Vielfalt der Euregio in einem Stadion vereint

Von: Robert Baumann
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Brigitte Snoecks und ihr Kukuk-Chor animierten andere Teilnehmer beim „Euregionalen Fest der Amateurkünste“ im Maastrichter Geusselt-Stadion zum Mitsingen. Foto: Robert Baumann
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3000 Kulturschaffende aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden zeigten im Maastrichter Geusselt-Stadion ihre Ideen und Darbietungen.

Aachen/Maastricht. In Windeseile hat Brigitte Snoecks wieder eine Menschenmenge um sich geschart. Alle schauen gebannt zu der temperamentvollen Frau mit den feuerroten Haaren. Die Belgierin gibt im Geusselt-Stadion in Maastricht buchstäblich den Ton an. Gemeinsam mit ihrem 35-köpfigen Chor singt sie mit wildfremden Menschen, die sie kurz zuvor dazu animiert hat. Und das alles mitten auf dem Rasen eines Fußballstadions.

„Singen ist die universellste Sprache, die es gibt. Es ist wie eine soziale Öffnung und vermittelt Lebensfreude“, sagt die Leiterin des Kukuk (Kunst und Kultur im Köpfchen)-Chors, dessen deutsche und belgische Mitglieder sich normalerweise am ehemaligen Grenzübergang Köpfchen zum Singen treffen.

Die Sprache ist das zentrale Thema beim „Euregionalen Fest der Amateurkünste“, das am Sonntag im Maastrichter Geusselt-Stadion – dort, wo normalerweise der niederländische Zweitligist MVV Maastricht seine Heimspiele austrägt – gefeiert wurde. „Speaking in Tongues“, also sinngemäß „Sprechen in vielen Sprachen“ lautet das Motto des Festes, das ein Teil der Bewerbung Maastrichts und der Euregio Maas-Rhein zur Kulturhauptstadt 2018 ist.

Einen Tag lang zeigten rund 3000 Kulturschaffende aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden bei strahlend blauem Himmel ihre entwickelten Ideen und Darbietungen. Das Besondere des Festes: Die meisten Teilnehmer kommen aus dem Amateurbereich. Es sind Tänzer, Sänger, Schriftsteller oder Theatermacher. Mehrere Wochen haben sie sich auf diesen Tag vorbereitet, um ihre Ergebnisse den anderen Teilnehmern und rund 2000 Besuchern zu präsentieren.

Und das tun sie dann auch eindrucksvoll und mit viel Enthusiasmus. Auf dem Rasen herrscht ein buntes Treiben. Aus der einen Ecke ertönt laute Musik, Tanzchoreographien werden vorgeführt, in einem Zelt spielen Kinder ein Theaterstück vor, und von der großen Bühne schallt der Sprechgesang zweier Hip-Hop-Künstler durch das Stadion.

Mittendrin ist A.M. Can. Die freischaffende Künstlerin sitzt vor einem Fußballtor, das von der Latte bis zum Pfosten komplett mit knallbunter Wolle zugestrickt ist. Insgesamt 179 einzelne Strickteile wurden dafür zu einem großen Ganzen zusammengenäht. Es ist das Endprodukt ihres Projekts „Guerilla-Knitting“, das sie mit 50 Aachenern für das „Fest der Amateurkünste“ in Angriff genommen hat. „Fußballspielen verbindet die Menschen und die Regeln sind für jeden klar“, erklärt Can die Idee der Aktion.

Regelmäßig trafen sich die Teilnehmer im Vorfeld des Festes in Aachen zum Stricken und Häkeln. Vor dem Tor hat die Künstlerin mit ihrer Gruppe zudem ein „Euregio-Café“ aufgebaut. Auf den Stühlen und Tischen – natürlich komplett eingestrickt – werden landestypische Speisen aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden angeboten: Pralinen, Aachener Printen, Frikandel und Fritten – alles aus Wolle. „Zu etwas individuell Gestaltetem hat man einen ganz anderen Bezug als zu etwas fertig Produziertem. Und etwas Gestricktes vermittelt immer auch ein Stück Wärme“, sagt Can.

Hoffnung und Verzweiflung

Am anderen Ende des Platzes haben Schüler der Europaschule Herzogenrath Aufstellung genommen. Die 53 Schüler der Jahrgangsstufe sechs sind ganz in schwarz gekleidet und präsentieren eine zwölfminütige Choreografie. „Es ist ein zeitgenössischer Tanz zu Hoffnung und Verzweiflung“, erklärt Nicole Jacobi, Theater- und Tanzpädagogin und Lehrerin an der Europaschule. „Dafür haben wir im Unterricht Bilder zu unterschiedlichen Gefühlen entwickelt und sie dann zusammengefügt.“

Um Brigitte Snoecks hat sich unterdessen bereits eine neue Gruppe mit Lust am Singen versammelt. Gesungen wird auf Deutsch und Französisch. „Einen niederländischen Song haben wir noch nicht im Repertoire. Ich hoffe, dass wir eine niederländische Gruppe finden, die uns etwas beibringt“, sagt Snoekcs und stimmt das deutsche Lied „Schön Dich zu sehen“ an. „Damit begrüßen wir die Menschen“, sagt sie und zieht mit ihrem Chor weiter über das Fußballfeld – immer auf der Suche nach neuen Gesangspartnern. Viel braucht sie dazu nicht, nur ihre Stimme. Und wenn die mal versagt, hat die Belgierin auch schon einen Plan: „Dann hilft mir ein kleines Schnäpschen“, sagt sie, schmunzelt, und verschwindet in der Menschenmenge.

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