WDR stellt den „Ü-Wagen” in die Garage

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Köln. Nach über 35 Jahren stellt der WDR zum Jahresende seine Kultsendung „Hallo Ü-Wagen” ein. Der wöchentliche Radio-Klassiker sei nicht mehr zeitgemäß, teilte der Sender am Donnerstag mit.

„Die Sendung Hallo Ü-Wagen hat bei ihrer Gründung Maßstäbe gesetzt. Sie ist so etwas wie die Mutter aller Radiosendungen mit Publikumsbeteiligung”, sagte WDR-5-Programmchef Florian Quecke. Die Moderatoren Carmen Thomas und zuletzt Julitta Münch hatten die Sendung zu einem Markenzeichen des WDR Radios gemacht.

„Hallo Ü-Wagen” war am 5. Dezember 1974 auf WDR 2 gestartet. Dabei schickte der Sender einen Übertragungswagen in einen Ort im Sendegebiet, wo Hörer live mit den Moderatoren und Experten über aktuelle oder zeitlose Themen diskutieren konnten. 1995 wechselte die Sendung zum neu gegründeten Wortprogramm WDR 5. Thomas hatte die Sendung mitentwickelt und von 1974 bis 1994 moderiert. Sendungen mit Themen wie „Urin - ein ganz besonderer Saft” oder „Berührungsängste? Vom Umgang mit der Leiche” gelten bis heute als Meilensteine des Mitmach-Radios. Bei besonders kontroversen Themen erreichten über 1000 Hörerbriefe den Sender.

Inzwischen gebe es aber eine Vielzahl von interaktiven Programmangeboten, bei denen Hörer ihre Meinung äußern können, sagte Quecke. Als zweistündige Sendung vor Ort am Samstagmorgen sei „Hallo Ü-Wagen” deswegen nicht mehr zeitgemäß. „Zahlreiche Voraussetzungen, die es aus Sicht des WDR über Jahre hinweg rechtfertigten, an der finanziell aufwendigen und personalintensiven Sendung festzuhalten, sind heute nicht mehr oder nur noch eingeschränkt gegeben”, erklärte Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz.

Zum einen sei die Publikumsbeteiligung vor Ort seit Jahren rückläufig; zum anderen seien Sendungen mit Hörerbeteiligung heute nichts Besonderes mehr. Schließlich habe auch das Internet die Möglichkeiten der direkten Kommunikation zwischen Hörern und Programmmachern erheblich erweitert. Das Interesse an der Sendung und die Hörerzahlen von „Hallo Ü-Wagen” seien daher in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Über die Einstellung der Sendung war seit Monaten spekuliert worden.

Die WDR-Rundfunkratsvorsitzende Ruth Hieronymi hatte „Hallo Ü-Wagen” als Identifikationsformat bezeichnet. Als Ersatz für „Hallo Ü-Wagen” plant WDR 5 ab Anfang 2011 am Samstag ein zweistündiges Magazin, das die Wochenendstimmung der Hörer aufnimmt. Vorgesehen sind Informationen, Kabarett- und Servicebeiträge und Formen der Hörerbeteiligung. Die Marke „Hallo Ü-Wagen” soll erhalten bleiben und für Sondersendungen genutzt werden, um dem Publikum „bei besonders gesprächswertigen Themen ein öffentliches Forum zu bieten”, hieß es.
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