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Von Schlägereien und Schmierereien zu Sprengsätzen?

Von: Heiner Hautermans und Michael Klarmann
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In martialischem Outfit nahm der 19-Jährige im August 2009 an einem NPD-Aufmarsch in Düren teil. Foto: Michael Klarmann

Aachen. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dann ist er jetzt erbracht: Die Gewaltbereitschaft der rechtsextremen Szene nimmt zu. Und mittendrin ein 19-Jähriger aus Aachen, der am Mittwoch in Richterich festgenommen und nach Berlin gebracht wurde.

Dort wurde ihm verkündet, dass ein Haftbefehl gegen ihn vorliegt, wegen Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens. Heute soll der junge Mann dem Haftrichter vorgeführt werden, immerhin droht eine Strafe von bis zu fünf Jahren.

Schon seit Jahren warnen Wissenschaftler, Beobachter und der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz davor, dass die Zahl rechtsextremer Gewalttaten ansteigt. Eine der aktivsten neonazistischen Gruppierungen in den letzten Jahren: die „Kameradschaft Aachener Land” (KAL).

Der gehörte auch der 19-Jährige an, als er mit einem weiteren Mann am 1. Mai einen Ausflug nach Berlin unternahm, im Gepäck, so stellen es zumindest die Ermittlungsbehörden dar, neun selbst gebastelte Sprengsätze, mit Splittern manipulierte Böller, die nach Einschätzung der Fahnder zu schweren bis schwersten Verletzungen hätten führen können, wenn sie geworfen worden wären.

Nur der Tatsache, dass vor dem Hintergrund der schweren Auseinandersetzungen der letzten Jahre in der Hauptstadt die Sicherheitsvorkehrungen verschärft wurden und insgesamt 7000 Polizisten im Einsatz waren, ist es zu verdanken, dass sich das Duo aus Aachen angesichts einer Zugangskontrolle von seinen brisanten Mitbringseln trennte und flüchtete. Doch sie wurden von Polizisten beobachtet, an den weggeworfenen Sprengkörpern wurde die DNA des 19-Jährigen entdeckt.

Der junge Mann ist den Behörden seit Jahren kein Unbekannter, ebenso wie der zweite Mann, bei dem es sich nach Informationen der „Nachrichten” um den 24-Jährigen handelt, der als Haupttäter bei einer Serie von Schmierereien Anfang August gilt, als unter anderem der jüdische Friedhof, die Parteibüros von Grünen und Linken, ein Privathaus und der Zeitungsverlag Aachen mit widerlichen Parolen verunstaltet worden waren. Der 19-Jährige steht im Verdacht, an diesen nächtlichen Straftaten beteiligt gewesen zu sein.

Bemerkenswert auch: Am 13. August stand der junge Mann, der mit 15 Jahren zum ersten Mal einschlägig aufgefallen war, vor dem Amtsgericht wegen verschiedener Gewalt- und Volksverhetzungsdelikte. Verurteilt wurde er schließlich zu vier Wochen Arrest, weil er auf einer Vorabifeier und in einer Diskothek junge Männer völlig grundlos ins Gesicht geschlagen hatte. Die Jugendrichterin mahnte ihn damals eindringlich, er solle einmal über seine weitere Zukunft nachdenken, der Arrest sei, wenn er so weitermache, nur ein Vorgeschmack auf eine Freiheitsstrafe.

„Stinkefinger”

Die Worte der Juristin haben den 19-Jährigen, der auf dem Gerichtsflur einem Kamerateam den „Stinkefinger” zeigte, erkennbar wenig beeindruckt. Einen Tag später nahm er mit anderen KAL-Mitgliedern und dem Pulheimer Neonazi Axel Reitz an dem Neonazi-Aufmarsch in Bad Nenndorf teil.

Reitz ist der Anmelder des Hetzmarsches am 25. September gegen den Bau der Moschee an der Stolberger Straße. Ebenfalls beteiligte der 19-Jährige sich im August 2009 an einem NPD-Aufmarsch in Düren-Merken unter dem Motto „Todesstrafe für Kinderschänder”.
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