Von China über Bonn in den Flachbildschirm

Von: Friederike Müller, dapd
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Haines & Maassen
Rohstoffhaendler Gunther Maassen, Geschaeftsfuehrer von Haines & Maassen, zeigt am Donnerstag (12.05.11) in Bonn in seinem Lager eine Flasche mit dem seltenen Erdenmetall Gallium. Die Bonner Metallhandelsgesellschaft Haines & Maassen versorgt mit so genannten seltenen Erden Forschung und Industrie in Deutschland und Europa. Foto: dapd

Bonn. Sie stecken in der Display-Hintergrundbeleuchtung neuester Handys, in Flachbildschirmen und Windkraftwerken, aber kaum jemand kennt sie: Elemente wie Gallium, Indium oder Neodym.

Die Bonner Metallhandelsgesellschaft Haines & Maassen versorgt mit diesen Rohstoffen Forschung und Industrie in Deutschland und Europa.

Gallium und Indium sind zum Beispiel für Solar- und LED-Technologie unverzichtbar. „Jedes Mal, wenn Sie heute auf einen Bildschirm schauen, gucken Sie durch Indium durch. Früher war es ein Exot, heute ist es ein Alltagsgut”, erläutert Gunther Maassen, einer der Geschäftsführer. Indium gehört zu den strategischen Metallen oder Nebenmetallen, mit denen die Firma handelt.

Halbmetall hinterlässt Knoblauch-Geruch

Dazu kommen die sogenannten Seltenen Erden: 17 Elemente, die im Hochtechnologiebereich eingesetzt werden, so wie Neodym für Magnettechnologie in Windkraftwerken. Als hellblaue, pulverförmige Substanz steht es in kleinen Gefäßen im Regal, größere Vorräte lagern in dicken blauen Fässern. Die Forschung kauft in Gramm, die Industrie in Tonnen, und auch Privatanleger zeigen steigendes Interesse.

48 Metalle und 840 Metallartikel haben die Maassens im Angebot. Gunther Maassen kennt ihre Eigenschaften. Er weiß, dass er nach Knoblauch riecht, wenn er Tellur anfasst und sich nicht gleich darauf die Hände wäscht, und dass Wismut schillernde Kristalle bildet, wenn er einen Block des Materials durchschlägt.

1978 hatte sein Vater Hartwig Maassen die Anteile seines Partners Hugo Haines übernommen. Heute sind er und die beiden Söhne gleichberechtigte Partner im Familienbetrieb. Auch ein Enkel will nach dem Studium in den Betrieb einsteigen. Gunther Maassen blickt „absolut optimistisch” in die Zukunft: „Die Zeiten für Rohstoffhändler sind gut, wenn man gute und langfristige Kontakte hat.”

Börsen gibt es für den internationalen Handel mit Seltenen Erden und Nebenmetallen nicht. Der Händler muss die Märkte weltweit im Blick haben, denn die Preise können sich mehrmals täglich ändern. Gunther Maassen telefoniert regelmäßig mit seinen Kollegen: „An manchen Tagen wird man von einem Chinesen geweckt und von einem Amerikaner ins Bett gebracht.” Als Kind faszinierten ihn die internationalen Kontakte des Vaters, heute fliegt er selbst zweimal im Jahr nach Asien. Zwei Drittel der Metalle bei Haines & Maassen kommen auf direktem oder indirektem Weg aus China.

China wichtigster Rohstoff-Lieferant

Das Land produziert aktuell 97 Prozent der Seltenen Erden. Nach Berechnungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe stehen dort etwa zwei Drittel der weltweiten Reserven zum sofortigen Abbau bereit. Betrachtet man die langfristig vorhandenen Ressourcen auf der Welt, findet man in China ein Viertel. Weitere Vorkommen gibt es zum Beispiel in Australien und den USA. So selten, wie der Name sagt, sind nicht alle der Seltenen Erden. Doch auch die Bundesanstalt rechnet nach einer Kurzstudie in naher Zukunft mit einer unzureichenden Versorgungslage bei einigen dieser Metalle.

Insgesamt stiegen die Preise bei Seltenen Erden und Nebenmetallen, vor allem durch die starke Nachfrage, hat Gunther Maassen beobachtet. „Es gibt natürlich Anstrengungen, mehr zu produzieren. Aber ob das dem Bedarf gerecht werden kann, ist fraglich.” Trotzdem bleibt er ruhig: „Es wird Verschiebungen geben. Daran müssen wir uns dann anpassen. Und da liegen meiner Meinung nach die Stärken des deutschen Mittelstands.”
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