Aachen/Köln - WDR reduziert die lokale Berichterstattung

WDR reduziert die lokale Berichterstattung

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
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Aachen/Köln. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) wird seine lokale Berichterstattung im Hörfunk reduzieren. Entsprechende Informationen unserer Zeitung bestätigte der WDR auf Anfrage.

Die regionalen und lokalen Berichte, die werktags hinter allen zwischen 6.30 und 17.30 Uhr gesendeten Nachrichten zur halben Stunde folgen, werden voraussichtlich zum Jahreswechsel eingeschränkt. WDR-Sprecher Uwe-Jens Lindner sprach von einer „Weiterentwicklung und Verbesserung” des regionalen Programmes; tatsächlich sollen in Nordrhein-Westfalen wöchentlich sechs Stunden weniger regionale und lokale Nachrichten von den elf WDR-Studios produziert werden als bislang.

Einzelne Studios sollen dabei laut WDR aber weder geschlossen noch fusioniert werden, auch das Studio Aachen bleibt bestehen. Lindner sagte, „das Ziel der Reform ist nicht eine Kostenreduzierung, sondern eine Qualitätssteigerung”. Vor allem sollen die reinen Nachrichten zum Teil durch andere journalistische Formen wie Feature oder Reportage ersetzt werden, die Berichterstattung, so stellt es sich der WDR vor, soll bunter werden, „mehr Service und Nähe (Lebensgefühl)” soll transportiert werden, wie es in einem internen Schreiben von Hörfunkdirektor Wolfgang Schmitz heißt, das unserer Zeitung vorliegt.

Sparauftrag: 120 Millionen Euro

Die Lokalnachrichten werden werktags künftig nur noch zwischen 6.30 und 9.30 Uhr und an vier Zeitpunkten am Nachmittag gesendet. Offiziell erklärte der WDR, eine Arbeitsgruppe sei noch damit befasst zu überlegen, in welchen weiteren Programmteilen von WDR 2 und anderen Wellen der lokalen und regionalen Berichterstattung Platz eingeräumt werden könnte.

Zwar soll die Reform des WDR-Hörfunks keine Stellen kosten. Andererseits aber wünscht sich Hörfunkdirektor Schmitz in besagtem Schreiben, dass die festangestellten WDR-Redakteure wieder vermehrt selbst journalistisch tätig werden und mehr Beiträge selbst produzieren anstatt sie produzieren zu lassen. Das ginge dann möglicherweise aber zu Lasten der freien Mitarbeiter, von denen allein in Aachen und Umgebung etwa 40 für WDR-Hörfunk und/oder -Fernsehen tätig sind. Die Leiterin des Studio Aachen, Bettina Feldhaus, wollte auf Anfrage dazu keinerlei Stellung beziehen.

Ein Hintergrund der Reform des Hörfunkprogramms, glauben Kritiker, könnte sein, dass der WDR in den nächsten fünf Jahren etwa 120 Millionen Euro einsparen soll. Das ist ein Folge vor allem sinkender Gebühreneinnahmen. Der WDR will nach Informationen unserer Zeitung in einer eigens in Auftrag gegebenen Umfrage ermittelt haben, dass die Hörer die Lokal- und Regional-Nachrichten in ihrer bisherigen Form ohnehin kaum wahrnehmen. Es gibt aber Kritiker, die an den Ergebnissen der Umfrage zweifeln und in ihnen eher die Legitimation für zukünftige Kürzungen in der lokalen und regionalen Berichterstattung sehen. „Die jetzige Reform könnte der Anfang vom späteren Ende der lokalen Berichterstattung sein”, sagte ein WDR-Insider im Gespräch mit unserer Zeitung.
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