Aachen - Vennbahn: Milliarden für die radelnden Touristen

Vennbahn: Milliarden für die radelnden Touristen

Von: Angela Delonge und Anne Lenhardt
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Rursee-Idylle in Schwammenauel: Die Radtour auf dem Ruruferradweg gehört zu den beliebtesten Strecken in der Eifel. Sie kann pauschal gebucht oder auf eigene Faust unternommen werden. Foto: Rureifel-Tourismus

Aachen. Der Vennbahnradweg ist einer der jüngsten Radwege in NRW, aber längst haben die Freizeitradler der Region die „Radstrecke des Jahres 2014“ für sich entdeckt. Er wartet mit 125 familienfreundlichen Kilometern von Aachen nach Luxemburg durch das Hohe Venn und das Ourtal auf.

Er führt entlang einer alten Bahntrasse und ist besonders steigungsarm. Seit März macht der Vennbahn-Tourenplaner die Planung dieses längsten grenzüberschreitenden Bahntrassenradweges noch einfacher.

Es braucht nur ein paar Sonnenstrahlen, und auf dem Vennbahnradweg, einer von 40 Themenrouten, die das Land NRW zu bieten hat, herrscht reger Betrieb. Fast 15 Millionen funktionstüchtige Fahrräder besitzen die Menschen in Nordrhein-Westfalen. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes stehen in knapp 80 Prozent aller Haushalte im Schnitt 2,2 Fahrräder bereit. Spätestens jetzt im Frühling nutzen auch zahllose Einheimische ihre Räder für einen Ausflug ins Grüne.

In den vergangenen drei Jahrzehnten haben Kommunen, Land und Bund insgesamt etwa 1,6 Milliarden Euro in den Bau von 9000 Kilometern Radweg in Nordrhein-Westfalen investiert. Allein das landesweite Radwegenetz, das die Städte und Gemeinden verbindet, umfasst bereits mehr als 14.000 Kilometer. Hinzu kommen Radwege beispielsweise zu Sehenswürdigkeiten. Mittlerweile gibt es über 40 ausgewiesene Themen- und regionale Routen im Land, 70 landesweite Radstationen und mehr als 600 fahrradfreundliche Gastbetriebe.

„Der Radtourismus ist in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Segmente im nordrhein-westfälischen Tourismus geworden“, sagt Julie Sengelhoff von Tourismus NRW. Die beliebtesten Gebiete der Fahrradfreunde sind nach wie vor das Münsterland und der Niederrhein, zu dem die Freizeitregion Heinsberg gehört. 550 Kilometer touristisches Radwegenetz liegen im Viereck zwischen holländischer Grenze, Schwalmtal, Rheydt und Städteregion Aachen – Ruruferradweg, Grünroute, Niederrheinroute und Zwei-Länder-Route als touristische Hauptradrouten inklusive.

Kein Wunder, dass die Verantwortlichen des Heinsberger Tourist-Service das Radwandern als ihre Kernkompetenz betrachten. Seit 2005 orientieren sich Radtouristen hier am bewährten Knotenpunktsystem nach holländischem Vorbild. 99 rote Knotenpunkte durchziehen den Kreis Heinsberg, einfacher geht Radtourismus wirklich nicht. Die Einführung von Radeln nach Zahlen ist laut Vereinsgeschäftsführerin Patricia Thiel „die lohnendste Investition, die wir je getätigt haben“.

Das Beispiel scheint Schule zu machen, denn auch der Kreis Düren, durch den ein großer Teil des 180 Kilometer langen Ruruferradwegs führt, hat das Knotenpunktsystem vor anderthalb Jahren eingeführt. „Das hat das Radfahren in der Region deutlich vereinfacht“, sagt René Wißgott, stellvertretender Geschäftsführer des Vereins Rureifel-Tourismus. Die gesamte Strecke von der Quelle der Rur im belgischen Botrange bis zur Mündung in der niederländischen Stadt Roermond ist eine der beliebtesten Fahrradrouten der Region, mit wenigen Aufs und Abs – streckenweise sogar kombinierbar mit dem Schiff, der Bahn oder dem Kanu. Die beliebteste Tour in der Eifel ist und bleibt aber die 27 Kilometer lange Runde um den Rursee: Für diese Tour steigen 70 Prozent aller Tagestouristen aufs Rad. Tendenz steigend.

Aber auch im Ruhrgebiet steigt die Zahl der Radler. „Unter anderem liegt das auch hier an den vielen Radwegen, die auf stillgelegten Bahntrassen entstanden sind“, meint Jochen Schlutius, Sprecher der Ruhr-Tourismus GmbH. Eine Million Tagesausflügler sind nach Angaben von Ruhr-Tourismus pro Jahr allein auf den 230 Kilometer Ruhrtalradweg zwischen Winterberg und Duisburg unterwegs.

Davon profitierten Hotel- und Gastbetriebe, sagt Schlutius. Schließlich will der müde Radler nach des Tages Mühen gut essen und schlafen. „Viele Hoteliers wollen am Erfolg des Ruhrtalradwegs teilhaben“, sagt er. „Vor allem am Wochenende standen früher viele Hotelbetten wegen der ausbleibenden Geschäftskunden leer. Durch die Radtouristen können die Hotels nun auch samstags und sonntags die Betten füllen.“ Zusätzlich lockten spezielle fahrradfreundliche Angebote und belebten so auch das Wochenendgeschäft der Betriebe.

Besonders die sogenannten „Bett & Bike“-Betriebe haben in den letzten Jahren stark zugenommen, sagt Anke Reiniger vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Allein in NRW gibt es rund 650 der fahrradfreundlichen Hotels und Jugendherbergen – Tendenz steigend. „Solche Unterkünfte bieten den Radfahrern neben der Möglichkeit, das Rad unterzustellen, auch einen Trockenraum für die Ausrüstung, regionale Fahrradkarten, Werkzeug für Reparaturen und Infos über die nächste Werkstatt“, sagt Reiniger.

Allein in der Region sind „Bett & Bike“-Unterkünfte noch Mangelware. Dabei sei die Zertifizierung beim ADFC gar kein großer Akt, finden Patricia Thiel und Gotthard Kirch, Geschäftsführer von Rureifel-Tourismus. Derzeit stehen Radlern in der Freizeitregion Heinsberg fünf zertifizierte und fünf nicht zertifizierte Betriebe zur Verfügung. Entlang des Ruruferradwegs in der Eifel sind es kaum mehr. Thiel sagt: „Wir wünschen uns mehr ‚Bett & Bike‘-Betriebe – und der Gast auch.“

Beobachtet man das rege Geschehen auf dem Ruhrtalradweg eine Zeit lang, fällt auf, dass viele der Radfahrer zur Gruppe der „Best Ager“ gehören, wie es Schlutius von Ruhr-Tourismus ausdrückt. „Die Generation 50 plus tritt immer häufiger in die Pedale“, glaubt er. „Viele von ihnen werden von motorbetriebenen Pedelecs unterstützt.“ Tatsächlich macht E-Biking, wie das Radfahren mit elektrischer Motorunterstützung heißt, schon jetzt einen nicht unerheblichen Teil des Fahrradtourismus‘ aus.

Im Kreis Heinsberg soll bald jede Kommune mit mindestens einer Ladestation ausgerüstet sein. In der Eifel mit ihren drei Verleihstationen in Heimbach, Nideggen und Zerkall sind insgesamt rund 100 E-Bikes unterwegs. Im vergangenen Jahr radelten 500 Menschen mit geliehenen E-Bikes rund um den See.

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