der ESA in Köln. „Wir müssen bei der Weltraumforschung in Dekaden denken”, betont ESA-Ingenieur Hans Peter Leiseifer. Deshalb gibt es bei der ESA auch schon Überlegungen, die Nachfolger der „Johannes Kepler” als Frachttaxis bei zukünftigen Mond- oder Mars-Missionen einzusetzen.
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