Aachen/Düren - Vier Jahre Haft für Hammer-Täter

Vier Jahre Haft für Hammer-Täter

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen/Düren. Der 25 Jahre alte Thomas S. ist am Donnerstag wegen gefährlicher Körperverletzung zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte seiner ehemaligen Verlobten beim Geschlechtsverkehr mit einem Hammer schwerste Verletzungen zugefügt.

S. war von der Staatsanwaltschaft ursprünglich des versuchten Mordes angeklagt worden. Im Prozess vor der Schwurgerichtskammer unter Vorsitz von Richter Gerd Nohl hatten Staatsanwaltschaft, Richter und Gutachter versucht, die Abläufe des Tatgeschehens zu rekonstruieren und einen Einblick in das Seelenleben des jungen Angeklagten zu werfen.

Am Ende des Tages resümierte Richter Nohl, die Schwurgerichtskammer sei immer noch weit davon entfernt, das Verhalten des Angeklagten zu verstehen. Ebenso wie die Richter hatte in dem mit sexuellen Merkwürdigkeiten durchsetzten Strafverfahren auch die psychiatrische Sachverständige keine rechte Erklärung für das Verhalten des Mannes gefunden.

Letztlich hatte der 25-jährige Industriemechaniker, der in vollem Umfang geständig und reuig war, Glück. Denn eine juristische Feinheit, der sogenannte Rücktritt von der Tötungsabsicht, rettete ihn vor einer Verurteilung wegen Mordes.

Im allerletzten Augenblick ließ er von seiner damaligen Freundin ab. Die Situation ist hinreichend außergewöhnlich, um sie auch detailliert zu schildern: Beim Geschlechtsverkehr fing er mehr oder weniger plötzlich an, die junge Frau zu würgen und ihr mit einem Hammer auf den Kopf zu hauen.

Erst als die Nachbarn beherzt an die Tür klopften - sie hatten Röcheln und Kampfgeräusche gehört - hielt der Verurteilte plötzlich inne - was ihm nach geltender Rechtssprechung bei einem Mordversuchs-Vorwurf als strafbefreiend anzurechnen ist.

Detailprobleme gab es dann aber noch bei der Bewertung der Umstände des Tatorts am Abend des Geschehens. Da die Türe von innen abgeschlossen war, hätte das theoretisch dem Täter die Gelegenheit gegeben, seinen „Tötungsvorsatz zu vollenden”. Das aber tat Thomas S. nicht.

Auch das Opfer hatte dem Gericht beschrieben, wie ein Ruck durch seine Gesichtszüge ging, er plötzlich von ihr abließ und sich in der Küche ein scharfes Messer holte. Die neue Waffe richtete er jedoch gegen sich selbst und nicht gegen sein Opfer. Er versuchte damit, sich in einer Ecke des Wohnzimmer die Pulsadern aufzuschneiden.

Warum er aber während des Geschlechtsverkehrs zum Zimmermannshammer griff, ist den Richtern nicht erklärlich, dem Täter selbst ebenfalls nicht. Das sei ein Vertrauensbruch in einer absolut intimen Situation, der hinterhältig sei und kaum zu überbieten. Und besorgniserregend sei der Umstand, dass S. noch am Nachmittag Gewaltbilder aus dem Internet heruntergeladen habe. Möglicherweise seien das Anzeichen eines sexuell abnormen Verhaltens, dass sich nicht verfestigen dürfe.

Darum legten die Richter Thomas S. dringend nahe, sich in der Haft umgehend um Therapie zu bemühen.
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