Aachen - Verwirrter Mann greift Schülerin mit Messer an

Verwirrter Mann greift Schülerin mit Messer an

Von: Thorsten Karbach
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Aachen. Die Erleichterung ist nicht zu überhören. Günther Dick atmet tief durch, dann sagt der Schulleiter des Gymnasiums St. Leonhard: „Es ist passiert. Aber es ist noch einmal gut gegangen.”

Er meint einen traurigen Zwischenfall, der sich am Freitag in der Innenstadtschule abspielte. Dabei hat ein 34-jähriger psychisch kranker Mann mit einem Taschenmesser eine 17-jährige Schülerin leicht verletzt. „Es war kein Amoklauf, der Mann scheint eher zufällig gehandelt zu haben”, sagt Polizeisprecher Paul Kemen.

Was war genau passiert? Der offensichtlich verwirrte Mann hatte am Freitag gegen 11.30 Uhr die Schule betreten - so wie man Schulen eben betritt. „Schulen sind nun mal offene Gebäude. Das muss auch so sein. Wir schließen uns nicht ein und wir haben auch keine Scanner an den Türen”, sagt dazu Schulleiter Dick. Plötzlich stand der Mann im Sekretariat, machte laut Polizeibericht „ungenaue, verwirrte Angaben”, drang von dort aus ins Lehrerzimmer ein. Dort nahmen sich ihm couragierte Lehrer an, wollten ihn aus der Schule führen und vom Gelände verweisen.

Auf dem Weg durch den Schulflur attackierte der Mann dann aber die Schülerin, fasste sie am Hals, zog das Messer aus der Jackentasche und fügte ihr einen Schnitt am Oberschenkel zu. Die Lehrer reagierten schnell, überwältigten den Mann und setzten ihn im Sekretariat fest. Dick wurde hinzugezogen. Was dann folgte, waren eingespielte Mechanismen zwischen Schule und Polizei, die für den Amoklauf trainiert wurden. „Das abgesprochene Verfahren wurde abgerufen, die Schule hat schnell und super reagiert”, erklärt Kemen.

Dick verständigte die Polizei, keine zwei Minuten später waren alle verfügbaren Einsatzkräfte vor Ort - 50 Leute. Der 34-Jährige wurde in Gewahrsam genommen. „Wir haben beherzt und couragiert eingegriffen. Aber es ist sehr beruhigend, wie schnell die Polizei vor Ort war”, berichtet Dick. „Bei Bedrohung von Schülern fahren wir das volle Programm”, fügte Kemen hinzu.

Die Schülerin hatte das, was man Glück im Unglück nennt. Etwa sechs Millimeter war der Schnitt lang und nach ersten Untersuchungen „nur” oberflächlich. Sie wurde in einem Krankenhaus behandelt. Und sie war geschockt und mit ihr viele weitere Schüler. Der Unterricht wurde umgehend abgebrochen. „Einige waren paralysiert”, berichtet Dick. Um sie kümmerten sich Opferschutzbeauftragte der Polizei und die Schulpsychologen der Stadt. Der Täter wurde zur psychiatrischen Behandlung ins Alexianer-Krankenhaus gebracht. Die Polizei hat ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet.

Er ist kein Unbekannter. Schon im Dezember war er nach einem Selbstmordversuch ins „Alex” eingewiesen worden. Dort wollte man auf Anfrage keine Angaben zum Vorfall machen. „Unsere Patienten haben eben Ausgang. Wir können sie nicht einfach festhalten”, hieß es. Warum der Mann in die Schule ging, will die Polizei nun klären. „Wir haben das Ganze zum Glück souverän gemeistert. So schlimm es ist, aber so etwas kann auch im Bus passieren”, sagt Dick.
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