Düsseldorf - Vom „Kofferbomber” zur Sauerland-Gruppe: Neuer Terror-Prozess

Vom „Kofferbomber” zur Sauerland-Gruppe: Neuer Terror-Prozess

Von: Frank Christiansen, dpa
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Neuer Terror-Prozess gegen Sauerland-Gruppe
Die drei Terrorverdächtigen: Die sogenannte Sauerland-Gruppe wartet auf den wohl größten Terroristen-Prozess des kommenden Jahres in Deutschland. Foto: dpa

Düsseldorf. Der islamistische Terrorismus lässt ihm keine Ruhe: Richter Ottmar Breidling hat gerade den „Kofferbomber von Köln” zu lebenslanger Haft verurteilt, da türmen sich schon die Akten des nächsten Großverfahrens vor ihm auf. Die sogenannte Sauerland-Gruppe wartet auf den wohl größten Terroristen-Prozess des kommenden Jahres in Deutschland.

Er soll im Frühjahr im Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts beginnen. Die meisten Verdächtigen sitzen nun schon seit 15 Monaten in Untersuchungshaft.

Im September 2007 hatten Terror-Ermittler die zum Islam konvertierten Deutschen Fritz Gelowicz und Daniel Schneider sowie den Türken Adem Yilmaz in einem Ferienhaus im Sauerland festgenommen. Inzwischen ist auch gegen Attila S., der für die Gruppe 26 Sprengzünder aus Syrien besorgt haben soll, Anklage erhoben worden. Zusammen sollen sie eine eigene Terrorzelle der „Islamischen Jihad Union” gebildet haben, die wiederum engen Kontakt zu El Kaida unterhalten soll.

Die Islamisten sollen massive Anschläge in Deutschland geplant haben. Zwölf Fässer voll mit 730 Kilogramm Wasserstoffperoxid-Lösung, als Sprengstoff-Grundstoff verwendbar, waren bei den Männern entdeckt worden - genug für mehrere Autobomben. Tatorte in Frankfurt, Dortmund, Düsseldorf, Stuttgart, München, Köln und Ramstein haben die mutmaßlichen Terroristen den Ermittlern zufolge im Visier gehabt.

Beim Ausspionieren von US-Militäranlagen im hessischen Hanau waren ihnen die Sicherheitsbehörden auf die Schliche gekommen. Bis zum „High Noon” im 900-Seelen-Ort Oberschledorn im Sauerland waren die 22 bis 29 Jahre alten Verdächtigen observiert worden. 300 Beamte waren dafür fast ein halbes Jahr lang im Einsatz. Es war die größte Polizeiaktion gegen mutmaßliche Terroristen seit der Entführung von Hanns-Martin Schleyer 1977.

Vorsichtshalber war die Chemikalie in den Fässern gegen eine ungefährliche ausgetauscht worden. Nach Angaben des Bundeskriminalamts war die Sprengkraft der Fässer größer als die der Anschläge von Madrid und London.

Weil sie in eine Verkehrskontrolle gerieten, wähnten sich die drei mutmaßlichen Bombenbauer plötzlich unter Beobachtung und wollten ihren sauerländischen Standort aufgeben. In diesem Moment griffen BKA- und GSG-9-Beamte zu. Der jüngste der Männer riss einem der Beamten die Pistole aus dem Holster, schoss und verletzte den Mann leicht. Der jüngste Angeklagte muss sich deshalb nun wegen versuchten Mordes verantworten.

Nach Angaben des hessischen Innenministeriums planten die Angeklagten, mit zunächst einer kleinen Explosion die Menschen zu einer „Fluchtwelle” aus einer Großraum-Disco zu veranlassen, um dann mit einer gewaltigen Explosion möglichst viele Menschen zu töten.

Attila S., gegen den erst vor wenigen Tagen Anklage erhoben wurde, soll zunächst sechs Sprengzünder serbischer und bulgarischer Produktion und dann weitere 20 Sprengzünder tschechischer Produktion auf den Weg nach Deutschland gebracht haben. Er war vor gut einem Jahr in der Türkei festgenommen und Ende November nach Deutschland ausgeliefert worden.
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