Aachen - Von Aachen über Alabama zum Mond - und zum Mars?

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Von Aachen über Alabama zum Mond - und zum Mars?

Von: Stefan Herrmann
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Träumt vom Mars: Jesco Freihe
Träumt vom Mars: Jesco Freiherr von Puttkamer (78), Planungsmanager der US-Weltraumbehörde. Foto: Herrmann

Aachen. Wenn Filmemacher aus Hollywood sich einen Nasa-Manager ausdenken müssten, Jesco Freiherr von Puttkamer dürfte ihr Vorbild sein: Das silberne Haar perfekt geföhnt, Khaki-Hosen an den Beinen und eine schwarze Fliegerjacke aus Leder mit zahlreichen patriotisch anmutenden Aufnähern über den Schultern.

Das Beste: Professor Puttkamer arbeitet tatsächlich für die US-amerikanische Weltraumbehörde.

Als Planungsmanager ist er maßgeblich für die Internationale Raumstation ISS verantwortlich. Unter dem berühmten Wernher von Braun hat er in den 60er Jahren als junger Mann in Huntsville/Alabama bereits an den Apollo-Projekten mitgearbeitet. Die Mondlandung 1969, das Space-Shuttle-Programm seit den 70er Jahren - Puttkamer war als hochrangiger Wissenschaftler stets mittendrin im Wettrennen zu den Sternen.

Und: Puttkamer, der 1933 in Leipzig geboren wurde, hat eine Aachener Vergangenheit. An der Technischen Hochschule studierte er einst Maschinenbau. An der Aachener Fachhochschule, die am Donnerstag ihren 40. Geburtstag feierte, war er von 1983 bis 2000 als Honorarprofessor tätig. „Eine Legende”, begrüßte ihn FH-Rektor Marcus Baumann zum Gespräch an seiner Hochschule.

Wenn der 78-Jährige von seinen Erlebnissen erzählt, können aktuelle Studentengenerationen nur staunen. Mit „Dont go to industry. Were flying to the moon” (Geh nicht in die Industrie. Wir fliegen zum Mond), lotste von Braun den jungen Puttkamer damals in die Staaten. Der Ehrgeiz, Grenzen zu überschreiten, hat ihn danach nie wieder losgelassen. Daran ändert auch das im Juli 2011 beendete Shuttle-Programm nichts.

Die Nasa, erzählte Puttkamer in Aachen, stelle sich derzeit neu auf. „New Space” heißt die Zielrichtung der Zukunft. Kommerzielle Firmen, die Weltraumflüge anbieten, gehören ebenso dazu wie die internationale Zusammenarbeit. Die ISS - für Puttkamer eine kleine UN im Weltall. Und auch der alte Feind der Amerikaner - die Russen - sitzen beim Thema bemannte Raumfahrt längst im selben Boot. „Moskau ist eine tolle Stadt. Ich mag sogar den Putin”, meinte Puttkamer mit einem Augenzwinkern.

Im kommenden Jahr gehört er seit 50 Jahren zur Nasa-Familie - so lange wie kein anderer. „Hoffentlich bekomme ich eine goldene Uhr oder sowas”, schmunzelte der Kosmopolit. Ans Aufhören denkt er nicht. Wenngleich es Politiker den Pionieren wie ihm nicht leicht machen. Das Geld ist knapp, Mond und Mars sind weit entfernt. Auch die Nasa muss sparen. „Die bemannte Raumfahrt ist teuer”, gibt der Experte unumwunden zu. Das müsse sie auch, um sicher zu sein. Alles andere wäre fahrlässig.

Und wann landet der erste Mensch auf dem Mars? Puttkamer spricht von 2035, vielleicht 2030. „Man muss Ziele immer so stecken, dass sie schwierig zu erreichen sind”, schrieb er der zukünftigen Wissenschaftler-Generation ins Lehrbuch. Science-Fiction? Keinesfalls. Auf dem Mars, sagte Puttkamer, liege die Zukunft der Menschheit. „Ein Jahrtausendprojekt”, wie er es nennt.

Er selbst, der altgediente Nasa-Manager, würde direkt einsteigen, wenn es zum Roten Planeten gehen würde. „Ich hätte aber schon gerne ein Rückreiseticket dabei - und einen warmen Pullover.”
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