Aachen - Von Schimpf und Schande kaum eine Spur

Von Schimpf und Schande kaum eine Spur

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
Große Resonanz: Joachim Eich,
Große Resonanz: Joachim Eich, Manfred von Holtum und Rolf-Peter Cremer bei der Telefonaktion dieser Zeitung. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Von Schimpf und Schande konnte kaum die Rede sein. Bei der Telefonaktion unserer Zeitung haben am Freitag die weitaus meisten Leser das zwar kritische, aber konstruktive Gespräch gesucht.

Während Bischof Heinrich Mussinghoff 640.000 katholischen Haushalten per Brief für deren Kirchensteuern dankte, stellte sich sein Führungsteam in unserer Redaktion persönlich den Fragen, Sorgen und Vorwürfen. Generalvikar Manfred von Holtum verteidigte dabei mehrfach die Kosten in Höhe von 384.000 Euro für die Info-, Image- und Dankes-Kampagne des Bischofs. „35 Cent pro Katholik sind sicherlich nicht zu viel für ein wichtiges Wort des Dankes”, erklärte er. Aber er versprach etwa einer Aachener Katholikin, in Zukunft noch intensiver zu prüfen, ob solche Massenbriefe nicht - über Ehrenamtler auf Pfarrebene ­- ohne Portokosten ­verteilt werden könnten.

„Ich bin nicht sicher, ob das überall realisierbar wäre”, sagte von Holtum. Viele Anrufe gingen ein, teils lange Gespräche wurden geführt. Auch zu konkreten Einzelschicksalen. So klagte ein Dürener über die fehlende Rampe für Rollstuhlfahrer vor St. Bonifatius. „Ich kümmere mich darum, ich gebe es weiter”, versprach der Generalvikar. Weitere Debatten am Telefon drehten sich um den Hilfseinsatz der Caritas in Japan, die Schwächen zentralisierter Pfarrverwaltungen und neue Trägerschaften katholischer Kindergärten.

Finanzdirektor Joachim Eich erläuterte vielen Anrufern den Sparkurs: Über 300 Millionen Euro betrug der diözesane Gesamtetat vor wenigen Jahren. 2010 zählte man 239 Millionen. Aus erster Hand ließ sich ein Geilenkirchener Kirchenvorstand die Berechnung der Schlüsselzuweisungen an einzelne Pfarrgemeinschaften erläutern, die insgesamt 83 Millionen Euro der Kirchensteuermittel ausmachen. „Einen Vorschlag werden wir direkt umsetzen und das Generalvikariat schnellstmöglich auf Recyclingpapier umstellen”, sagte Eich.

Pfarrer Rolf-Peter Cremer (Hauptabteilungsleiter Pastoral, Schule, Bildung) garantierte indes, dass die Kirche ausdrücklich auf die Mitarbeit der Ehrenamtler vertraue: „Die Rolle des Pfarrgemeinderats bleibt wichtig. Niemand wird hinausgedrängt.” Und so resümierte die Bistumsspitze, dass der Gesprächsbedarf groß ist.

Weit über 100 Anrufe gingen am Freitag nämlich auch bei der neuen Hotline des Bistums zum Thema Kirchensteuern ein. Unter Telefon 0241/452322 oder per E-Mail unter kirchensteuer@bistum-aachen.de beantworten Experten des Generalvikariats auch in den nächsten Tagen Fragen zur Kirchensteuer. Der Dialog soll intensiv weitergehen­ - und dies möglichst ohne Schimpf und Schande.
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