Heimbach - Warum Holländer auf dem Rursee nur selten segeln

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Warum Holländer auf dem Rursee nur selten segeln

Von: Gudrun Klinkhammer
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Warum ist auf dem Rursee verboten, was auf Rhein, Mosel und dem Biggesee erlaubt ist? Günter Becker versteht nicht, dass er seine kleinen Segelboote nicht an Menschen verleihen darf, die zwar hervorragend segeln können, aber keinen Segelschein haben. Foto: Gudrun Klinkhammer

Heimbach. Günter Becker ärgert sich in diesen Tagen über dies und jenes, aber besonders ärgert er sich über die Menschen, die ihm das Geschäft verderben, er hält sie für Bürokraten. Becker, 47 Jahre alt, lebt vom Wassersport auf dem Rursee, besonders vom Verleih seiner Boote.

Seine Wassersportanlage, die er Marina nennt, ist in Heimbach-Schwammenauel, gleich an der Staumauer am nördlichen Ende des Rursees: zwölf Tretboote, acht Ruderboote, acht Kanus, fünf Segelschiffe, und Becker braucht nur „Segelschiff“ zu sagen und schon ärgert er sich wieder.

Es ist ja so: Die ganze Eifel profitiert Jahr für Jahr mehr von Touristen aus Holland, die die Eifel jetzt so richtig als Ferienziel entdeckt haben, jedes Jahr sind es mehr, die in der Eifel ihre Ferien verbringen. Nicht mehr nur übers Wochenende, sondern inzwischen auch wochenweise. Von den vielen Touristen profitiert die ganze Eifel, nur Becker nicht, der ärgert sich: darüber, dass er seine Segelboote nur an Menschen verleihen darf, die einen Segelschein haben.

Doch weil Holland eine Wassersportnation ist, dort viel mehr Menschen als in Deutschland schon als Kinder segeln lernen und man dort keinen Segelschein braucht, um segeln zu dürfen, hat kaum ein Holländer einen Segelschein. Aber auf dem Rursee gilt: kein Segelschein, kein Segelboot, so ist es Günter Becker vorgeschrieben.

Bloß keine Klage

Der Rursee ist eine künstliche Anlage mehrerer Staubecken, die vom Wasserverband Eifel-Rur (WVER) betrieben werden, deswegen ist der Verband Eigentümer des Rursees und hat eine Art Hausrecht. Was auf dem Rursee erlaubt ist und was nicht, regelt also im Wesentlichen der WVER. Und in seinen Benutzungsbedingungen ist nun mal festgehalten, dass Rursee-Segler einen Segelschein zu besitzen haben. Becker sagt: „Wenn jemand ein Segelboot betritt, erkenne ich sofort, ob jemand segeln kann oder nicht.“ Denn in der Tat ist es so, dass nicht jeder, der einen Segelschein hat, auch vernünftig segeln kann. Zum Beispiel, wenn er Jahrzehnte lang nicht gesegelt ist.

Robert Steegmanns ist beim WVER der zuständige Dezernent und sagt, dass der WVER schon aus haftungsrechtlichen Gründen auf einem Segelschein besteht. Nicht, dass jemand, der das erste Mal in seinem Leben segelt und sich bei Becker ein Boot leiht, später verunglückt und dann auf die Idee kommt, den WVER zu verklagen.

Die Argumentation mag nachvollziehbar sein, hilft Becker aber nicht weiter. Er sagt: „Weder auf dem Rhein noch auf der Mosel benötigt man einen Segelschein, da diese Gewässer öffentlich sind.“ Auch auf anderen Talsperren wie dem Biggesee könnten Segler mit Booten bis zu einer bestimmten Größe einfach loslegen.

Ein Kompromiss zwischen Beckers Interessen und Steegmanns Bedenken könnte so aussehen: Vor dem Verleih eines Segelbootes könnte Becker sich von Kunden, die keinen Segelschein haben, schriftlich zusichern lassen, dass sie segeln können und das Boot auf eigenes Risiko ausleihen. Dezernent Steegmanns ist von diesem Kompromiss zunächst nicht angetan, sieht aber ein, dass es an der Zeit sein könnte, die Benutzungsbedingungen zu ändern, um Segler anderer Nationen nicht vom Segeln auf dem Rursee auszuschließen. Da die Benutzungsbedingungen ohnehin überarbeitet werden müssten, sagt Steegmanns, werde der WVER zusehen, ob er Becker nicht doch entgegenkommen kann.

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