Aachen - Von Holtums Umbauplan löst Unmut aus

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Von Holtums Umbauplan löst Unmut aus

Von: Robert Esser
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Zweistellige Millionen-Summe im Fokus: Das Bistum will in Aachen Nebengebäude seines Generalvikariats (1) um mehrere Etagen aufstocken, einen gewaltigen Klosterkomplex (2) an der Jakobstraße verkaufen, daneben einen neuen Verwaltungstrakt bauen und alte Büros sanieren. In unmittelbarer Nähe von Dom (3) und Rathaus (4) würde somit mehr Geld ausgegeben als für jährliche Sanierungsarbeiten in 3000 Pfarrgebäuden und Kirchen.

Aachen. Während rund 370 Pfarren ihre Instandhaltungskosten für Gebäude um 33 Prozent eindampfen müssen, plant das Bistum Aachen den Ausbau des Generalvikariats im Schatten des Doms. Nach bislang unveröffentlichten Informationen unserer Zeitung könnten dazu 13,5 Millionen Euro aus Kirchensteuermitteln fließen.

Generalvikar Manfred von Holtum schwebt vor, Teile des maroden Gebäudekomplexes aus den 50er Jahren um zwei Etagen aufzustocken, den Rest unter Berücksichtigung überfälliger Brandschutzmaßnahmen zu sanieren und einen Verwaltungsneubau unweit der Zen­trale an der Jakobstraße zu errichten. Im Gegenzug will man nebenan einen Klosterkomplex verkaufen, in dem das Bistum vor kurzem noch mit Millionenaufwand Büros und die zentrale Datenverarbeitung mit sämtlichen Großrechnern installiert hatte.

Nicht die Sanierung der Büros, wohl aber der Umfang des Bauvorhabens für 250 Mitarbeiter stößt auf Kritik. Zumal Chefsanierer von Holtum die Zahl seiner Angestellten „im allgemeinen Bistumsdienst” seit 2003 von 939 auf aktuell 411 Beschäftigte eingedampft und weiterhin extreme Sparvorgaben auf Pfarrebene durchgesetzt hat. Dort müssen viele der 3000 Häuser, Pfarrheime und 930 Kirchen abgestoßen werden - weil Geld fehlt. Zum Vergleich: Zehn Millionen Euro (statt nach Angaben des Generalvikariats eigentlich benötigter 18 Millionen) stehen allen Pfarren pro Jahr für sämtliche Gebäude zur Verfügung.
Der Umbauplan am Klosterplatz für zwei Häuser liegt um Millionen höher.

Der Kirchensteuerrat hat das Vorhaben deswegen nicht abgesegnet, sondern eine Arbeitsgruppe mit einer Handvoll Laien und Experten unter der Leitung von Finanzdirektor Joachim Eich eingesetzt. Sie sollen die Umbaupläne „konkretisieren”. Theoretisch könnte der Kirchensteuerrat bereits in seiner nächsten Sitzung im November den Baubeschluss fassen. Details über den genauen Umfang des Projekts, die Kalkulation - unter Berücksichtigung des Klosterverkaufs etc. - will man bis dahin geheim halten.

Die Pressestelle des Bistums wollte am Montag auf Anfrage unserer Zeitung nicht einmal mitteilen, wie viel tausend Quadratmeter das zu verkaufende Klostergelände umfasst. „Der Kirchensteuerrat hat über all dies Stillschweigen vereinbart”, betont Bistumssprecher Franz Kretsch-mann. An der Basis sorgt das für Kritik, man verlangt Transparenz - ohne den Sanierungsbedarf grundsätzlich in Frage zu stellen. Es geht um die Größenordnung. „Die Aufstockung der Verwaltung ist ein gefährliches Signal”, warnt der Sprecher des Katholikenrats Aachen-Stadt, Holger Brantin. Hier bestehe angesichts der Kürzungen auf Pfarrebene dringend Erklärungsbedarf. „Die Informationspolitik löst großen Unmut aus”, sagt er.

Die Bistumsspitze sei gut beraten, zu erläutern, warum neben Brandschutz- und Sanierungsmaßnahmen gleich ein Umbaupaket für eine zweistellige Millionensumme geschnürt werde. „An der Basis kann da leicht der Eindruck entstehen, dass dieses Projekt auf Kosten der Gemeinden finanziert werden soll”, erklärt Brantin. Von Holtum will 2013 bauen.

Bistum Aachen landet auf dem vorletzten Platz

Seit zehn Jahren fährt das Bistum Aachen wegen schwindender Kirchensteuermittel einen radikalen Sparkurs. 1990 zählte die Diözese von der Eifel über Düren, Aachen, Heinsberg, Mönchengladbach, Kempen-Viersen bis Krefeld noch 1,4 Millionen Katholiken - knapp 69 Prozent der Gesamtbevölkerung. 2012 gibt es 300.000 Katholiken weniger - nur noch gut die Hälfte der Bevölkerung. Nur jeder Dritte zahlt tatsächlich Kirchensteuer.

Die Zahl der Gottesdienstbesucher hat sich in 20 Jahren mehr als halbiert. 1990 besuchten im Schnitt 244.500 Gläubige die Sonntagsmesse; 2011 nur noch 107.500. Nach der offiziellen Statistik der deutschen Bistümer nimmt Aachen zahlenmäßig den vorletzten Platz unter 27 Diözesen ein.

Kundenfreundlich: Ab 1. Oktober ist das Generalvikariat unter der „Serviceline-Rufnummer” Telefon 0241/ 452-555 werktags von 7 bis 20 Uhr zu erreichen. Der Service richtet sich an alle Katholiken, Haupt- und Ehrenamtler, die Informationen und Kontakt zur Kirche suchen.

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