Aachen/Nideggen - Viereinhalb Jahre für Betrügerin Claudia C.

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Viereinhalb Jahre für Betrügerin Claudia C.

Von: Wolfgang Schumacher
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Claudia C.
Claudia C. wartete über Stunden auf ihr Urteil. Foto: Ralf Roeger

Aachen/Nideggen. Nervenaufreibend war das am 17. und letzten Verhandlungstag für die wegen Betruges und betrügerischen Bankrotts angeklagte Claudia C. (39) aus Nideggen, das Urteil der Großen Wirtschaftsstrafkammer am Aachener Landgericht für die inhaftierte Rollstuhlfahrerin verschob sich um Stunden. Es ging um viel.

Denn schließlich hatte der Staatsanwalt morgens fünfeinhalb Jahre Haft für die betrügerischen Geschäfte der Firmen der Dr. Mayer-Gruppe mit angekauften Lebensversicherungen gefordert.  Deren jahrelange Geschäftsführerin war die Angeklagte bis 2010. Die Firma wurde bis zum Tod ihres Vaters im Jahre 2009 hauptsächlich von ihm selber mit einer Generalvollmacht gemanagt. Schließlich kam am Nachmittag das Urteil, das mehr als 500 Geschädigte, die gleichzeitig gegen die Praktiken der Dr. Mayer & Cie. geklagt hatten, mit Spannung erwartet hatten und das sie letztlich mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen werden.

Die Kammer unter Vorsitz von Richter Harald Brandt entschied auf vier Jahre und sechs Monate Haft. Die Höhe der Strafe ist für eine Wirtschaftssache durchaus eine beachtliche Hausnummer, die Verteidiger hatten Freispruch beantragt. In ihrem letzten Wort hatte die nicht geständige Angeklagte noch am Morgen beteuert, sie habe die Geschäfte ihres Vaters ordentlich abwickeln wollen und ihre angebliche Flucht nach London sei keine gewesen.

Claudia C. war letztlich, das sah auch das Gericht so, bereits seit Jahren das willfährige Werkzeug ihres Vaters. Der sei, so Richter Brandt, vorher schon wegen Betruges zu einer Haftstrafe verurteilt worden und habe gegenüber seiner Tochter stets bekräftigt, das sei „nur“ wegen Steuerhinterziehung gewesen: „Er hat sie wohl nie in das Urteil schauen lassen“, vermutete Richter Brandt am Montag. Der windige Geschäftsmann hatte ein gut funktionierendes Schneeballsystem etabliert, und Schneeballsysteme sind strafbar weil betrügerisch, es endete auch hier mit Millionenverlusten.

Mit dem überteuerten Ankauf von Lebensversicherungen, die ihre Eigentümer aus welchen Gründen auch immer wieder loswerden wollten, beschaffte er sich Kapital, dessen überschüssiger Anteil in den Büchern als „bleibt bei uns“ geführt wurde. Mit den neu angekauften Lebensversicherungen wurden im Prinzip die Fälligkeiten der alten Verträge bedient. Dazu kaufte man billige Ost-Immobilien an wie ebenso Fondsanteile an der Börse. Hierin war der Vater wohl gar nicht so schlecht.

Doch um die Firmen aus den laufenden Verlusten durch den Kauf von Lebensversicherungen herauszubringen, hätte man eine Jahresrendite von 11,56 Prozent erwirtschaften müssen, errechnete eine Gutachterin. „Das ist lebensfremd“, beschied die Kammer.

Das habe Claudia C. gewusst, weil sie schließlich selber die Software-Programme für die Versicherungsankäufe geschrieben habe. Dann übergab sie die Geschäfte für den Preis von einem Euro an sogenannte Firmenbestatter – ein betrügerischen Bankrott für die Kammer. „Wir haben es hier mit fortgesetztem Betrug zu tun“, sagte Brandt.

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