Aachen - Warnungen der Sanitäter ignoriert?

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Warnungen der Sanitäter ignoriert?

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
Bundesjugendspiele
Die Bundesjugendspiele im Aachener Waldstadion endeten denkbar ungünstig: mit einem Großeinsatz von Rettungskräften. Vielen der jugendlichen Teilnehmer ging es nicht gut, weil sie bei dem warmen Wetter wahrscheinlich zu wenig getrunken hatten. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Oft gibt es sie nicht mehr, die meisten Schulen verzichten darauf, noch Bundesjugendspiele zu organisieren. Manchen Schülern waren sie immer ein Graus, andere fanden sie toll. Die Schüler der Aachener Luise-Hensel-Realschule werden sich gleichwohl noch lange an die Auflage des Sportfestes vom Freitag erinnern.

Sie endete mit einem Großeinsatz von Rettungskräften und Notärzten. 24 Kinder und Jugendliche, vor allem Mädchen, mussten behandelt werden, sieben kamen ins Krankenhaus.

Eigentlich verlief an diesem Vormittag im Aachener Waldstadion alles normal. Allerdings: Vom Himmel brannte die Sonne, die Luftfeuchtigkeit bewegte sich in schwülen Regionen. Vor allem beim 800-Meter-Lauf der Mädchen kam es plötzlich zu Problemen. Mehr und mehr Schüler und Schülerinnen unter den etwa 700 Teilnehmern klagten über Kreislaufprobleme.

Sieben Sanitäter hatte die Schule selbst aufgeboten. Sie hatten ihren Angaben nach rechtzeitig die Verantwortlichen der Schule auf die gesundheitliche Situation der Schüler aufmerksam gemacht. Diese Warnungen seien aber laut einem vorliegenden Protokoll ignoriert worden, sagt die Polizei. Auch sie war mit mehreren Streifenwagen vor Ort und prüft nun, ob es seitens der Organisatoren Rechtsverstöße gegeben hat. Diese allerdings bestreiten derartiges Fehlverhalten.

Um 11.41 Uhr jedenfalls riefen die Sanitäter bei der Feuerwehr an. Zunächst konnte man sich in der Zentrale keinen rechten Reim darauf machen, was im Waldstadion los sein sollte. So wurde auch ein Löschzug entsandt. Schließlich hätte die Serie von Kreislaufproblemen auch äußere Ursachen haben können - Chemie zum Beispiel. Das bestätigte sich aber nicht. Offenbar hatten die Betroffenen zu wenig getrunken und waren erschöpft. Die Besatzungen von vier Rettungswagen und vier Notärzte kümmerten sich schließlich um sie. 50 Helfer waren insgesamt vor Ort. Laut Augenzeugen wurden die Läufe trotz des Rettungseinsatzes zunächst noch kurzzeitig fortgesetzt. Dann aber entschlossen sich die Veranstalter zum Abbruch.

Den Vorwurf verantwortungslosen Handelns wiesen die Verantwortlichen zurück. „Es wurden keine außergewöhnlichen Leistungen von den Kindern verlangt. Das bewegt sich bei Bundesjugendspielen am unteren Limit”, so Paul Witschen, stellvertretender Schulleiter und Sportlehrer. Man habe alles verantwortungsvoll bis ins Detail geplant. An die Eltern seien auch vorab Merkblätter verteilt worden unter anderem in Bezug auf Flüssigkeit und Nahrung. Ein gewisser Grad der Erschöpfung sei nach Ausdauerübungen zudem immer vorhanden und völlig normal, so Witschen. Dass sich die Sache in diese Richtung entwickelte, habe die Lehrer „enttäuscht und erschrocken”. Man werde die Vorgänge gründlich nachbereiten.
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