Aachen - Webcam-Hacker: Bislang deutet nichts auf sexuelle Motive

Webcam-Hacker: Bislang deutet nichts auf sexuelle Motive

Von: cs
Letzte Aktualisierung:
Robert Deller,
Oberstaatsanwalt Robert Deller.

Aachen. 150 Mädchen soll ein Hacker aus der Region Aachen mittels manipulierter Webcams ausspioniert haben. Aber welche Absicht verfolgte der Täter? Sie muss nicht zwangsläufig sexueller Natur sein, sagt der Aachener Oberstaatsanwalt Robert Deller im Interview.

Herr Deller, umgangssprachlich möchte man den Hacker, der Mädchen über von ihm manipulierte Webcams beobachtet hat, einen Spanner nennen. Sie ermitteln aber wegen Ausspähens von Daten. Erklären Sie mir diese Lücke zwischen dem Bauchgefühl und dem, was Sie tun?

Deller: Das, was der Mann getan haben soll, mag ein gewisses Geschmäckle haben, weil man sich natürlich fragt, was soll das Ganze? Aber wir haben zurzeit keinen Anhaltspunkt dafür, dass sein Handeln in den Bereich einer Sexualstraftat abdriftet, was allerdings nicht völlig ausgeschlossen erscheint. Solange wir aber keine konkreten Anhaltspunkte für einen bestimmten Sachverhalt haben, können wir nicht spekulieren. Soweit die sichergestellten Dateien ausgewertet sind, zeigen sie kein einziges Foto mit einem nackten Mädchen.

Wo, wenn nicht im sexuellen Bereich, könnte denn das Motiv des 44-Jährigen zu suchen sein?

Deller: Wir stehen ganz am Anfang der Ermittlungen. Der Tatverdächtige selbst äußert sich nicht. Uns fehlt deswegen ein plausibler Grund für das Anfertigen der Fotos von den Mädchen. Vielleicht ergeben die Ermittlungen am Ende, dass der Mann den Mädchen per E-Mail gedroht hat, ihre Fotos in Facebook oder Schüler-VZ zu veröffentlichen, wenn sie ihm nicht 150 Euro zahlen. Dann wären seine Tatmotive in keiner Form sexueller Natur.

Führen die ersten Aussagen von Opfern in diese Richtung: Erpressung?

Deller: Sie müssen verstehen, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt keine Angaben zu den Inhalten der Zeugenaussagen mache. Unabhängig von dem aktuellen Fall mit beobachteten Mädchen möchte ich aber einmal betonen, dass auch wir Aachener Staatsanwälte strafrechtlich relevante Szenarien aufgrund von Trojanern bislang nur aus Computerzeitschriften kannten. Plötzlich sehen wir uns in dieser nicht gerade großen Staatsanwaltschaft mit diesem Fall konfrontiert. Das ist schon in gewisser Weise erschreckend.
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