Verfahren um illegalen Schildkrötenhandel eingestellt

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Mit einem salomonischen Richterspruch hat die 1. Große Wirtschaftsstrafkammer am Aachener Landgericht einen seit mehr als fünf Jahre schwelenden Streit um die legale oder vermeintlich illegale Einfuhr von Landschildkröten beendet.

Ein Heinsberger Tiergroßhändler und ein Amtsbiologe der dortigen Kreisnaturschutzbehörde müssen als Auflage Geldbußen zahlen.

Die bei Fachleuten als Testudo hermanni (griechische) und Testudo graeca (maurische Landschildkröte) bekannten Panzertiere hielten bis Dienstag fünf Jahre lang die Justiz und diverse Fachgutachter in Atem. Dem Tiergroßhändler Norbert L. (45) war die verbotene Einfuhr von 1200 Wildfängen aus Slowenien vorgeworfen worden.

Der Weiterverkauf sei möglich geworden durch die Heinsberger Kreisnaturschutzbehörde, vertreten durch den Amtsbiologen und einen ehemaligen Verwaltungsbeamten, die leichtfertig und fahrlässig Bescheinigungen ausgestellt habe, wonach die Tiere aus legalen Nachzuchten stammten. Am Ende waren sich die Sachverständigen aber nur bei 75 Exemplaren über die verbotene Herkunft einig. Am Dienstag schlug der Vorsitzende Richter Harald Brandt einen Vergleich vor, dem die Staatsanwaltschaft und die Angeklagten zustimmten.

So war der inzwischen Pleite gegangene Tiergroßhändler mit einer Geldbuße von 4200 Euro einverstanden, im Gegenzug wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt. Dem wegen der Falschausstellung von Abstammungs- und Altersurkunden angeklagte Biologe des Kreises Heinsberg wurde eine Geldbuße von 2000 Euro auferlegt. Der Richter betonte ausdrücklich, dass keine Rede von bewusstem Amtsmissbrauch sein könne. „Sicher ist hier manchmal schlampig gearbeitet worden”, sagte er. Doch selbst „drei von vier Gutachtern”, schränkte Brandt ein, hätten nicht eindeutig Herkunft und Alter der gepanzerten Reptilien feststellen können. Die meisten Tiere stammten von einer Zuchtfarm in Slowenien. Die Gutachter hatten allesamt am Richtertisch die Fotos der fraglichen Tiere in Augenschein genommen und waren nicht selten in einen erbitterten Fachstreit geraten.

Ohne jede Auflage wurden die Verfahren gegen den Verwaltungsbeamten und den Gehilfen des Tierhändlers eingestellt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert