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Versorgungslücken bei den psychischen Erkrankungen

Von: Sabine Rother
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Aachen. „Unternehmen sollten bedenken, dass sich die körperliche und psychische Gesundheit ihrer Mitarbeiter auch in den Bilanzen niederschlägt“, betont Jürgen Engels, Regionaldirektor der AOK Rheinland/Hamburg in Aachen.

Dass ein neues Nachdenken über Gesundheit und Krankheit von Arbeitnehmern im Rheinland (rund eine Million Versicherte/123.000 in Aachen, dem ehemaligen Kreis Aachen sowie den Kreisen Düren und Heinsberg) Sinn macht, hat man jetzt gemeinsam mit dem Institut für Betriebliche Gesundheit durch den Vergleich der Zahlen von 2012 und 2013 ermittelt. Der Krankenstand hat sich erhöht. Die Zahl der Langzeitkrankschreibungen, bei denen mehr als 42 Arbeitsunfähigkeitstage anfallen, ist leicht rückläufig. Im Branchenvergleich beobachtet man den Anstieg der Krankheitsfälle in allen Wirtschaftszweigen.

Die meisten Krankschreibungen gab es 2013 in Gießereien. Den zweiten Rang im Rheinland belegen Callcenter. Hier stiegen die Zahlen von 6,93 auf 7,41 Prozent. „Immer noch stellen wir fest, dass in Regionen mit mehr Arbeitslosigkeit und einer größeren Anzahl von Indus-triebetrieben mehr Arbeitnehmer erkranken“, konstatiert Engels. So waren in Wuppertal 2013 6,14 Prozent, in Oberhausen 6,0 Prozent und in Bonn lediglich 4,69 Prozent der Arbeitnehmer betroffen. Insgesamt ist die Bevölkerung des Rheinlands im Vergleich zum gesamten Bundesgebiet anfälliger – eine schlüssige Erklärung dafür gibt es laut Engels nicht. Und man hat selbst für unsere Region festgestellt: Die Arbeitnehmer werden kranker, der Anstieg ist leicht, jedoch deutlich, wobei nicht zuletzt die Grippewelle 2013 statistische Folgen hatte. Die Zahl der verzeichneten Atemwegserkrankungen stieg im Vergleich zu 2012 um 27 Prozent. Im Blick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen verzeichnet die Statistik für Aachen mit 7,8 Prozent einen niedrigeren Wert als 2012 (8,9 Prozent).

Dafür sind es in der Städteregion 8,5 Prozent, im Kreis Heinsberg 8,3 Prozent und im Kreis Düren sogar 9,4 Prozent. Wegen einer Krebserkrankung waren Arbeitnehmer in Aachen 2013 rund 30 Tage krank geschrieben, im Kreis Heinsberg 33, im Kreis Düren 38 und in der Städteregion rund 36 Tage. Zwar liegen Probleme mit Muskeln und Skelett (32,6 Prozent) und Atemwegserkrankungen (58,9 Prozent) an der Spitze, doch bereits an dritter Stelle rangieren psychische Erkrankungen (11,4 Prozent Aachen, 11,8 Prozent Kreis Düren, 11,3 Prozent Städteregion, 10,35 Prozent Kreis Heinsberg). Man erkennt speziell in der Versorgung dieser Patientengruppe Strukturprobleme. „Die Projekte der Inte­grierten Versorgung haben die Situation nicht entscheidend verbessert“, sagt Engels. „Wir suchen nach einem Zugangssystem, das Rücksicht auf die Schwere der Fälle nimmt.“

In der betrieblichen Gesundheitsförderung sei noch viel „Luft nach oben“, Mobbing, die Widerstandskraft (Resilienz) von älter werdenden Mitarbeitern und nicht zuletzt der Umgang von Führungskräften mit der Belegschaft wirken sich auf Arbeitszufriedenheit und damit auf die Gesundheit der Arbeitnehmer aus.

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